In einem Scherzinger Garten steht ein autarkes Haus auf vier Rädern

Bernhard Liepelt und Regula Senn bieten in ihrem Garten in Scherzingen Übernachtungen auf kleinstem Raum an. Sie wollen, dass die Gäste nachhaltiges Wohnen erleben können.

Mario Testa
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Bernhard Liepelt und Regula Senn im Inneren ihres geräumigen Tiny Houses. (Bild: Mario Testa)

Bernhard Liepelt und Regula Senn im Inneren ihres geräumigen Tiny Houses. (Bild: Mario Testa)

Winzig ist es der Übersetzung nach. Aber wirklich winzig ist es nicht, das Tiny House, das seit Juni im Garten von Bernhard Liepelt und Regula Senn in Scherzingen steht. Die beiden haben das Fertighaus bei einem österreichischen Hersteller gekauft und bieten es nun als ganz spezielles Gästezimmer an, in dem die Gäste Nachhaltigkeit und die Reduktion aufs Wesentliche erleben können.

«Das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt uns schon lange»

sagt Bernhard Liepelt. «Schon beim Bau unseres Hauses vor vier Jahren haben wir drauf geachtet. Wir heizen es mit Erdwärme und einem Specksteinofen, haben einen Wärmespeicher und produzieren mit der Solaranlage inklusive Speicherbatterie genug Strom für den Haushalt und unsere beiden E-Autos.» Man müsse schon eine gewisse Disziplin an den Tag legen, damit es mit dem Energiehaushalt klappt und möglichst wenig Strom aus dem Netz der Gemeinde eingespeist werden muss.

«Im Winter wird’s manchmal schon etwas knapp. Aber dann macht man beispielsweise die Wäsche halt am nächsten Tag, wenn die Sonne scheint», sagt Regula Senn. «Wenn man Nachhaltigkeit will, muss man in Kreisläufen denken.»

Vom grossen Haus lernen für das kleine

Beflügelt von den Erfahrungen mit ihrem grossen Haus, wollten die Kindergärtnerin und der Leiter des Alterszentrums Park in Frauenfeld auch anderen Menschen die Möglichkeit geben, Nachhaltigkeit und eine gewisse Autarkie zu erleben. Also kauften sie das Tiny House und holten sich die dafür nötige Baubewilligung.

«Es ist ein Massivholzhaus und erfüllt – obwohl es ja eigentlich ein mobiles Heim auf Rädern ist – alle Vorgaben, die auch andere Neubauten erfüllen müssen.»

sagt Liepelt. Gut 200000 Franken haben die beiden in ihre «Logis Freyja» investiert. Dafür gab’s die grösste Variante dieses Tiny-House-Models mit einer Wohnfläche von 33 Quadratmetern. Es bietet eine Essecke, einen grossen Schlafbereich mit Doppelbett, eine Küche und ein Badezimmer. Um die Einrichtung und das Lichtkonzept kümmerten sich die neuen Besitzer.

Geheizt wird das Tiny House über die Solaranlage auf dem Dach oder mit dem Holzofen.

«Dieser Ofen ist wassergeführt und heizt das Wasser im grossen Speichertank und den Warmwasserboiler auf»

sagt Liepelt. Zwei Möglichkeiten gibt es auch in der Küche: einen Elektroherd und einen mit Bioethanol. «Wenn es geht, nützt man natürlich die Solarenergie. Aber es braucht auch immer eine Ausweichmöglichkeit.» Komplett autark – also unabhängig vom Wassernetz der Gemeinde – ist das Haus nicht. «Das geht leider auch nicht wegen der Gesetzeslage. Wir haben beispielsweise eine Pflanzenkläranlage, aber wir dürfen das Wasser nicht wiederverwenden.

Dasselbe gilt für die Trenntoilette, die ohne Chemie und Wasser auskommt, und hervorragenden Kompost, sogenannte Terra Preta gäbe», sagt Liepelt. «Also geht es halt vorläufig noch in die Kanalisation.»

www.mein-wohnwagon.ch