In Weinfelden holzen die Schulkinder für ihr neues Schulhaus

Die Schülerinnen und Schüler erleben diese Woche, wo das Holz für ihr neues Schulhaus Martin Haffter gefällt wird. Die Projektwoche ist der Auftakt zu einer ganzen Reihe «Schule machen mit dem neuen Schulhaus».

Mario Testa
Merken
Drucken
Teilen
Lehrerin Hanna Götz schiesst zum Abschluss der Exkursion in den Wald ein Gruppenbild mit ihrer Klasse und den Förstern auf der gefällten Föhre.

Lehrerin Hanna Götz schiesst zum Abschluss der Exkursion in den Wald ein Gruppenbild mit ihrer Klasse und den Förstern auf der gefällten Föhre.

(Bild: Mario Testa)

«Üses Holz, üsen Stolz!» Unter diesem Motto steht der Neubau des Primarschulzentrums Martin Haffter. Das neue Schulhaus wird komplett aus Holz gefertigt, das in der Region geschlagen, gesägt und verarbeitet wird. Auch die Schulkinder sollen den Bau im Rahmen von Projektwochen begleiten.

Diese Woche dürfen alle Schülerinnen und Schüler zwei Stunden in den Weinfelder Wald und erleben dort, wie die Bäume gefällt werden, aus denen später ihr neues Schulhaus entsteht.

Mehrere Projekte während der Bauzeit

Reto Som, Projektleiter und Klassenlehrer.

Reto Som, Projektleiter und Klassenlehrer.

(Bild: Mario Testa)

Lehrer Reto Som ist für die schulischen Spezialprojekte während der Bauphase zuständig. «Der Neubau dauert etwa eineinhalb Jahre. Die Idee ist, dass wir während der ganzen Zeit immer wieder Themen zum Bau im Unterricht aufgreifen – also Schule machen mit dem neuen Schulhaus», sagt er.

Den Auftakt bildet der Ausflug zu den Förstern im Wald, nach dem Spatenstich von vergangener Woche. «Wir werden auch die Sägerei in Buhwil besuchen, wo aus den Bäumen Balken und Bretter gesägt und später die Elemente fürs Schulhaus gezimmert werden.»

Mit dem Postauto zur Exkursion in den Wald

Förster Fabian Schrämmli

Förster Fabian Schrämmli

(Bild: Mario Testa)

Mit einem Postauto fährt Reto Som die Schüler jeweils in den Wald. Mit einem lauten «Tü-Ta-To» rollt der Bus heran. Die Kinder – gestern waren es die 1.-Klässler der Lehrerinnen Annette Bez und Hanna Götz – stürmen heraus. Sie tragen warme Kleider, Regenhosen und solide Schuhe. Förster Fabian Schrämmli nimmt sie in Empfang und geht mit ihnen durch den Wald. Immer wieder hält er an und erzählt etwas zu den Bäumen, Sträuchern oder Holzhaufen im Wald.

«Diese Haufen haben wir gemacht, damit kleine Tiere wie Igel, Eidechsen und Vögel ein Zuhause finden, wo sie vor Fressfeinden sicher sind»

sagt Schrämmli. Die Kinder erfahren von ihm auch, dass der Borkenkäfer eine grosse Plage ist, viele Eschen von einem Pilz befallen sind oder einzelne Fichten an der Rotfäule erkrankt sind. Die Kinder löchern den Förster mit Fragen: «Warum haben diese Baumstämme farbige Punkte drauf? Weshalb sind da Nummern an den Stämmen? Was heisst befruchten?» Schrämmli gibt geduldig Auskunft, meistert elegant auch die letzte Antwort.

Heulende Motorsäge im Wald

Aus sicherer Entfernung verfolgen die Kinder, wie Forstwart Rico Tenini den Baum fällt.

Aus sicherer Entfernung verfolgen die Kinder, wie Forstwart Rico Tenini den Baum fällt.

(Bild: Mario Testa)

«Wollt ihr jetzt sehen, wie wir einen Baum fällen?» – «Jaaa!» schreien die Kinder. Forstwart Rico Tenini erklärt an einer Föhre, auf was er alles achten muss, bevor er den Baum fällen darf. Dann müssen die Kinder weiter weg. In sicherem Abstand verfolgen sie, wie Tenini die grosse Fichte fällt. Sie kracht auf den Waldboden. Dann dürfen die Kinder zurück und sich den gefällten Baum ansehen. Zur Erinnerung gibts ein Gruppenfoto.

Hans-Jörg Isler, Jagdaufseher.

Hans-Jörg Isler, Jagdaufseher.

(Bild: Mario Testa)

Dass der Wald nicht nur zum Holzgewinn da ist, sondern auch Lebensraum für viele Tiere bietet, erklärt ihnen anschliessend Jagdaufseher Hans-Jörg Isler. Er erzählt ihnen, weshalb zu viele Rehe für die Jungbäume ein Problem sind und zeigt dazu verbissene Bäumlein. «Ich bin erstaunt, wie empfänglich die Kinder sind für das, was ich erzähle», sagt Isler. «Besonders freuen sie sich natürlich über meine Hündin Heika.

Jagdaufseher Hans-Jörg Isler gibt seiner Hündin Heika mit der Hand ein Zeichen. Die Kinder schauen aufmerksam zu.

Jagdaufseher Hans-Jörg Isler gibt seiner Hündin Heika mit der Hand ein Zeichen. Die Kinder schauen aufmerksam zu.

(Bild: Mario Testa)

Den Kindern gefällt der Ausflug in den Wald, wie sie beim Punsch am wärmenden Feuer sagen. «Mir hat gefallen, wie der Baum gefallen ist», sagt Elodie. «Und ich weiss jetzt, dass man dann immer weit wegstehen muss.» Ben hat sich über Hündin Heika und ihr Apportieren gefreut. «Das war toll. Wie man Bäume fällt, hab ich eben schon mal gesehen.»