Interboot
TZ-Leser in massiver Schräglage - die grosse Yacht macht's möglich

Am Sonntag fand anlässlich der Messe Interboot in Friedrichshafen der Mediencup statt. Starke Winde verhinderten indes die Regatta, Spass machte der wilde Ritt über die Wellen jedoch allemal.

Mario Testa
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Die TZ-Leserinnen und -Leser während ihrer rasanten Fahrt auf dem Bodensee, geleitet von Skip Kurt Balle (gelbe Jacke).

Die TZ-Leserinnen und -Leser während ihrer rasanten Fahrt auf dem Bodensee, geleitet von Skip Kurt Balle (gelbe Jacke).

Bild: Mario Testa

«Unser Team hat toll funktioniert. Ich denke wir wären bei der Regatta um den Sieg gefahren», sagt Urs Kasper. Er ist einer von sechs TZ-Lesern, die sich für die Teilnahme am Interboot Mediencup vom Sonntag beworben hatte und sich im Wettbewerb einen Platz auf der grossen Yacht ergattern konnte. Die geplante Regatta – ein Rennen auf dem See gegen Yachten, besetzt mit Lesern und Hörern anderen Medienhäusern rund um den Bodensee – fand jedoch nicht statt.

Urs Kasper steuert die Yacht.

Urs Kasper steuert die Yacht.

Bild: Mario Testa

Am Sonntag herrschten Windgeschwindigkeiten von bis zu 35 Knoten auf dem See. Die Bojen, welche die Rennstrecke markieren sollten, trieben deshalb viel zu schnell in Richtung Ufer ab. Zudem war der Regatta-Leitung von der Firma Match Center Germany die Sicherheit der Teilnehmer wichtiger, als ein Start zur Regatta. «Sicherheit geht vor. Deshalb konnten wir die Regatta nicht durchführen», sagt Yasmin Auerswald von der organisierenden Messe Friedrichshafen GmbH.

Teamarbeit auf der grossen Yacht

Nichtsdestotrotz kam das TZ-Leserteam auf seine Kosten draussen auf dem See. Auch ohne Rennen gegen die Konkurrenz, ist es gefordert, als es um 14 Uhr nach dem Auslaufen aus dem Hafen in Friedrichshafen die Segel setzt. Instruiert und angeleitet vom erfahrenen Skip Kurt Balle, sind die sechs bald schon in ihrem Element, um die 13-Meter-Yacht zu bändigen.

Kurt Bächinger und Andi Fey bedienen eine Winsch während einer Wende.

Kurt Bächinger und Andi Fey bedienen eine Winsch während einer Wende.

Bild: Mario Testa

Kurt Bächinger aus Frauenfeld und Andi Fey aus Engelburg kümmern sich um eine Winsch, Esther Hiller aus Frauenfeld und Hans Blaser aus Berg um die andere. Ihr Job ist es, wenn es ans Wenden oder Halsen geht – also einen Richtungswechsel auf dem See –, die Seile zu straffen oder zu lockern. Urs Kasper aus Berlingen übernimmt derweil das Steuer, nach ihm Peter Brühlmann aus Andwil.

Die einen haben mehr Segelerfahrung, andere keine, so wie Kurt Bächinger. «Ich war noch nie auf einer Yacht, wollte aber schon lange einmal segeln», sagt der 68-Jährige. «Jetzt wo es losgeht, bin ich schon leicht nervös.» Und für ihn gibt es dann auch keine sanfte Einführung ins Segeln, sondern direkt einen heftigen Einstieg.

Zu viel Wind für eine Regatta

Die Yacht Nummer 3 mit der TZ-Crew an Bord während der Fahrt auf dem Bodensee.

Die Yacht Nummer 3 mit der TZ-Crew an Bord während der Fahrt auf dem Bodensee.

Bild: PD/Messe Friedrichshafen, Felix Kästle

Dank der starken Winde – am Ufer des Sees blinken bereits die Sturmvorwarnungen – gleitet die acht Tonnen schwere Bavaria 40s mit bis zu zehn Knoten übers Wasser. Trift eine Böe die grossen Segel, kippt das Schiff steil zur Seite. Da wird aus der gegenüberliegenden Wand plötzlich ein dankbarer Platz, um sich mit den Füssen abzustützen. «Ihr dürft überall draufstehen und euch überall festhalten, ausser an den Seilen», ruft Skip Kurt Balle.

Mal nah, bald Kilometer weit weg ziehen die anderen fünf baugleichen Boote mit den Besatzungen der anderen Medienhäuser ihre Linien durch die hohen Wellen. Bald wird klar, aus der Regatta wird nichts. Aber weitersegeln geht noch. Die TZ-Crew wechselt sich ab bei den Aufgaben auf ihrem Schiff.

Gute Stimmung herrscht auf dem Schiff. Esther Hiller steuert das Boot.

Gute Stimmung herrscht auf dem Schiff. Esther Hiller steuert das Boot.

Bild: Mario Testa

Die Gischt spritzt, der Wind peitscht übers Wasser, die Frisur sitzt nicht mehr. Esther Hiller weht es die langen Haare ins Gesicht, während sie am Steuerruder steht. Sie sagt:

«Beim Segeln ist man mitten in den Elementen Wind und Wasser. Es macht sehr viel Spass.»
Kurt Balle zeigt Peter Brühlmann, auf was er alles achten muss.

Kurt Balle zeigt Peter Brühlmann, auf was er alles achten muss.

Bild: Mario Testa

Der eine oder andere klammert sich plötzlich etwas mehr in die Griffe. «Falls jemand bogenhusten muss, immer in Windrichtung über die Reling», sagt Balle und grinst. Doch die Mägen aller Beteiligten halten durch während des wilden Ritts übers Wasser.

«Ich wäre schon gerne Regatta gefahren gegen fünf andere baugleiche Schiffe. Da zeigt sich, wer es am besten macht», sagt Urs Kasper. Aber auch er strahlt, während er am Ruder steht und laut das Kommando zur nächsten Wende ruft: «Ree!» Und Peter Brühlmann ergänzt: «Die Herausforderung ist, dass das Schiff keine Fahrt verliert während der Manöver. Wir hätten das sicher gepackt.»