In Bürglen gibt es Deutschunterricht zum Kaffee

Im Sprachcafé lernen fremdsprachige Frauen auf spielerische Art Deutsch. Vor zwei Jahren hat die Schweizerische Islamische Gemeinschaft das Angebot ins Leben gerufen. Es erfreut sich grosser Beliebtheit.

Hannelore Bruderer
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Umu Salimatu Surbeck leitet das Sprachcafé Bürglen. Inputs zum Unterrichtsstoff liefern die Teilnehmerinnen oft selber. (Bild: Hannelore Bruderer)

Umu Salimatu Surbeck leitet das Sprachcafé Bürglen. Inputs zum Unterrichtsstoff liefern die Teilnehmerinnen oft selber. (Bild: Hannelore Bruderer)

Im Sprachcafé Bürglen fallen zwei Dinge auf: es wird händeringend nach deutschen Ausdrücken gesucht und sehr viel gelacht. Die sieben Frauen, die das Sprachcafé an diesem Vormittag besuchen, spielen «Tabu». Bei diesem Spiel geht es darum, ein Wort zu erklären, ohne es zu verwenden. Der Wille zum Lernen ist bei allen gross.

Das Sprachcafé ist vor gut zwei Jahren entstanden. Damals fragten einige Frauen den Vorstand der Schweizerischen Islamischen Gemeinschaft (SIG) Bürglen an, ob er eine Möglichkeit sähe, ein Angebot zu schaffen, damit sie ihre Deutschkenntnisse verbessern könnten. Gestartet ist das Sprachcafé im November 2016 mit einem fixen Kurs, aus dem sich dann ein lockerer Treffpunkt entwickelt hat, der allen Frauen kostenlos offensteht.

Sprache für den Alltag statt Grammatik

Für die Leitung angefragt hatte der Vorstand Umu Salimatu Surbeck, die in Lengwil aufgewachsen ist. «Erst hatte ich nicht so viel Lust darauf», gibt sie freimütig zu. «Ich habe mich auch gefragt, ob ich das überhaupt kann. Nach den ersten Treffen war das aber schnell vorbei und ich habe gemerkt, wie viel Spass das Sprachcafé uns allen macht.» Und dann sind es auch die vielen positive Rückmeldungen, die Salimatu Surbeck in ihrem freiwilligen Engagement bestärken. In ihrem Unterricht verzichtet sie fast völlig auf Grammatik und fokussiert auf ein alltagstaugliches, gesprochenes Deutsch.

Viele Themen, die besprochen werden, kommen von den Teilnehmerinnen selber. «Einmal sagte eine Frau, dass sie sich nicht getraue, alleine mit dem Zug zu fahren, da sie nicht wisse, wie man ein Billett löse», sagt die Sprachcafé-Leiterin. «Wir haben dann beschlossen, den Deutschunterricht an den Bahnhof zu verlegen, wo wir das Billettlösen übten und gemeinsam nach Weinfelden gefahren sind.» Das Schönste sei gewesen, dass ihr eine Teilnehmerin beim nächsten Treffen sagte, sie sei gleichentags auch noch nach Sulgen und zurück gefahren, «einfach weil sie sich so gefreut hat, dass sie dies nun selbstständig kann.»

Geteilte Ängste und Unsicherheiten

Ein grosser Pluspunkt des Sprachcafés ist, dass die Teilnehmerinnen realisieren, dass sie mit ihren Ängsten und Unsicherheiten nicht alleine dastehen. Sie bestärken sich gegenseitig und getrauen sich so, alltägliche Anlässe wie zum Beispiel einen Elternabend zu besuchen. Wie viele Frauen das Sprachcafé besuchen, ist unterschiedlich. Drei bis vier Frauen kommen regelmässig, die anderen sporadisch.

Die meisten sind türkischstämmig. Das hat zur Folge, dass deutsche Ausdrücke oft übersetzt, statt mit anderen deutschen Wörtern erklärt werden. Umu Salimatu Surbeck wünscht sich deshalb, dass das Sprachcafé multikultureller wird. «Dann wird mehr deutsch gesprochen und die Themen werden noch vielfältiger», sagt sie. Dafür müsse das Angebot aber noch bekannter werden.

Gemeinde unterstützt das Sprachcafé

Dem stimmt auch Emine Ceyhan, Vorstandfrau der SIG, zu. Sie hat deshalb auch Kontakt zur Gemeinde Bürglen aufgenommen. Sie ist überzeugt, dass bessere Deutschkenntnisse den Frauen helfen, sich in ihrer neuen Heimat zurecht zu finden. «Während die Männer in ihrem beruflichen Umfeld mit der deutschen Sprache in Kontakt kommen, haben die oft nicht berufstätigen Immigrantinnen diese Möglichkeit nicht.

Wegen ihrer mangelnden Sprachkenntnisse sind sie gehemmt und nehmen am öffentlichen Leben ausserhalb ihres Kulturkreises kaum teil», erklärt sie. Das Sprachcafé wird von der SIG und der Gemeinde Bürglen unterstützt. Die SIG stellt dem Sprachcafé ihre Räumlichkeiten unentgeltlich zur Verfügung. Die Gemeinde Bürglen unterstützt das Café im Rahmen der Integrationsförderung mit einem fixen Betrag.