In Weinfelden führen einige Ladenbesitzer Lieferservices ein

Detaillisten beliefern Kunden, wenn diese zu Hause bleiben müssen. Das reduziert die Kontakte und hilft vielen Geschäften auch, drohende Umsatzeinbussen etwas abzufedern.

Mario Testa
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Lukas Madörin liefert Bestellungen mit dem E-Transportvelo und Anhänger in Weinfelden aus.

Lukas Madörin liefert Bestellungen mit dem E-Transportvelo und Anhänger in Weinfelden aus.

(Bild: Mario Testa)

Ob Nahrungsmittel, Medikamente oder Bücher. Seit dieser Woche bieten diverse Weinfelder Detaillisten neu einen Lieferservice an. Davon profitieren einerseits die Kunden, welche zu Hause bleiben müssen und doch mit dem Nötigsten versorgt werden können, anderseits aber auch die Geschäfte selbst, da sie trotz Ladenschliessung weiter Umsatz generieren.

Lukas Madörin steigt nun mehrmals am Tag auf sein Transportvelo und beliefert so seine Kunden mit Nahrungsmitteln. «Wenn die Kunden anrufen, vereinbaren wir den Liefertermin», sagt der Gemüsehändler.

«Langsam spricht sich das Lieferangebot rum, aber noch läuft es zögerlich.»

Sein Restaurant hat Madörin geschlossen, alle Tische und Stühle weggeräumt. Suppen, Gemüse und Pasta gibt es weiterhin, aber nur noch im Take-away. «Ich mache so weiter, um meine Familie versorgen zu können. Für meine Mitarbeiter kann ich Kurzarbeit anmelden, aber als Inhaber verdiene ich sonst nichts mehr.»

Buchhändlerin spürt grosse Solidarität

Buchhändlerin Katharina Alder.

Buchhändlerin Katharina Alder.

(Archivbild: Andrea Stalder)

Katharina Alder und ihr Team mussten die Buchhandlung Klappentext schliessen. Um ebenfalls irgendwie über die Runden zu kommen, hat sie einen Lieferservice eingerichtet und dieses Angebot auf Facebook publik gemacht. «Die Reaktionen waren fantastisch. Wir bekommen viele Bestellungen und spüren eine ganz grosse Solidarität», sagt Alder.

Um mit den Lieferungen nicht zur Virenverteilerin zu werden, hat sie strikte Abläufe eingeführt.

«Wir haben das ganze Geschäft desinfiziert. Bei den Lieferungen fassen wir alles nur mit Handschuhen an, trennen unsere Aufgabenbereiche auch strikt.»
Dominik Engeli hat mit seinem Team in der Apotheke Drogerie Aemisegger Zonen eingezeichnet, um für genügend Abstand zu sorgen.

Dominik Engeli hat mit seinem Team in der Apotheke Drogerie Aemisegger Zonen eingezeichnet, um für genügend Abstand zu sorgen.

(Bild: Mario Testa)

Auch die Weinfelder Apotheken liefern aus – bleiben aber geöffnet. «Wir arbeiten nun im Zwei-Team-Modus. Heute das eine, morgen das andere. So vermeiden wir, dass sich im schlimmsten Fall das ganze Team ansteckt», sagt Dominik Engeli, Geschäftsführer der Apotheke Drogerie Aemisegger. «Ich muss auch den Kunden ein Kränzchen winden. Sie setzen die von uns eingeführten Hygienemassnahmen im Geschäft diskussionslos um.» Dank des gesteuerten Kundenstroms habe sein Team auch genügend Kapazität, um die Arbeiten im Büro zu erledigen, und vor allem, um Desinfektionsmittel zu produzieren.

Das ist auch bei der Apotheke Hörmann die wichtigste Arbeit momentan, sagt Ursula Hörmann. «Ich arbeite täglich 18 Stunden. Die Herstellung der Desinfektionsmittel hat Priorität. Unser Lieferservice wird eher noch wenig genutzt.»

Brillenreparatur auch beim Hausbesuch

Peter Kimpel in der «Villa Optik».

Peter Kimpel in der «Villa Optik».

(Bild: Mario Testa)

In diesen Tagen, wo viele Leute unfreiwillig Zeit zum Lesen, Fernsehen oder Kreuzworträtseln haben, ist eine gute Sicht wichtig. «Ich mache deshalb auch weiter, bei Bedarf auch Hausbesuche», sagt Optiker Peter Kimpel von der Villa Optik. «Brillen gehören zu den medizinischen Hilfsmitteln, deshalb bleibt das Geschäft offen.»

Roger Simmen in seinem «Dolce Vita».

Roger Simmen in seinem «Dolce Vita».

(Bild: Mario Testa)

Auch Roger Simmen darf sein Lebensmittelgeschäft «Dolce Vita» offen lassen. «Aber das Bistro ist zu, ich hab’ alle Tische weggeräumt. Auch ich biete Lieferservice an, auf Wunsch auch am Sonntag. Als Unternehmer muss ich jetzt kreativ sein.»

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