Interview
«Teilweise flossen sogar Tränen»: Romanshorner Kult-Beiz schliesst auf Ende August

An der Stelle der beliebten Kuhstallbar in Romanshorn soll ein BMW-Museum gebaut werden. Aktuell ist das Lokal aber wie gewohnt in Betrieb. Bis Ende August werden die Gäste noch bedient. Wirtin Bettina Grädel spricht im Interview über die Ursprünge der Kuhstallbar und ihre Pläne nach deren Schliessung.

Luca Hochreutener
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Werden viele vermissen: Die Kuhstallbar gibt es nur noch bis Ende August.

Werden viele vermissen: Die Kuhstallbar gibt es nur noch bis Ende August.

Bild: Reto Martin

Vergangene Woche erschien in der «Thurgauer Zeitung» ein Artikel über das geplante BMW-Museum in Romanshorn. Der Unternehmer Heinz Eberhart will das Grundstück, auf jenem noch ein Gasthaus und eine Scheune mit der Kuhstallbar steht, komplett überbauen. Bettina Grädel führt die Bar seit dem September 2020.

Frau Grädel, wussten Sie schon länger, dass das Grundstück komplett überbaut wird oder kam die Nachricht unerwartet?

Da ich die Kuhstallbar von meiner Mutter übernommen habe, die den gesamten Gastrobetrieb samt Hotel Neuhaus über 38 Jahre geführt hat, habe ich auf eine längere Partnerschaft gehofft. Andererseits hat uns die RIC Immobilien AG von Anfang an kommuniziert, dass das Grundstück auch jederzeit weiterverkauft werden könne. Im Pachtvertrag war eine Kündigungsfrist von sechs Monaten festgelegt. Ende März kam dann schliesslich die Kündigung.

Bettina Grädel

Bettina Grädel

Bild: PD

Wie lange hat die Kuhstallbar noch geöffnet?

Bis Ende September bin ich noch Pächterin. Geöffnet haben wir noch bis Ende August. Bis dahin werden alle unsere Gäste wie gewohnt bedient.

Wie sah die Reaktion Ihrer Stammgäste aus?

Als die Gäste von der bevorstehenden Schliessung erfuhren, hatten einige damit zu kämpfen. Teilweise flossen sogar Tränen. Diese Bar ist absoluter Kult in Romanshorn, und mit der Schliessung geht eine regelrechte Ära zu Ende. Damals, vor etwa 20 Jahren, machte meine Mutter die Bar provisorisch für eine Fasnacht auf. Es war nicht viel mehr als ein umfunktionierter Stall. Heute gehört die Bar schlicht zu Romanshorn. Einige Stammgäste möchten jetzt ein Andenken davon haben. Jemand fragte mich sogar nach einem ganzen Holzbalken, den er gerne behalten würde, wenn die Scheune abgerissen wird.

Bettina Grädel und ihre Mitarbeiterin Tanja

Bettina Grädel und ihre Mitarbeiterin Tanja

Bild: PD

Wird Ihre Bar an einem anderen Ort weiterbetrieben?

Mitte September werde ich in Romanshorn ein neues Lokal eröffnen. Vom Namen her wird es definitiv etwas mit der Kuhstallbar zu tun haben. Die Kuhstallbar, wie man sie bisher gekannt hat, wird es aber nicht mehr geben. Die Verhandlungen für das neue Lokal laufen noch, deshalb kann ich noch nicht viel dazu sagen. Sie wird aber in der näheren Umgebung der jetzigen Bar eröffnet werden.

Sind bis zur Schliessung noch Events geplant?

Während der EM gibt es bei uns drinnen und draussen kleinere Public Viewings für die Spiele am Abend. Ausserdem werden wir auf jeden Fall eine «Ustrinkete» organisieren. Das genaue Datum wird noch kommuniziert, aber sie wird wahrscheinlich kurz vor der Schliessung Ende August stattfinden. Bis dahin würden wir uns freuen, wenn wir unsere Gäste noch wie gewohnt bedienen dürfen.

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