In der Schmitte Riedt ist alles noch wie anno dazumal

Jürg Bleiker hat die Werkstatt von Karl Berger übernommen und will sie in ihrem jetzigen Zustand bewahren.

Monika Wick
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Jürg Bleiker steht in Karl Bergers ehemaliger Schmitte in Riedt. Fast alles ist noch so, wie es Berger einst hinterliess. Bild: Monika Wick

Jürg Bleiker steht in Karl Bergers ehemaliger Schmitte in Riedt. Fast alles ist noch so, wie es Berger einst hinterliess. Bild: Monika Wick

Ein grosses Pferd steht in der Schmitte am Dorfeingang von Riedt. Für einen bequemen Stand sorgt ein währschaftes Hirnholzklotzparkett. Damit es nicht fliehen kann, sind seine Zügel an einem schweren Eisenring befestigt, der fest in der Wand verankert ist.

Daneben brennt in der Esse ein Feuer, in dem der Schmied ein Hufeisen zum Glühen bringt. Danach legt er es auf den Amboss und bearbeitet es mit einem Hammer so lange, bis es die gewünschte Form hat. Bevor er das Pferd damit beschlägt, taucht er das Hufeisen zum Abschrecken in das Wasserbecken am Rande der Esse.

Dieses Ereignis hat sich vor langer Zeit in der Riedter Schmitte zugetragen. Betritt man jedoch die Räumlichkeiten, die sich an der Hauptstrasse 2 befinden, entsteht beinahe der Eindruck, als hätte Karl Berger seine Arbeit eben erst niedergelegt. In der Luft liegt noch der Duft von Rauch, die Wände und Decken sind vom Russ geschwärzt und die Werkzeuge liegen griffbereit herum oder hängen über der Esse.

Leidenschaft erwachte schon in Kindertagen

Weiteres Arbeitsmaterial ist in unzähligen Regalen einsortiert oder in den Schubladen der Werkbank verstaut, dessen Kerben und Abplatzungen erahnen lassen, wie hart die Arbeit in der Schmitte gewesen sein muss. «Ich möchte die Schmitte vorläufig so erhalten», erklärt Jürg Bleiker. Der Schreiner aus Guntershausen bei Berg hat die Liegenschaft von Karl Berger übernommen, nachdem dieser in ein Pflegeheim umgezogen ist. Ob er die Räumlichkeit dereinst der Öffentlichkeit zugänglich machen möchte, weiss Jürg Bleiker noch nicht.

«Mein Grossvater war Wagner und im Dorf gab es auch einen Schmied. Die beiden Handwerker gehörten zusammen wie siamesische Zwillinge. Ihre Arbeit war untrennbar»

sagt Jürg Bleiker, dessen Leidenschaft für das alte Handwerk bereits in Kindertagen erwachte.

Noch heute fasziniert ihn die Geschichte hinter dem alten Gebäude sowie die Bauart. Im Gegensatz zur Schmitte plant der 58-jährige Schreiner, das angrenzende Wohnhaus zu renovieren und den Wohnraum zu vermieten. «Dabei lege ich grossen Wert darauf, den Garten und das spezielle Ambiente zu erhalten», sagt er.

Handwerksbetriebe florierten

Laut Jürg Bleiker waren in Riedt früher viele gut gehende Handwerksbetriebe angesiedelt. «Hier gab es die untere und die obere Mühle mit einem Weiher, eine Wagnerei, einen Getreidehandel oder verschiedene Gaststätten, in denen sich die Handwerker nach Feierabend trafen», erklärt er.

Verschwunden ist alles mit dem Bau der Unterführung sowie den technischen Errungenschaften. Diese gingen damals auch an Karl Berger nicht spurlos vorbei. «Nach der Tätigkeit als Huf- und Wagenschmied wechselte er zu Landmaschinen und spezialisierte sich später auf Baumspritzen», erzählt Bleiker.