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Altersheim für Pferde in Hosenruck: Hier verbringen Stuten in der Herde ihren Lebensabend

Seit 1994 beherbergt Landwirt Roland Hugentobler Gnadenbrottiere. Bei ihm geniessen Pferde und Kühe ihren Lebensabend und kriegen ihr Futter von einem Computer zugeteilt.
Viviane Vogel
Landwirt Roland Hugentobler steht neben einem Gandenbrotpferd im offenen Stall. (Bild: Mario Testa)

Landwirt Roland Hugentobler steht neben einem Gandenbrotpferd im offenen Stall. (Bild: Mario Testa)

Eine weiche Schnauze wandert dem Notizblock entlang. Kann man das essen? Das Pferd knabbert den Block an, entscheidet sich dann aber schnell dagegen. Wenn man den Gnadenhof Stall Happy in Hosenruck betritt, wird man von allen Seiten beschnuppert und von mehreren Pferdeköpfen angestupst. Um die Beine wuselt ein Schäferhund, der einen ebenso freundlich begrüsst, wie es die Pferde tun.

Verschiedene offene Ställe bieten reichlich Platz für die Pferde, welche hier ihren Lebensabend in der Herde geniessen dürfen. «Im Sommer könnten wir die Pferde eigentlich Tag und Nacht draussen halten, wären da nicht die Bremen und Fliegen», sagt Roland Hugentobler, der das Pferde-Altersheim mitten im Grünen privat betreibt. Die Tiere auf seinem Hof gehören seinen Kunden. Rund 450 Franken im Monat kostet ein Platz im Stall. «Momentan beherbergen wir auf unserem Gnadenhof 87 Pferde und 15 Kühe.»

Beobachten ist das A und O

Ein metallener Schlag lässt Hugentobler innehalten. Aufmerksam beobachtet der Landwirt ein Pferd, das scheinbar ausgerutscht ist. Es kämpft gegen den schliefrigen Untergrund an und rafft sich nach einigen Versuchen wieder auf. «Das passiert nicht selten», erklärt Hugentobler. «Die Pferde lehnen sich manchmal beim Schlafen unbewusst nach vorne. So gibt es ein Übergewicht und sie fallen um.» Normalerweise sei das nicht so dramatisch.

Generell sei Beobachten ein essenzieller Bestandteil seiner Tätigkeit, sagt Hugentobler. Es geht darum, Tiere zu verstehen und ihre Mimik richtig lesen und deuten zu können. Eine grosse Herausforderung sei jeweils, die Neuankömmlinge in die Herde einzugliedern. «Oft kommen Pferde hierher, die sich nur eine Pferdebox und Menschen gewohnt sind», erklärt der Landwirt. «Wegen dieser Eingliederungsphase und der damit verbundenen Beobachtungsarbeit sollte der Betreiber eines solchen Gnadenhofs viel Pferdeverstand haben.»

«Ein Ross das nur rumsteht, ist krank.» - Roland Hugentobler

So gehört es auch zu Hugentoblers Aufgaben, zu merken, wann ein Pferd das Ende seines Lebens erreicht hat. «Wenn ich sehe, dass ein Tier leidet, setze ich den Besitzer in Kenntnis und mache gemeinsam mit ihm und dem Tierarzt einen Termin ab.» Ist ein Tier eingeschläfert, lässt man es meist noch etwas im Stall liegen, inmitten der Herde. Die Tiere kommen dann zum Schnuppern vorbei, um Abschied zu nehmen.

Wie lange die Pferde in Hosenruck noch ihren Lebensabend geniessen können, variiert. «Ein Pferd kann locker 25 Jahre alt werden. Manche leben zehn Jahre bei uns, andere mögen nach drei Jahren nicht mehr», erläutert der 54-Jährige.

Der Computer teilt das Essen zu

Ein Pferd folgt Hugentobler auf Schritt und Tritt. «Dreimal dürfen Sie raten, wen ich hier selbst füttere», scherzt er. Mit dieser Ausnahme werden die Pferde auf diesem Hof sonst von einem Computer gefüttert. «Durch einen Chip im Hals können sich die Pferde registrieren. Dazu müssen sie nur die Futterbox betreten. Der Computer erkennt das Pferd und weiss, wie viel Futter es braucht.» So sei eine Individualisierung der Fütterung überhaupt möglich. Der Stall Happy in Hosenruck war einer der ersten Schweizer Höfe, der so einen Heu-Computer einsetzte.

Damit endet der Rundgang. Der Notizblock ist angeknabbert, am T-Shirt klebt Pferdesabber und der Hund ist müde. Er musste die ganze Zeit aufpassen und den vielen Hufen ausweichen.

Kein Platz für Hengste

Den Stall Happy gibt es seit 1994. Unter den Pensions- und Gnadenbrotpferden findet sich kein einziger Hengst. «Vor allem auch spät kastrierte Tiere sind schwierig. Sie verhalten sich noch wie vor der Kastration und bringen viel Unruhe in den Stall», erläutert Roland Hugentobler, Landwirt des Stalls Happy. Er kenne keine Gnadenhöfe in der Schweiz, ­welche spät- oder unkastrierte Pferde auf­nehmen. «Wenn ich hier Hengste halten würde, hätte ich immer einen vollen Stall», sagt Hugen­tobler und grinst. Stuten können noch bis ins hohe Alter gebären. «Ein- mal hatten wir einen spät ­kastrierten Hengst hier, der sogar über den massiven, hohen Zaun hinter dem Stall gesprungen ist – nur um zu einer Stute zu gelangen.»

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