In Kradolf-Schönenberg werden erfolgreich legale Hanfprodukte hergestellt

Die Firma Medropharm verarbeitet die Heilpflanze Cannabis sativa zu Produkten für die Lebensmittel-, Pharma- und Kosmetikindustrie. In der Cannabisbranche gehört sie zu den führenden Unternehmen in Europa.

Georg Stelzner
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Geschäftsleitungsmitglied Peter Külling in der Indoor-Produktionsanlage auf dem Interpars-Areal in Schönenberg. (Bild: Georg Stelzner)

Geschäftsleitungsmitglied Peter Külling in der Indoor-Produktionsanlage auf dem Interpars-Areal in Schönenberg. (Bild: Georg Stelzner)


Die Gründung der Firma vor fünf Jahren war ein riskantes Unterfangen mit ungewissem Ausgang. Zu gross war die Skepsis in der Öffentlichkeit gegenüber einem Projekt, das darauf abzielte, sich auf dem dünnen Eis der Cannabisverarbeitung zu etablieren.

Der Einstieg sei in der Tat alles andere als einfach gewesen, sagt Peter Külling, Geschäftsleitungsmitglied und Verantwortlicher für die operativen Belange am Hauptsitz in Kradolf. «Es war wie ein Kampf gegen Windmühlen und ich fühlte mich bisweilen auch wie Don Quixote.» Heute seien die Bedenken weitgehend ausgeräumt. Die Leute, auch die Einwohner der Gemeinde Kradolf-Schönenberg, seien gut informiert und in der Lage, zwischen legalem Medizinal- und verbotenem Drogenhanf zu unterscheiden.

Herstellung von Salben, Extrakten und Tinkturen

Die Medropharm GmbH ist nach den Worten Küllings auf die Gewinnung, Produktion und Vermarktung von Cannabinoiden und cannabinoidhaltigen Produkten spezialisiert. Das heisst, die Tätigkeit der Firma besteht darin, natürliche Wirkstoffe sowie Spezialapplikationen von Zwischen- und Fertigprodukten zu entwickeln und herzustellen.

«Unser Ziel ist es, die Heilpflanze Cannabis sativa und ihre wertvollen Bestandteile für die Lebensmittel-, Pharma- und Kosmetikbranche nutzbar zu machen», sagt Külling. Unzählige Kunden und Patienten in aller Welt schwörten heute auf die Salben, Extrakte und Tinkturen aus dem Thurgau. Sie seien inzwischen in Apotheken und Drogerien erhältlich und würden auch von Ärzten verschrieben. Dank der Erfolge habe diesbezüglich ein Umdenken eingesetzt.

Entscheidend ist der Anteil an THC

Der Grund, weshalb die Firma Medropharm in Kradolf-Schönenberg produzieren kann, hat mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen zu tun. In der Schweiz sind nur Hanfpflanzen verboten, deren THC-Gehalt mehr als 1 Prozent beträgt. Die Grenze zur Illegalität ist somit exakt definiert. THC ist die Abkürzung für die berauschende Substanz Te- trahydrocannabinol.

Die Firma Medropharm hat das Problem gelöst. «Es ist uns gelungen, Pflanzen mit einem THC-Wert von 0,5 bis 0,8 Prozent zu züchten, womit sie so legal sind wie Pfefferminzblätter», erklärt Külling. Er räumt ein, dass die Schweiz ideale Voraussetzungen für die erlaubte Produktion bietet. Der Grenzwert liege höher als in anderen Ländern, das Klima sei günstig und der Strom relativ günstig.

Baubewilligung für neue Produktionsanlage

Baubewilligung für neue Produktionsanlage Der kommerzielle Erfolg der Firma, die in Kradolf-Schönenberg 30 Mitarbeiter beschäftigt, ermöglicht Investitionen. Nach den Worten Küllings wird auf dem schon jetzt benutzten Interpars-Areal in Schönenberg demnächst eine neue, hochmoderne Indoor-Produktionsanlage erstellt, die zu einer Verzehnfachung der Anbaufläche führen wird.

Mit künstlichem Licht und mit optimalen Nährstoffen lasse sich das Wachstum der Pflanzen markant beschleunigen, begründet Küllling das Vorhaben. Man werde aber weiterhin auch Felder unter freiem Himmel bewirtschaften. Külling ist überzeugt, dass der Hanfanbau eine Chance für die heimische Landwirtschaft darstellt.

Dass das Unternehmen allen Unkenrufen zum Trotz heute floriert, ist auch Kaspar Böhi zu verdanken. «Er glaubte an das Projekt und stellte uns die benötigten Produktionsflächen in Schönenberg die ersten zwei Jahre zur Verfügung», findet Külling aufrichtige Worte des Dankes.

Duft oder Gestank?

Im Oktober werden in der Region einige Tonnen Cannabis geerntet. Das hat Immissionen zur Folge. Wenn die Pflanzen durch die Hände der Erntearbeiter gehen, setzen sich ätherische Öle frei, was den Geruch verstärkt. Die Firma Medropharm teilt mit, dass der Geruch von Cannabis absolut unbedenklich sei. Er werde auch nicht von allen Menschen gleich empfunden. Manche würden ihn mögen, andere nicht. Der Geruch kann je nach Witterung mehr oder weniger intensiv sein. Das Unternehmen ersucht die Anwohner um Verständnis und Nachsicht. (st)

Erntehelfer gesucht

Die Firma Medropharm beginnt Anfang Oktober mit der Ernte auf ihren Medizinalhanf-Feldern im Raum Sulgen. Für diese landwirtschaftlichen Arbeiten werden zahlreiche Hilfskräfte benötigt. Der Arbeitseinsatz erstreckt sich über die Dauer vier bis sechs Wochen. Die Tätigkeit wird im Stundenlohn honoriert. Ausser einer gewissen körperlichen Fitness sind keine speziellen Voraussetzungen nötig. Interessenten können sich ab sofort melden: entweder unter der Telefonnummer 071 642 15 61 oder per E-Mail an p.kuelling@medropharm.ch. (st)