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In Sulgen üben Frauen wirkungsvolle Methoden der Selbstverteidigung

Die Organisation «Weg ohne Angst» hilft Frauen, sich gegen physische Gewalt von Männern zu wehren. Unter realistischen Bedingungen fand in der Tiefgarage eines Mehrfamilienhauses ein realitätsnahes Training statt.
Hannelore Bruderer
Eine Kursteilnehmerin übt die Abwehr eines Angreifers. (Bild: Hannelore Bruderer)

Eine Kursteilnehmerin übt die Abwehr eines Angreifers. (Bild: Hannelore Bruderer)

Eine Frau geht durch den Korridor zur Tiefgarage. Sie trägt eine Einkaufstasche. Plötzlich steht ein Mann vor ihr. Er grüsst sie freundlich, sie grüsst zurück. Als er auf gleicher Höhe mit ihr ist, packt er sie und versucht, sie in einen Technikraum zu zerren. Die Szene ist gestellt, sie könnte sich so aber jederzeit im realen Leben abspielen.

Es sind sechs Teilnehmerinnen von Selbstverteidigungskursen der Organisation «Weg ohne Angst» (WoA), die kürzlich in der Tiefgarage eines Mehrfamilienhauses an der Bühlstrasse unter den Augen von vier Instruktorinnen ein Training absolvieren. Die Hausbewohner sind vorgängig informiert worden.

Das ist auch nötig, denn beim Training geht es hart zur Sache. Da werden verbal lauthals Grenzen gesetzt und echte Schläge ausgeteilt. Einstecken müssen diese die beiden «Angreifer» Emmanuel und Lukas, die zum WoA-Team gehören und ihren Part als Trainer im Schutzanzug übernehmen.

Verschiedene Stufen des Abwehrverhaltens

Um sich den Frauen zu nähern, lassen sich die Männer immer wieder neue Tricks einfallen. Mal bitten sie um eine Auskunft, mal haben sie eine Panne am Fahrrad, mal wischen sie unauffällig den Boden – dann schlagen sie unverhofft zu.

Um die Männer abzuwehren, wenden die Frauen jene Techniken an, die sie in den Selbstverteidigungskursen gelernt haben. Mit einem noch netten «Lassen Sie mich bitte durch!», über ein bestimmtes «Fassen Sie mich nicht an!» bis zum deutlichen «Ich habe Nein gesagt!» stellen die Frauen ihren Standpunkt klar.

Lassen sich die Angreifer dadurch nicht einschüchtern und halten sie fest, schlagen die Frauen zu, und zwar richtig. Die Männer sind aber gut geschützt. Sie tragen dicke Polster am Oberkörper und um den Genitalbereich sowie Vollschutzhelme.

Schläge werden nicht nur angedeutet

«Die Männer in unserem Team sind Gold wert. Sie stecken nicht einfach nur Schläge ein, sondern sind speziell ausgebildet, denn ihre Aufgabe erfordert sehr viel Fingerspitzengefühl», erklärt Barbara Holzer. Sie arbeitet seit über 20 Jahren im Bereich der frauen- und mädchenspezifischen Gewaltprävention und leitet die WoA.

Anders als in an deren Kursen werden bei WoA Schläge nicht nur angedeutet. Zwar trainieren die Frauen die diversen Techniken zu Beginn ebenfalls durch Andeuten oder an Kissen, im Verlauf des Kurses kommen dann aber die Männer dazu und die Frauen lernen durch echtes Zuschlagen, ihre Schlaghemmungen abzubauen.

Gefahren rechtzeitig erkennen

Die körperlichen Abwehrtechniken sind nur ein Teil der Kursinhalte. Im Kurs erhalten die Teilnehmerinnen zuerst eine Einführung in die Problematik der Gewalt und der sexuellen Gewalt. In Rollenspielen lernen sie, wie sie Angriffe verbal abwehren können und wie sie Personen, die sie belästigen, Grenzen setzen.

Trainiert wird ebenso, wie Gefahren erkannt werden können. Frauen fügen sich nicht mehr in die Opferrolle «Ziel unserer Kurse ist es, dass die Frauen Selbstvertrauen gewinnen und sich ihrer Stärken bewusst werden. Allein das richtige Auftreten und Verhalten trägt viel zur eigenen Sicherheit bei, sodass es gar nicht zu Tätlichkeiten kommt», sagt Barbara Holzer.

Körperliche und mentale Herausforderung

Ein Fall, dass eine Kursteilnehmerin körperliche Abwehrtechniken anwenden musste, ist der WoA-Leiterin nicht bekannt. «Wichtig ist aber, dass wir den Teilnehmerinnen die Gewissheit mitgeben, dass sie sich effizient wehren können.» Das realitätsnahe Training ist nicht nur physisch anstrengend, sondern auch mental fordernd.

«Die plötzliche, körperliche Nähe eines Fremden, der einen mit voller Kraft anfasst, macht schon Angst – auch wenn man weiss, dass es sich nur um eine Übung handelt», fasst eine Kursteilnehmerin ihre soeben gemachte Erfahrung zusammen. Diese Angst hat bei ihr jedoch nicht dazu geführt, sich hilflos in die Opfer- rolle zu begeben, denn sie hat gelernt, sich zur Wehr zu setzen.

Verschiedene Angebote

Die Organisation «Weg ohne Angst» bietet Frauen und Mädchen Schnupper-, Grund- und Fortbildungskurse zur Selbstverteidigung an. Die Kurse werden ab acht Teilnehmerinnen durchgeführt, in der Regel im «Dojo» in Weinfelden; bei genügend Anmeldungen kann ein Kurs auch an einem anderen Ort durchgeführt werden. Informationen und Anmeldungen im Internet unter www.wegohneangst.ch. (hab)

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