Investition für Frühe Förderung: Jeder Franken lohnt sich

Die Stadt hat in den vergangenen Jahren ein Konzept zur Frühförderung entwickelt. Es soll helfen, Kleinkinder besser auf die Schulzeit vorzubereiten.

Mario Testa
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Die Sprachspielgruppe DaZelwurm (DaZ: Deutsch als Zweitsprache) ist eines von vielen Angeboten zur Frühen Förderung in Weinfelden. (Bild: Mario Testa, November 2016)

Die Sprachspielgruppe DaZelwurm (DaZ: Deutsch als Zweitsprache) ist eines von vielen Angeboten zur Frühen Förderung in Weinfelden. (Bild: Mario Testa, November 2016)

Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung, und Kinder lernen spielend und schnell – ganz besonders draussen im Freien. Wenn Kinder aus fremden Kulturen ohne Deutschkenntnisse in Weinfelden aufwachsen, sollten sie möglichst früh an die hiesige Sprache und Gepflogenheiten herangeführt werden, damit sie nicht mit einem zu grossen Handycap eingeschult werden.

Angebote in Weinfelden gibt es sehr viele, aber es fehlt bislang an einer Übersicht. Die Stadt Weinfelden hat nun ein Konzept für solch «Frühe Förderung» erarbeitet, im März hatte es der Gemeinderat verabschiedet, vergangene Woche wurde es vorgestellt.

«In keinem Lebensabschnitt hat ein investierter Franken der öffentlichen Hand mehr Wirkung, als bei Kindern im Alter bis fünf Jahren», sagte Fachreferent Martin Haften, Professor an der Hochschule Luzern, bei der Vorstellung.

«Beim finanziellen Engagement hinkt die Schweiz beschämend weit hinten nach, doch Weinfelden hat seine Hausaufgaben gemacht und macht nun einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung.»

Austausch an regelmässigen Treffen

Seit dem Jahr 2015 gibt es in Weinfelden das Netzwerk Frühe Förderung. Stadträtin Ursi Senn-Bieri hat seither regelmässige Treffen mit Vertretern von Organisationen und Vereinen, die sich mit Kleinkindern beschäftigten, durchgeführt. Ebenfalls wurde 2017 bereits ein Chinderfäscht vom Netzwerk organisiert.

Nun soll mit dem Konzept zur Frühen Förderung diese Arbeit verbindlich abgestützt werden. Senn-Bieri hat mit Roger Häfner das Konzept erarbeitet, dies mit Unterstützung des Departements für Erziehung und Kultur sowie durch die Jacobs Foundation mit ihrem Programm Primokiz.

Sie nahmen eine Situationsanalyse vor und führten eine Umfrage unter 450 Eltern von Kleinkindern in der Stadt durch. Auch die Inputs aus einem Hearing mit 40 Teilnehmern und eine Expertenkonferenz mit 20 Teilnehmern flossen ins Konzept ein. Es hat zum Ziel, die Angebote besser zu Vernetzen unter allen Akteuren des Bildungs-, Gesundheits- und Sozialsystems.

Mehr Geld für Fördermassnahmen

Dazu soll eine Plattform geschaffen werden, bei der sich Eltern über die niederschwelligen und selektiven Angebote informieren können, und die Stadt soll sich für Begegnungs- und Entwicklungsräume für Kinder bis zum Kindergarteneintritt einsetzen. Aufgrund dieser Zielsetzungen sieht das Konzept diverse Massnahmen vor (siehe Kasten).

Bislang investierte die Stadt Weinfelden 300000 Franken jährlich in den Bereich der frühen Kindheit. «In den nächsten Jahren ist ein Ausbau um gut 50000 Franken geplant», sagt Ursi Senn-Bieri. «Mit dem Geld sollen die geplanten Massnahmen Schritt für Schritt angegangen und nach Möglichkeit realisiert werden.»

Massnahmen zur Frühen Förderung

Das Konzept sieht Massnahmen in vier Bereichen Vernetzung und Koordination, niederschwellige selektive Angebote, Begegnungsräume und allgemeine Angebote vor. Dazu gehören: Das Netzwerk Frühe Förderung vernetzt und koordiniert die Angebote der Vereine und Organisationen und fördert die Weiterbildung. Die Stadt Weinfelden bemüht sich um die Aufwertung der Spielplätze, des Hallenbads und der öffentlichen Plätze für Familien. Familien mit begrenzten finanziellen Mitteln werden unterstützt, ebenso Spielgruppen und das Familienzentrum. (red)

WEINFELDEN: Deutsch lernen vor dem Chindsgi

«DAZelwurm» heisst das neueste Angebot für Deutschkurse in Weinfelden. Im Treffpunkt an der Bankstrasse wollen die beiden Initiantinnen ausländische Kinder spielerisch an die Sprache heranführen. Diese Woche ist der Treff aufgegangen.
Mario Testa