In Weinfelden entsteht die erste Biogasanlage - damit soll regionale Energie aus Klärschlamm gewonnen werden

Die Technischen Betriebe Weinfelden wollen eine Biogasanlage erstellen. Rohstoff der Energie ist Klärschlamm.

Sabrina Bächi
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Die Bauvisiere stehen: Neben der ARA Weinfelden soll die erste Biogasanlage der Stadt errichtet werden.

Die Bauvisiere stehen: Neben der ARA Weinfelden soll die erste Biogasanlage der Stadt errichtet werden.

Bild: Reto Martin (Weinfelden, 29. Mai 2020)

Der Gang aufs stille Örtchen zahlt sich in Weinfelden bald doppelt aus. Denn die Technischen Betriebe Weinfelden (TBW) wollen bei der Kläranlage im Zelgli eine Biogasaufbereitungsanlage bauen. Diese Anlage nutzt das Gas des Klärschlamms und bereitet es zu hochwertigem Gas auf.

Da es kein fossil gewonnener Brennstoff ist, nennt es sich Biogas und ist praktisch CO2-neutral. «Es ist ein Kreislauf, der sich schliesst», sagt Michael Frick, Leiter Markt bei den TBW.

Rund zehn Gemeinden von Erlen bis Pfyn leiten ihre Abwässer via Kanalisation aus den Haushalten und den Gewerbe- und Industriebetrieben in die Abwasserreinigungsanlage (ARA) in Weinfelden. Bei der Reinigung des Abwassers entsteht Klärgas. Dieses soll dann mittels der Anlage zu Biogas aufbereitet und ins Gasnetz der TBW eingespeist werden.

Biogas braucht keine Sonne die scheint

Michael Frick, Leiter Markt TBW

Michael Frick, Leiter Markt TBW

Bild: PD

«Der Vorteil gegenüber erneuerbarem Strom ist, dass Abwasser rund um die Uhr anfällt, egal ob beispielsweise die Sonne scheint. Somit wird auch Biogas rund um die Uhr ins Netz eingespeist», sagt Frick.

Derzeit ist in dem Gas der TBW Biogas aus Schweizer Produktion mit einem Anteil von zehn Prozent beigemischt. Sobald die Biogasanlage steht, wollen die TBW diese zehn Prozent mit Weinfelder Biogas ersetzen. Die Baupläne liegen auf Seit Donnerstag liegen die Baupläne im Weinfelder Bauamt auf. Gibt es keine Einsprachen, kann der Bau losgehen.

«Die TBW haben mit der Firma Energie 360 Grad einen Spezialisten, was den Bau von solchen Aufbereitungsanlagen betrifft, gewinnen können.» Die Anlage steht dann ebenfalls bei der ARA im Zelgli.

«Bisher sind die Gase des Klärschlamms ein Abfallprodukt. Durch diese Anlage können wir rund 200 Haushalte mit 100 Prozent Biogas beliefern.»

Rund 10 Franken mehr im Monat

Wahrscheinlicher ist aber, dass mehrere Kunden bis zu 20 Prozent Biogas nutzen würden. Denn gemäss neuem kantonalem Gesetz über die Energienutzung müssen ab Sommer alte Häuser, die mit Gas beheizt werden, mindestens 20 Prozent Biogas verwenden.

Auszug aus dem Bauplan, der in der Bauverwaltung ausgehängt ist.

Auszug aus dem Bauplan, der in der Bauverwaltung ausgehängt ist.

Bild: Sabrina Bächi

Das kommt den TBW und der neuen Anlage zu Gute. Um Weinfelder Biogas beziehen zu können, muss der Kunde aber etwas tiefer in die Tasche greifen als bisher. Wer etwa sein Haus zu 100 Prozent mit Biogas heizen will, zahlt im Monat 80 Franken mehr.

«Wer die vom Kanton geforderten 20 Prozent Anteil Biogas nutzt, zahlt dann rund 10 Franken mehr im Monat», sagt der 46-Jährige. Der Grund dafür ist, dass schweizweit in grösseren Anlagen günstiger Gas aufbereitet werden kann als mit der geplanten Aufbereitungsanlage in Weinfelden.

Weinfelder Biogas soll eine Erfolgsgeschichte werden

«Die Technischen Betriebe setzen schon lange auf lokale und erneuerbare Energie», sagt Frick. Er selbst ist etwa Mitinitiator des Thurgauer Naturstroms.

«Das ist eine Erfolgsgeschichte und ich hoffe, das Weinfelder Biogas wird auch eine.»

Das Bedürfnis nach Biogas sei vorhanden, «aber wir werden nicht gerade überrannt», sagt Frick. Er würde es sich wünschen, dass die Kunden vermehrt auf Biogas setzen. «Ich hoffe, dass das Biogas aus der Region einen weiteren Anreiz schafft, vermehrt auf dieses Produkt zu setzen.»