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In Weinfelden öffnet der Bürgerarchivar seine Schatztruhe für die Öffentlichkeit

Bürgerarchivar Franz Xaver Isenring veranstaltet an zwei Abenden Führungen durch das Bürgerarchiv. «Ich hoffe, dass unser Archiv so sein etwas verstaubtes Image ablegen kann – den verstaubt ist es ja definitiv nicht», sagt Isenring.
Mario Testa
Franz Xaver Isenring im Archiv der Bürgergemeinde Weinfelden. (Bild: Andrea Stalder)

Franz Xaver Isenring im Archiv der Bürgergemeinde Weinfelden. (Bild: Andrea Stalder)

«Ich zeige Trouvaillen aus fünf Jahrhunderten», sagt Franz Xaver Isenring. «Die ältesten Exponate im Bürgerarchiv datieren aus dem späten 15. Jahrhundert.» Während sich der Bürgerarchivar sehr oft im Dachgeschoss des Gemeindehauses aufhält, wo sich das Archiv der Bürgergemeinde befindet, ist der Öffentlichkeit der Zutritt verwehrt.

Zur Erinnerung an Verstorbene: Ein Trauerbild mit den Locken einer Frau.(Bild: Andrea Stalder)

Zur Erinnerung an Verstorbene: Ein Trauerbild mit den Locken einer Frau.
(Bild: Andrea Stalder)

Das will Isenring an zwei Abenden (siehe Kasten) ändern. «Ich finde, es ist ein so schönes Archiv hier in dem hellen Raum. Es gibt hier viele schöne, eindrückliche Schätze. Diese sollen Geschichtsinteressierte auch mal anschauen und anfassen dürfen», sagt er. Mit seiner Idee der Führungen durchs Archiv habe er sich an den Verwaltungsrat der Bürgergemeinde gewannt. Dieser gab sein Okay für die beiden Anlässe.

«Das Bürgerarchiv gibt es seit mindestens 300 Jahren. Und doch wissen viele gar nichts davon.»

sagt Isenring. Wie alt die Bürgergemeinde Weinfelden selbst ist, weiss Isenring nicht. «Sie wird mit dem Bürgertum nach dem Mittelalter entstanden sein», sagt er. «Mit der Französischen Revolution hat die Bürgergemeinde ihre ursprüngliche Funktion verloren. Davor hatte sie etwa dieselbe Funktion wie heute die Politische Gemeinde. Sie war staatliche Instanz, hat das Dorf verwaltet, für Sicherheit gesorgt und Steuern eingetrieben.»

Vor 100 Jahren herrschte volle Steuertransparenz

Ein reichlich dekoriertes Exponat aus dem ältesten Ratsbuch Weinfeldens.(Bild: Andrea Stalder)

Ein reichlich dekoriertes Exponat aus dem ältesten Ratsbuch Weinfeldens.
(Bild: Andrea Stalder)

Zu den Steuererträgen gibt es im Bürgerarchiv ein sehr spannendes Exponat aus dem Jahr 1919: Das schwarze Büchlein. Darin sind alle Bewohner von Weinfelden aufgelistet mit ihrem versteuerten Vermögen und Einkommen. «So hat damals jeder von jedem gewusst, wie viel Steuern er bezahlt. Heute wird ja ein riesiges ‹Gschiss› um die Geheimhaltung dieser Daten gemacht», sagt Franz Xaver Isenring.

«Zum Beispiel in diesen Büchlein dürfen die Leute an der Führung sehr gerne schmökern, es ist sehr interessant und aufschlussreich.»
Das ältestes Exponat der Sammlung ist ein grosses Pergament mit Siegeln, eine Gesetzgebung aus dem Jahr 1474, die sogenannte Offnung des Dorfes.

«Ich habe Ehrfurcht, wenn ich so alte Dokumente in der Hand halten darf.»

sagt Isenring. Trotzdem ist Anfassen auch an den Führungen erlaubt. «Klar gibt man solche Exponate nicht im Kreis rum, aber bei kleinen Gruppen ist Anfassen mit sauberen Händen erlaubt.»

Wertvolle «Eidgenössische Chronik»

Die ältesten Bücher hatten ein Einband aus Makulator, es gab noch keinen Karton.(Bild: Andrea Stalder)

Die ältesten Bücher hatten ein Einband aus Makulator, es gab noch keinen Karton.
(Bild: Andrea Stalder)

Das wertvollste Exponat im Bürgerarchiv ist eine der 1000 Repliken der «Eidgenössischen Chronik» von Werner Schodoler. «Er war Schultheiss und Kriegsjournalist Anfang des 16. Jahrhunderts. Er hat beispielsweise die Schlacht bei Marignano dokumentiert – und weil er das nicht im Auftrag eines Fürsten machte, sondern eigenständig, sind seine Bücher auch objektiv und kritisch», sagt Isenring.

Auch auf die 68 Bilder der Metzger-Sammlung wird der Bürgerarchivar anlässlich der Führungen eingehen. «Ich hoffe, dass unser Archiv so sein etwas verstaubtes Image ablegen kann – den verstaubt ist es ja definitiv nicht», sagt Isenring.

Zwei öffentliche Führungen

An zwei Abenden öffnet Franz X. Isenring das Bürgerarchiv für Interessierte. Der erste Anlass findet am Mittwoch, 23. Oktober um 19.30 Uhr statt. Eine zweite Führung, bei genügend Anmeldungen, folgt am 13. November, ebenfalls um 19.30 Uhr. Während rund eineinhalb Stunden dürfen die Teilnehmer das Bürgerarchiv anschauen, Exponate auch in die Hand nehmen. Bürgerarchivar Franz X. Isenring erzählt Wissenswertes zu den einzelnen Exponaten. Die Teilnahme kostet 10 Franken.

Anmeldung:
kultur.tourismus@weinfelden.ch
oder Tel. 071 626 83 85

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