In Kurzrickenbach finden sich «Arm und Reich» in den Bildern wieder

Open Place und offenes Atelier organisieren gemeinsam eine Ausstellung in der Kirche.

Inka Grabowsky
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Die Stellwände zeugen von der Kreativität der ausstellenden Künstlerinnen und Künstler.

Die Stellwände zeugen von der Kreativität der ausstellenden Künstlerinnen und Künstler.

Bild: Benjamin Arntzen

Die Bänke auf einer Seite der Kirche sind ins Depot gestellt. Sie machen Platz für Stellwände, welche von der Klinik in Münsterlingen ausgeliehen werden konnten und für deren Beleuchtung die Stadt Kreuzlingen die Mittel gab. 68 Bilder und Objekte laden nun mitten in Kurzrickenbach für sechs Wochen zum Nachdenken über «Arm und Reich» ein. Einige Werke sind ganz sachlich, andere romantisch oder symbolisch.

Ein umfassendes Begleitheft hilft bei der Interpretation. Wer sich nach dem Ausstellungsbesuch über das Gesehene austauschen will, kann das direkt vor Ort in einem Café tun. «Ein schöner Moment», sagt Pfarrer Damian Brot. Er erklärt:

«Wir erleben den Kirchenraum als Schatz, der für Vieles genutzt werden kann.»

Das Thema auf vielfältige Art erleben

Die Ausstellung ist entstanden aus der Reihe «Café Treff Philosophie», die sich «Arm und Reich» zum Jahresthema gewählt hat. «Die Kommission des Open Place wollte das Thema auf vielfältige Art bearbeiten – unter anderem auch visuell», sagt Susanne Dschulnigg, Präsidentin der evangelischen Kirchgemeinde. Die Organisatoren griffen auf eine inzwischen dreijährige Tradition der Zusammenarbeit mit dem offenen Atelier der Stiftung Mansio zurück.

Lenka Roth, die Kunsttherapeutin des Ateliers, ist inzwischen auch Teil der Betriebskommission des Open Place. Rund ein Drittel der gezeigten Werke stamme nun von interessierten Bürgern oder vom Projekt «Zäme kreativ sii» des Open Place der Kirche, sagt sie, zwei Drittel vom offenen Atelier. Lenka Roth erklärt:

Lenka Roth

Lenka Roth

Bild: Benjamin Arntzen
«Einige Menschen, die zu uns kommen, geniessen den kreativen Prozess an sich, andere suchen die Resonanz.»

«Wir haben vor einem halben Jahr mit einem Brainstorming zum Schwerpunkt gestartet. Danach haben die Künstler im Atelier für sich allein weitergearbeitet», erklärt Andreas Göldi, Ergotherapeut im offenen Atelier. «Uns allen ist klar, dass sich der Abstand in der Gesellschaft zwischen Arm und Reich vergrössert. Über die Kunst kann man sich dazu austauschen.» Göldi betont, dass es den Künstlern im offenen Atelier, die oft unter psychischen Beeinträchtigungen leiden, nicht nur um die materiellen Unterschiede geht. «Es gibt auch seelischen Reichtum, der ungerecht verteilt ist.»

Ein-Mann-Musiktheater zur Vernissage

Die Vernissage am Sonntagnachmittag ermöglichte es vor allem den beteiligten Künstlern, sich von der Wirkung ihrer Werke im Raum zu überzeugen. Pandemiebedingt durften nur geladene Gäste dabei sein. Die Eröffnung wurde umrahmt vom Konstanzer Schauspieler und Musiker Simon Weiland, der sein Ein-Mann-Musiktheaterstück zum Thema «Arm und Reich» präsentierte. Auf Basis des Märchens «Vom Fischer und seiner Frau» diskutiert er darin wortspielend alle möglichen Bedeutungen der beiden Adjektive. Der verzauberte Butt wird beim ihm zum Stichwortgeber, der einen Reichen und einen Armen ihre unterschiedlichen Assoziationen zum Thema äussern lässt. Am 6. März haben alle Kreuzlinger eine Chance, sein Stück im Kult-X zu sehen.

Die Ausstellung in der Kirche Kurzrickenbach ist bis zum 4. Januar montags von 14 bis 16 Uhr und donnerstags von 17 bis 19 Uhr geöffnet.