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In Ermatingen wird das Groppenlied nicht mehr gesungen – denn der Komponist war ein Nazi

An der letzten Fasnacht der Welt wird das Groppenlied, ihre Erkennungsmelodie, nicht mehr erklingen. Das Lied stammt aus der Feder eines überzeugten Nationalsozialisten und mutmasslichen Kriegsverbrechers.
Urs Brüschweiler
Das Ermatinger Groppenlied und ein Flyer der Gala, die für Willi Hermann geplant war, jedoch abgesagt wurde, als seine Nazi-Vergangenheit bekannt wurde. (Bild: Andrea Stalder)

Das Ermatinger Groppenlied und ein Flyer der Gala, die für Willi Hermann geplant war, jedoch abgesagt wurde, als seine Nazi-Vergangenheit bekannt wurde. (Bild: Andrea Stalder)

«Der Entschied fiel einstimmig.» Für Obergropp Rico Thurnheer und den Vorstand des Groppenkomitees war die Sachlage klar.

«Wir distanzieren uns vom Groppenlied und dessen Urheber. Es wird nicht mehr gesungen an unseren Anlässen.»

Das bekannte Schunkellied, eine Art Erkennungsmelodie, war jeweils am Ermatinger Dorffasnachtsabend intoniert worden, an der Jahresversammlung der Groppen und vereinzelt auch an der Beizenfasnacht in der Untersee-Gemeinde.

Populär geworden war das Lied Anfang der Achtzigerjahre als es die Kreis-Sisters aufgeführt hatten, später und bis zum letzten Jahr war es am Männerchor, die Besucher des bunten Abends damit zum Schunkeln zu bringen.

Ein Paradestück des Männerchors

Was bis zum vergangenen Sommer niemand wusste: der Urheber des Groppenlieds, Willi Hermann, war ein Propagandist der Nazis und mutmasslich ein Kriegsverbrecher. «Wir hatten ihn nicht so genau gekannt. Der Text ist unverfänglich und es gab für uns keinen Hinweis, dass es belastet ist», sagt Thurnheer.

«Ich habe das Groppenlied und auch die anderen Lieder von Willi Hermann ins Herz geschlossen», sagt Peter Dransfeld. Der «Präsident des Männerchors Ermatingen, war im vergangenen November vorgesehen, das Groppenlied in Konstanz an einer Gala zu Ehren Hermanns zu singen. «Den Frack und die Schuhe hatte ich schon.»

Die Gala wurde abgesagt, als im Zuge der Vorbereitungen die braune Vergangenheit der «Ikone der Fasnacht am Bodensee» ans Licht kam. «Ich bin sehr erschrocken, als ich das vernommen habe», sagt Dransfeld. «Es machte mich auch betroffen.» Aber die Reaktion sei völlig klar.

«Man muss nicht diskutieren, dass es inakzeptabel ist, öffentlich Lieder zu singen, die von Nazis stammen.»

Dransfeld und Thurnheer sind sich aber auch einig, dass der Wegfall des Groppenlieds keine dramatischen Auswirkungen auf die Ermatinger Fasnacht haben wird. «Der Männerchor wird etwas anderes singen. Es gibt viele schöne Lieder», sagt der Präsident und verspricht bereits einen grossartigen Auftritt des Männerchors am Dorffasnachtsabend am 27. März.

Gesanglich ein anspruchsvolles Lied

Thurnheer betont, dass die Kernaufgabe des Groppenkomitees sowieso Umzüge an der «letzten Fasnacht der Welt» sei. Einige hätten das Singen des Groppenlieds bisweilen auch schon als Strafe gesehen, weil es gesanglich relativ anspruchsvoll sei. Umgang mit Trotzreaktionen Beide verleugnen aber auch nicht, dass es zumindest zu Beginn Stimmen gab, welche die Streichung des Groppenlieds als überzogen ansahen und als einen Angriff auf die einheimischen Traditionen.

«Es geht aber nicht um Verbote aus Deutschland. Sondern darum, ob wir ein Lied eines Nazis singen wollen, oder nicht. Dann akzeptierten das alle», sagt Dransfeld. Und Thurnheer ist auch bewusst, dass es möglich sei, dass morgens um zwei Uhr in einer Bar, das Lied dennoch gesungen wird.

Der Bericht zu Willi Hermann ist hier abrufbar.

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