In Stachen kommt ein Schaf selten allein

Mit «Lilja... lernt leben» will Marion Treichl vor allem eines: Zeigen, dass es in Ordnung ist, anders zu sein. Die Physiotherapeutin wird zwei weitere Kinderbücher über Lilja schreiben.

Lara Jörgl
Drucken
Teilen
Marion Treichl, Kinderbuchautorin. (Bild: PD)

Marion Treichl, Kinderbuchautorin. (Bild: PD)

Lilja ist ein lila Schaf, das in einer weissen Herde aufwächst. Um der Ausgrenzung ihrer Gruppe zu entkommen, macht sie sich auf die Suche nach einem Ort, an den sie wirklich dazugehört. Diese Geschichte soll Kindern wie erwachsenen aufzeigen, dass es okay ist, anders als die anderen zu sein.

Marion Treichl hat dieses Kinderbuch unter Einbezug ihrer eigenen Lebensgeschichte und ihrer Tätigkeit als Physiotherapeutin geschrieben. Die Idee ein Kinderbuch zu schreiben, kam ihr aber schon mit sechs oder sieben Jahren. Worum es gehen sollte war lange unklar.

«Viele Patienten haben mit erzählt, wie viel sie bedauern; Sachen, die sie nie getan haben obwohl sie es wollten. Ich wollte eine Geschichte schreiben, die Kindern sagt, sie sollen ihren Herzen folgen.»

Die Illustrationen des Buches sind anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Es sind von Hand gezeichnete Schafe mit einem Fotohintergrund.

Die Illustratorin fiel auf einmal aus

Das Design war so eigentlich nicht geplant, erzählt Treichl: «Ursprünglich habe ich eine Illustratorin eingestellt.» Mit jener hätte sie einen Abgabetermin im Februar ausgemacht, doch sie vertröstete Treichl immer wieder. «Irgendwann war es dann April, die Bilder waren immer noch nicht fertig und ich war verzweifelt. ich wusste, entweder musste ich mein Glück selbst in die Hand nehmen oder die Idee komplett verwerfen.»

Sie beschloss, ihr Kinderbuch selber zu illustrieren. Zuerst lernte sie, ein Schaf zu zeichnen, dann schaffte sie sich ein Graphic Tablet an. Nachdem sie gefühlt Tausende Schafe gezeichnet hatte und Kinder ihre Zeichnungen auch erkannten, war sie zufrieden. Den Hintergrund, das wusste sie schon von Anfang an, würde sie nicht alleine zeichnen können. «Dafür fehlt mir das Talent.» Stattdessen entschied sie sich dazu, Bilder aus der Region zu machen und diese als Hintergrund zu benutzen.

Entstanden ist daraus ein Buch, das ebenfalls aufzeigt, dass man nicht perfekt sein muss und auch mal gegen den Strom schwimmen kann. Besonders habe ihr ihre Familie geholfen. Ihr Mann hätte ihr das Graphic Tablet erklärt und ihr Sohn sogar selbst ein Schaf gezeichnet, das es ins Buch geschafft hat. Beide hätten sie von Anfang bis Ende unterstützt. Mit dem einzigartigen Layout wurde das Buch im August 2018 veröffentlicht und ist nun auch bei Orell Füssli erhältlich.

«Lilja... lernt leben» wird voraussichtlich das erste Buch einer Trilogie sein. Die weiteren Bände werden «Lilja... lernt lieben» und «Lilja... lernt lernen» heissen, ebenfalls im Eigenverlag erstellt. Weiter geht es mit dem Projekt Herzenslachen mit einem Fragebogen, der noch vor Weihnachten online gehen soll. «Es soll viele Menschen inspirieren, zum Nachdenken anregen und viele Herzen zum Lachen bringen.»