Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

«In mir fliesst gelbes Blut», sagt die Amriswiler Pöstlerin Esthi Guthöhrlein

Morgens um 5.20 Uhr: 25 Zusteller sortieren bei der Post unzählige Briefe und Pakete. Mittendrin ist Esthi Guthöhrlein, die Zustellerin und Teamleiterin. Das Postgut kommt per Camion aus Frauenfeld.
Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
Zustellerin und Teamleiterin Esthi Guthöhrlein sortiert Briefe. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Zustellerin und Teamleiterin Esthi Guthöhrlein sortiert Briefe. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Soeben ist ein Lastwagen bei der Post Amriswil, genauer gesagt bei der Zustellstelle, vorgefahren. Mit einem freundlichen «Guten Morgen» begrüsst Esthi Guthöhrlein den Chauffeur, der aus der Fahrerkabine aussteigt und mit dem Abladen der Briefe und Pakete beginnt. Die Postsendungen werden in Plastikkisten, die auf Sammelbehältern gestapelt sind, angeliefert. «Die Ware wird jeden Morgen kurz vor halb sechs Uhr per Camion aus Frauenfeld zu uns gebracht», sagt die Zu- stellerin und Teamleiterin Esthi Guthöhrlein.

In ihren grau-gelben Uniformen treffen die ersten Briefträgerinnen und Briefträger ein. Nach und nach kommen weitere dazu. Die 25 Zustellerinnen und Zusteller – wie sie heute genannt werden – beginnen zwischen 5.45 und 6 Uhr mit ihrer Arbeit. Rund zwei Stunden sind sie am Sortieren und Einfächern des Postgutes in die zahlreichen Gestelle – und dies in reiner Handarbeit. Die Postsortierung erfolgt nach Postleitzahlen – für die Stadt Amriswil und die umliegenden Dörfer. Sortiert wird nach Touren und Strassen, damit auf den Botengängen nach logischer Reihenfolge ausgetragen werden kann. Speditiv und ruhig wird gearbeitet, jeder Handgriff sitzt.

«Etwa um 8 Uhr werden die Zusteller auf ihre Tour gehen», erzählt Esthi Guthöhrlein. Zwölf Touren seien im Ortskern von Amriswil und der nahen Umgebung – elf in den Aussenbezirken, wie beispielsweise Mattwil, Schönenbaumgarten, Erlen, Sitterdorf und Zihlschlacht.

Landesweit gibt es drei logistische Zentren

«Vorsortiert wird die Briefpost zuvor jeweils in Zürich-Mülligen, dem schweizweit grössten Briefzentrum. Von dort gelangen die Sendungen zum Logistikzentrum Frauenfeld und anschliessend zu uns», erklärt Esthi Guthöhrlein. Landesweit gibt es drei logistische Zentren, in denen die Briefpost der Schweiz vorsortiert wird: Zürich-Mülligen, Härkingen und Eclépens. Die Paketpost für die Ostschweiz wird in Frauenfeld verarbeitet und ebenso an die umliegenden Zustellstellen gebracht. Die A-Post werde in der Nacht bis in die frühen Morgenstunden und die B-Post vom Morgen bis am Nachmittag verarbeitet, weiss die Zustellerin. Besonders für Geschäftskunden sei es oftmals entscheidend, dass wichtige Sendungen innert kürzester Zeit am Ziel eintreffen. So werden unter anderem Medikamente, Architekturpläne oder Fahrzeugbestandteile nach wie vor per Post-Express verschickt.

Digitalisierung als grösste Herausforderung

All die Veränderungen und Umstrukturierungen bei der Post in den vergangenen Jahren hat Esthi Guthöhrlein hautnah miterlebt. «Jede Veränderung ist eine Herausforderung, die aber auch spannend ist. Schliesslich darf man nicht stehen bleiben», sagt die 53-Jährige. Die grösste Herausforderung sei momentan die Digitalisierung. Durch den E-Mail-Verkehr habe die Briefpost abgenommen und werde noch weiter zurückgehen, bedauert sie. Jährlich sei eine rund vierprozentige Abnahme zu verzeichnen. Die schönste Veränderung habe es jedoch bei der Postzu- stellung gegeben. Vor einiger Zeit haben die Zusteller neue Fahrzeuge erhalten – Dreirad-Roller Kyburz DXP. Mit diesen E-Scootern sind die ‹Pöstler› nicht nur umweltfreundlich unterwegs, sondern auch sehr sicher. Das Unfallrisiko habe sich minimiert, und zudem seien die Dreirad-Roller einfach manövrierbar.

«Das Team bei der Post ist meine zweite Familie. Man unterstützt sich gegenseitig.
Die Arbeit macht mir viel Freude.»

Ihre Ausbildung hat Esthi Guthöhrlein in den 80er-Jahren bei der Post im zürcherischen Seuzach gemacht. Sie sei dort die erste weibliche Briefträger-Lernende gewesen. Denn früher war ‹Pöstler› vorwiegend ein Männerberuf. Die Aufnahmekriterien seien schon damals nicht zu unterschätzen gewesen, erzählt Esthi Guthöhrlein, die bei der Zustellstelle Amriswil seit 2012 Teamleiterin ist.

Das Briefvolumen steigt in der Weihnachtszeit an

«Die schönste Zeit ist jeweils vor Weihnachten – dann, wenn die Briefe nicht nur in weissen, sondern in farbigen Couverts verschickt werden», meint die Zustellerin schmunzelnd. Zudem steige in der Weihnachtszeit das Briefvolumen enorm an. Ruhiger werde es nun in den kommenden Wochen, wenn mancherorts Betriebsferien sind.

Und was schätzt Esthi Guthöhrlein, die in Illighausen wohnt, an ihrem Beruf ganz besonders? «Es ist der Kundenkontakt – all die Begegnungen mit den verschiedensten Leuten, den Kindern, aber auch den Hunden», sagt sie und lacht. Ausserdem dürfe sie auf ein gut eingespieltes und aufgestelltes Team zählen. «In mir fliesst gelbes Blut. Ein Leben ohne Post kann ich mir gar nicht vorstellen.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.