Interview

In Kreuzlingen lässt sich der Maler Kurt Lauer über die Schultern schauen 

Zu Besuch bei Kurt Lauer: Der 74-jährige Maler ist nimmermüde und lädt Interessierte auf eine Entdeckungstour durch sein Atelier ein.

Sarina Kihm
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Kurt Lauer arbeitet in seiner Werkstatt an einem seiner Gemälde.

Kurt Lauer arbeitet in seiner Werkstatt an einem seiner Gemälde.

Andrea Stalder

In der Villa Raichle hängen, stehen und stapeln sich die Gemälde. Leere Wände gibt es im Atelier fast nicht mehr zu sehen. Im nächsten Raum spielt sich das Gleiche ab. Überall liegen Pinsel herum. Tuben in allen Farben häufen sich auf einem Schreibtisch. In der Mitte des Raumes: Kurt Lauer an einem neuen Werk, das auf einer menschengrossen Staffelei steht.

Sie müssen wohl bald aufhören zu malen, wenn Sie so weiter machen. Es hat doch fast keinen Platz mehr zwischen den vielen Leinwänden.

Kurt Lauer: Künstler sind gerne unvernünftig. Ich bin wie Kolumbus. Er hat nach der Entdeckung Amerikas auch nicht aufgehört zu reisen, sondern machte ständig weiter. Irgendwo finde ich immer ein Plätzchen.

Was war denn für Sie Ihr «Amerika»?

Das war als ich mit 32 Jahren bei einer Ausstellung in Ermatingen 37 Bilder verkaufen konnte. Erst im Nachhinein ist mir klargeworden, was für ein Glück ich damals hatte. Es hätte nämlich auch gut sein können, dass für mich kein Amerika, also kein Erfolg, aufgetaucht wäre. Ich habe damals einen sehr mutigen Schritt gewagt, als ich mich dazu entschied, mich völlig auf die Malerei zu konzentrieren.

Wie wurde Ihnen klar, dass Sie Maler werden wollen?

Ich zeichne seit ich ungefähr drei Jahre alt bin. Als ich meine Lehre als Vermesser begonnen habe, durfte ich meine ersten Bilder im Büro aufhängen. Die Reaktion einer Mitarbeiterin vergesse ich nie. Sie sagte, dass sie das Bild zwar nicht verstehe, es aber schön fände. Ab da, das war im Jahr 1974, wusste ich, dass es mit dem Malen etwas werden könnte.

Interessierte können einen Blick in Kurt Lauers Atelier werfen.

Interessierte können einen Blick in Kurt Lauers Atelier werfen.

Andrea Stalder

Woher holen Sie die Inspirationen für Ihre Werke?

Von der Musik. Ich zeichne sie sozusagen. Wie beim Musikspielen, wo ich immer wieder neue Töne ausprobieren kann, mache ich das selbe beim Malen. Neue Figuren und Formen entstehen, was für mich immer wieder eine Überraschung ist. So folgt auf ein Element das nächste. Deswegen gehen mir die Ideen nie aus.

Was haben Sie lieber, die Musik oder das Malen?

Ich brauche beides. Die Musik ist für mich eine super Ergänzung zum Maleralltag. Denn wenn man den ganzen Tag alleine im Atelier arbeitet, tut es gut, durch die Musik unter die Leute kommen zu können.

Was wollen Sie mit der Einladung zum Atelierbesuch bei ihren Besucherinnen und Besucher erreichen?

Mir ist es wichtig, dass die Leute einen Blick hinter die Kulissen der Arbeit eines Künstlers werfen können. Sie erhalten präzise Angaben zur Erstellung meiner Werke und dürfen im Atelier auf Entdeckungstour gehen.

Auf einem Schreibtisch liegen diverse Farbtuben.

Auf einem Schreibtisch liegen diverse Farbtuben. 

Andrea Stalder

Können Besucherinnen und Besucher auch die Bedeutung Ihrer Bilder erfahren?

Eine Bedeutung sollen alle für sich selbst herausfinden. Die Interpretation von einem Bild vergleiche ich nämlich mit einer anstrengenden und zeitintensiven Bergwanderung. Auf dem Berggipfel angekommen, kann man beim Anblick der Aussicht fast nicht mehr aufhören zu staunen. Wenn ein Bild die Bedeutung sofort preisgibt, ist das für mich, wie eine Fahrt mit einer Bergbahn. Die Aussicht vom Gipfel fühlt sich danach im Vergleich zur Wanderung nur halb so schön an.

Kurt Lauer lädt ein

Er öffnet sein Atelier noch drei Mal

Wie alle Jahre in der Vorweihnachtszeit lädt der 1945 in Radolfzell geborene Künstler Kurt Lauer die Bevölkerung ein, sein Atelier zu besuchen. In der Villa Raichle gibt es sowohl vollendete, wie auch unvollständige Leinwände zu entdecken. Lauer ist in der Bodenseeregion als origineller Maler und Jazzmusiker bestens bekannt.

Seit 1978 ist er der Leader der Jazzband «Swiss-German-Dixie-Corporation». In Kreuzlingen war er Mitgründer der «JazzMeile» und erhielt 2016 von der Stadt den «Prix Kreuzlingen».

Hinweis: Die Tür zur Villa Raichle an der Schützenstrasse 37 in Kreuzlingen ist noch am Samstag, 7. Dezember, am Sonntag, 8. Dezember, und am Sonntag, 15. Dezember von 10.06 bis 16.16 Uhr für Interessierte offen.

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