In der Katholischen Kirche Amriswil zieht's

Kirchgänger beklagen sich seit einiger Zeit darüber, während Gottesdiensten oder Konzerten zu frieren. Jetzt macht sich die Technische Hochschule Luzern auf die Suche nach dem Luftstrom.

Rita Kohn
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Mit einer Rauchlanze messen die Mitarbeiter der Technischen Hochschule Luzern den Luftstrom in der Kirche. (Bild: Rita Kohn)

Mit einer Rauchlanze messen die Mitarbeiter der Technischen Hochschule Luzern den Luftstrom in der Kirche. (Bild: Rita Kohn)

Dem Organisten Thomas Haubrich ist warm. Während er auf der Empore unter der sich stauenden Wärme leidet, friert es die Besucherinnen und Besucher im Kirchenschiff. Eine ungute Situation. Denn seit dem Umbau im Jahr 2004 wird die Kirche geheizt. Nur: Die Wärme steigt unters Dach, kühlt sich an den Aussenwänden ab und fällt danach als unangenehmer Luftzug wieder ins Kirchenschiff, wo ein Gebläse für ein angenehmes Raumklima sorgen sollte.

Schon vor Jahren hat die Kirchbehörde einen Anlauf genommen, das Problem in den Griff zu bekommen. «Wir hatten einen Gutachter beauftragt, eine Luftstrom-Messung durchzuführen», sagt Behördenmitglied Urs Hungerbühler. Obwohl der Experte sich an die Arbeit machte, gab es nie ein Gutachten.

Technische Hochschule Luzern soll helfen

Nun wandte sich die Kirchenbehörde an die Technische Hochschule Luzern. «Rolf Scheurer, der uns in Energiefragen immer wieder Tipps gibt, hat mir dazu geraten», sagt Urs Hungerbühler. Rolf Scheurer betreute vor seiner Pensionierung die Energieberatungsstelle der Stadt Amriswil.

Bei der Sanierung der Kirche war der Einbau von Deckenstrahlern als Heizsystem im Gespräch. «Es wäre wohl die effizienteste Lösung unseres Problems gewesen», erklärt Hungerbühler. Doch die Denkmalpflege war mit dieser Lösung nicht einverstanden.

Die Fenster müssen verschalt werden

Auch jetzt dürfte es zu intensiven Gesprächen mit der Denkmalpflege kommen. Denn im Zuge der Messungen, die am Donnerstag in der Kirche durchgeführt worden sind, ist klar, dass es verschiedene Massnahmen braucht, um den kalten Luftzug zu stoppen. Eine davon könnte eine Verschalung der unteren Fensterpartie durch Glas oder Plexiglas sein. «Wir müssen prüfen, ob wir uns da mit der Denkmalpflege einigen können», sagt Urs Hungerbühler.

Vor 2020 dürften die energetischen Massnahmen deshalb kaum ein Thema werden. Immerhin müssen sie zunächst budgetiert werden und das ist erst möglich, wenn von der Denkmalpflege grünes Licht kommt. Nicht nur für Urs Hungerbühler ist es ein Anliegen, das Thema so bald wie möglich zu einem positiven Ende zu bringen. Denn die schlechte Wärmeverteilung in der Kirche ist für die teure Orgel auf der Empore schädlich.

Der Orgel setzt das Klima zu

«Wir haben sie für viel Geld restauriert und es wäre schade, wenn sie nun durch die zu warme Luft kaputt ginge», sagt Urs Hungerbühler. Und Organist Thomas Haubrich fügt an, dass die empfindlichen Membranen der Orgel durch das Klima schnell geschädigt würden. Er hat bereits einen Teil des Bretterbodens in der Orgel entfernt, um die Luftzirkulation zu fördern.

«Die Erbauer haben extra einen Abzug ins Kirchenschiff gebaut, doch diesen dann auf der Empore zugemacht», sagt Thomas Haubrich kopfschüttelnd. Er sagt, durch die Öffnung komme nun ein kühler Luftstrom in die Orgel und senke die Temperatur spürbar. «Ideal ist die Situation aber nicht.»

Das Problem kommt vor allem in modernen Bauten vor

Für Martin Hämmerle, stellvertretender Prüfstellenleiter der Technischen Hochschule Luzern und sein Team ist die Messung in einer Kirche ein Novum. Das Problem würde sonst vor allem in modernen Atriumbauten oder Häusern aus den 70er-Jahren auftreten, sagt er und eilt dann zur nächsten Aussenwand, um die Temperatur zu messen, während sein Team mit Kameras festhält, wie der so unangenehme Luftstrom Rauch quer durch das Kirchenschiff wirbelt.