In Kreuzlingen leben deutlich weniger Flüchtlinge, also wird auch die Weihnachtsfeier kleiner

Statt im Dreispitzsaal richten die Seelsorger des Asylzentrums die Feier im Flüchtlingscafé des Agathus aus.

Judith Schuck
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Auf der vergangenen Weihnachtsfeier für Asylbewerber im Dreispitz Kreuzlingen wurde auch gesungen.

Auf der vergangenen Weihnachtsfeier für Asylbewerber im Dreispitz Kreuzlingen wurde auch gesungen.

(Bild: Andrea Stalder, 22.12.2018)

Für geflüchtete Menschen organisieren die Seelsorger des Kreuzlinger Asylzentrums jedes Jahr einen Anlass. Bisher fand die Feier mit rund 300 Teilnehmern im Sport- und Kulturzentrum Dreispitz statt. Schon letztes Jahr kamen nur noch 60 Bewohner aus dem Empfangs- und Verfahrenszentrum. Hanspeter Rissi, Diakon bei der evangelischen Gemeinde Kreuzlingen und Organisator der Weihnachtsfeier sagt:

Hanspeter RissiDiakon

Hanspeter Rissi
Diakon

(Bild: Andrea Stalder)
«Am kommenden Montag rechnen wir wieder mit etwa 60 Teilnehmenden. Darum haben wir die Veranstaltung in die Agathu verlegt.»

Es gibt bereits genügend Schals

Die Zahl der Asylsuchenden habe sich seit der neuen Asylgesetzgebung ab März 2019 und der Umstrukturierung des EVZ in ein Ausreisezentrum derart minimiert, dass der kleine Rahmen im Kreuzlinger Flüchtlingscafé völlig ausreiche.

«Wir werden den Anwesenden wie in den vergangenen Jahren selbstgestrickte Schals schenken; die Aktion haben wir dieses Mal nicht in den Medien publik gemacht, da bereits ausreichend Schals beisammen sind.»

Obwohl die Organisation reibungslos läuft, schwingt beim Diakon ein wenig Sorge mit: Die Feier fände nun zum ersten Mal seit der Revision des Asylgesetzes statt. «Es könnte sein, dass jemand an diesem Tag einen negativen Bescheid bekommen hat», was für alle ein trauriges Ereignis wäre. «Wir sammeln jetzt erste Erfahrungen.»

Die Stimmung ist umgeschlagen

Karl Kohli, Präsident der Arbeitsgruppe für Asylsuchende (Agathu), teilt diese Bedenken: Es sei deutlich spürbar, dass wir nun ein Ausreisezentrum in Kreuzlingen hätten.

«Das Zentrum ist für 300 Menschen angelegt, aktuell sind dort 60 bis 90 untergebracht.»

Diese würden sehr gut betreut, «sie sind erfreulich wenig auf uns angewiesen.» Aber wo die Menschen früher noch voller Hoffnung waren, herrsche heute Resignation vor. Die Stimmung sei eine ganz andere.

Hanspeter Rissi betont ausserdem: Zwar sei die Zahl der Asylsuchenden in Kreuzlingen stark zurückgegangen, doch wären mehr Menschen denn je auf der Flucht. Laut UN-Statistik sind es weltweit aktuell 71 Millionen, davon 3,5 Millionen asylsuchend. Sie kämen nur nicht zu uns durch, gibt Rissi zu bedenken:

«Die Mauer, von der Donald Trump spricht, gibt es bei uns längst, wenn man auf die Stacheldrahtzäune im Osten und aufs Mittelmeer schaut.»

Überall würden Flüchtende zurückgehalten. Die Lager an den EU-Aussengrenze seien katastrophal überfüllt. «Die niedrigen Zahlen in der Schweiz gaukeln uns nur vor, dass sich die Situation verbessert hat.»

Zäme Wiehnacht fiire am Heiligabend

2008 rief die evangelische Kirchgemeinde «Zäme Wiehnachte fiire» ins Leben, eine Feier, die allen offen steht, die alleine sind oder nicht zu Hause feiern möchten. Diakonin Doris Münch betreut diese Veranstaltung am Heiligabend nun seit 12 Jahren, auch die katholischen Pfarreien beteiligen sich seit einiger Zeit daran. Am 24. Dezember von 17.30 bis 21.30 Uhr mit Christbaumschmücken, Abendessen und Wichteln im Ulrichhaus. Pro Person kostet der Abend 20 Franken, Anmeldung bis zum 20. Dezember über st.ulrich@kath-kreuzlingen.ch oder doris.muench@evang-kreuzlingen.ch.

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