Interview
«Fleiss, Demut und Anstand sind ganz zentrale Werte»: Der Altnauer Raiffeisenpräsident setzt auf Bescheidenheit

Der 44-jährige Patrik Hugelshofer steht neu an der Spitze der Raiffeisen Regio Altnau. Im Interview erklärt er, weshalb die Bank zwingend einen guten Job machen muss und dazu auch Geld verdienen muss.

Urs Brüschweiler
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Patrik Hugelshofer: frisch gewählter Verwaltungsratspräsident im neuen Gebäude der Raiffeisenbank Regio Altnau.

Patrik Hugelshofer: frisch gewählter Verwaltungsratspräsident im neuen Gebäude der Raiffeisenbank Regio Altnau.

Bild: Andrea Stalder

Sie wurden mit 97,7 Prozent der Stimmen zum neuen Verwaltungsratspräsidenten der Raiffeisen Regio Altnau gewählt. Das ist wohl als gutes Ergebnis zu werten.

Ja, fast wie in Kuba (lacht). Aber im Ernst: Ich denke, das ist wirklich ein gutes Resultat und das Vertrauen freut mich. Wichtig dabei war jedoch die hohe Stimmbeteiligung von beinahe 30 Prozent unserer über 6500 Mitglieder, was sehr erfreulich ist.

Sie waren bisher bekannt als FDP-Ortspräsident in Kreuzlingen, Gemeinderat in Bottighofen und als Unternehmer. Wie kommen Sie zum Job des Bankpräsidenten?

Gesucht wurde ein Nachfolger für Martin Häni. Dieser sollte aus der Region stammen, gut vernetzt und unternehmerisch tätig sein. Da kam man auf mich. Ich habe einst eine Banklehre auf der damaligen SKA gemacht. Das war aber gar nicht entscheidend, ich bin jetzt auch seit über 20 Jahren weg vom Bankwesen. Das eine Jahr, das ich schon im Verwaltungsrat sass, war dann quasi das Trainingslager für das Präsidium.

Zur Person

Patrik Hugelshofer ist 44 Jahre alt und wohnt mit seiner Frau und zwei Kindern in Bottighofen. Er liebt Ausdauersportarten. Nach seiner Banklehre und einer Matura studierte Hugelshofer Internationale Beziehungen an der HSG. Er ist Inhaber und Geschäftsführer der Kreuzlinger Filtech AG. Die Mitglieder der Raiffeisen Regio Altnau wählten ihn für vier Jahre zum Verwaltungsratspräsidenten. (ubr)

Wie viel arbeitet man eigentlich als Präsident einer Raiffeisenbank?

Es gibt da keine fixen Stellenprozente. Es ist vielleicht ein halber Tag pro Woche. Der Verwaltungsrat ist ausschliesslich für die strategische Führung zuständig. Das heisst zum Beispiel die Einsetzung und Aufsicht über die Bankleitung und das Setzen von Schwerpunkten im Geschäft.

Die da wären?

Die Raiffeisenbanken sind zwar autonom, aber immer im Rahmen der Vorgaben von Raiffeisen Schweiz. In diesen Leitplanken können wir uns bewegen. Da das Hypothekengeschäft nicht mehr unendlich weiterwachsen kann, pushen wir derzeit das Anlagegeschäft und setzen auch mehr auf Vorsorgeprodukte.

Das Mutterhaus hatte zuletzt eher mit negativen Schlagzeilen für Aufsehen gesorgt. Wirkt sich das auf eine Regionalbank aus?

Das war zwar vor meiner Zeit. Aber ja, die Affäre Vincenz hat Raiffeisen sicher kräftig durchgeschüttelt. Aber die Bank hat das gut aufgearbeitet und ich denke, das ist jetzt bereinigt. Aber Werte wie Bescheidenheit und Demut sind sicher noch wichtiger geworden.

Die Worte Fleiss, Demut und Anstand kommen auch in Ihrem Bewerbungsschreiben an die Genossenschafter vor.

Ja, das sind für mich ganz zentrale Werte bei allem, was wir machen. Wir tragen eine wahnsinnig hohe Verantwortung. Es geht um das Ersparte der Menschen. Deshalb müssen wir zwingend einen anständigen Job machen. Aber um diese Sicherheit zu gewährleisten, müssen wir eben auch Geld verdienen.

Beim Neubau in Altnau und der Schliessung der vier Geschäftsstellen in Langrickenbach, Güttingen, Landschlacht und Lengwil erntete man auch Kritik.

Unser neues Gebäude ist wahnsinnig schön geworden, aber damit verdienen wir noch kein Geld. Wir müssen organisatorisch fit bleiben und die Kosten tief halten. Diese sind nun dank der Zusammenlegung massiv heruntergekommen. Und es ist wie bei der Post: Das klassische Schaltergeschäft gibt es heute kaum noch. Es geht letztlich um wirtschaftliche Realitäten. Dennoch sind und bleiben wir sehr präsent in unserem Marktgebiet. Rund 40 Leute arbeiten hier in Altnau und Bottighofen vor Ort und sind für die Kunden da und ansprechbar.

Die Raiffeisenbank im Nachbargebiet Tägerwilen ist grösser als Ihre und vor einigen Jahren hat die Kantonalbank in Altnau eine Filiale eröffnet. Der Konkurrenzkampf ist gross, oder?

Natürlich wäre es für uns besser, wenn die Kantonalbank nicht auch nach Altnau gekommen wäre. Ja, der Markt ist sehr umkämpft. Aber das ist immer zu Gunsten des Kunden. Da wir als Raiffeisenbank in unserem Gebiet klar definiert sind, ist sichergestellt, dass wir den Fokus immer auf unsere Region legen. Das ist eine unserer Stärken.

Weil wegen der Pandemie keine Raiffeisen-Abende stattfinden konnten, versprach man den Kunden eine Rückgabe dieser eingesparten Kosten.

Wir haben zu Gunsten unserer Genossenschafterinnen und Genossenschafter Gutscheine im Wert von 50'000 Franken für Restaurants in der Region verlost. Die Beizen erhalten dieses Geld bereits in den nächsten Tagen. So können sie etwas profitieren, weil sie mit am schwersten von der Pandemie betroffen waren.

Die Generalversammlung konnte nur schriftlich durchgeführt werden. Ihre öffentliche Amtseinsetzung fiel deshalb aus. Bedauern Sie das?

Da habe ich halt Pech gehabt. Das ist für mich aber auch nicht so tragisch, da leide ich nicht. Ich hoffe aber sehr, dass es bald wieder möglich ist, eine richtige Generalversammlung durchzuführen. Gerade für unsere Bank ist es sehr wichtig, dass sich die Chefs den Genossenschaftern zumindest einmal im Jahr zeigen und auch den Kopf hinhalten.