In Bischofszell kann samstags wieder an Marktständen eingekauft werden

Der Stadtrat überrascht die Bevölkerung mit der Zulassung einzelner Marktstände an verschiedenen Standorten in der Altstadt. Die ersten Reaktionen von Händlern und Einwohnern sind positiv.

Georg Stelzner
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Einkaufen in Zeiten der Coronapandemie: Eine Bischofszellerin mit Maske am Stand von Ayhan Karmis.

Einkaufen in Zeiten der Coronapandemie: Eine Bischofszellerin mit Maske am Stand von Ayhan Karmis.

Bild: Georg Stelzner

Die Verblüffung steht den Passanten am Samstagvormittag ins Gesicht geschrieben. Auf dem Grub- und Hofplatz, vor dem Bogenturm und in der Marktgasse vor dem Historischen Museum steht je ein Marktstand.

Zu kaufen gibt es Backwaren, Gemüse, Obst, Oliven sowie Milch- und Fleischprodukte – das gewohnte Sortiment des Wochenmarkts, nur dass das Einkaufen jetzt an ein kleines Fitnessprogramm gebunden ist.

Am Beispiel Altstättens orientiert

Die Stände befinden sich nicht mehr alle zentral auf dem Grubplatz, sondern sind in der Altstadt verteilt. Wer sich bei allen vier Anbietern mit Produkten eindecken will, darf nicht zur Trägheit neigen. Doch wie ist es zu dieser Renaissance gekommen.

Stadtrat Jorim Schäfer, zuständig für das Ressort «Kultur, Sport, Marktwesen», griff das Beispiel Altstättens auf, einer Stadt, in welcher der Marktbetrieb nicht zum Erliegen gekommen ist.

Unter Hinweis auf Artikel 6, Absatz 3 der Erläuterungen zur Covid-19-Verordnung 2 des Bundesamtes für Gesundheit stellte Schäfer an der ersten Sitzung nach Ostern einen entsprechenden Antrag – und hatte Erfolg. Parallel dazu hiess der Stadtrat den Antrag eines Markthändlers gut, erlaubte im Sinne der Gleichbehandlung aber auch den anderen regelmässigen Wochenmarkt-Teilnehmern das Aufstellen eines Standes.

Bedingung sind unterschiedliche Standorte

Die entscheidende Passage in besagtem Artikel lautet: «Ein einzelner Lebensmittelmarktstand ist den Lebensmittelläden gleichgestellt und darf somit – im Gegensatz zu Lebensmittelmärkten – betrieben werden, die Abstandsregeln müssen aber auch hier eingehalten werden können. Auf einem Marktplatz (oder einem anderen Platz in einem Ort) darf aber höchstens ein einzelner Lebensmittelmarktstand stehen.»

Aufgrund dieser Grundlage konnte der Stadtrat grünes Licht geben. Schäfer führt ein weiteres Argument ins Feld: «Die Gemüse- und Obsthändler haben jetzt viele regionale Waren. Es war mir deshalb ein Anliegen, dass sie diese auch verkaufen dürfen.»

Im Gegensatz zum Wochenmarkt, dessen Saison Ende März hätte beginnen sollen, fungiert jedoch nicht die Stadt Bischofszell als Veranstalter.

Eine erfreuliche Überraschung

Zu jenen Einwohnern, die von der unerwarteten Möglichkeit des Einkaufens unter freiem Himmel Gebrauch machen, gehört Sandra Sauder, die am östlichen Grubplatz wohnt. «Ich war gerade dabei, Fenster zu putzen, als ich Ayhan Karmis sah», erzählt die Bischofszellerin, die zu den Stammkunden des kurdischen Olivenhändlers gehört.

Stadtrat Jorim Schäfer:
«Das ist ein positives Zeichen,
ein wichtiger Lichtblick.»
GLP-Stadtrat Jorim Schäfer, Verantwortlicher für das Ressort «Kultur, Sport, Marktwesen».

GLP-Stadtrat Jorim Schäfer, Verantwortlicher für das Ressort «Kultur, Sport, Marktwesen».

Bild: Andrea Stalder

Eingedenk der vielen Einschränkungen aufgrund der Coronapandemie habe sie das nicht erwartet. So bekommt Frau Sauder an diesem Tag nicht nur frische Oliven, sondern auch ein kleines, wohltuendes Stück Normalität.

Markthändler begrüssen Regelung

Obwohl die Neuerung überraschend gekommen ist und das Angebot von den Einwohnern erst entdeckt werden muss, sind die Markthändler mit dem Umsatz nicht unzufrieden. «Ich bin dankbar für diese Gelegenheit», sagt Ayhan Karmis. Er ist überzeugt davon, dass die Leute es schätzen, im Freien einkaufen zu können.

Daniela Kaufmann bietet Backwaren an und findet die Idee des dezentralen Marktes gut. Sie bedauert lediglich, «dass der Kontakt mit den Kollegen auf diese Weise nicht in gewohnter Form möglich ist».

Bald noch ein Marktstand mehr

Auch Felix Engeli, der vor dem Schloss diverse landwirtschaftliche Produkte verkauft, begrüsst die Initiative des Stadtrates. Wie viel ihm die Präsenz unter den veränderten Bedingungen finanziell bringen wird, könne er noch nicht beurteilen, räumt Engeli ein.

Glücklich über die Lösung zeigt sich der Vierte im Bunde, Christian Hinder, der mit seinen Bioprodukten seit mehr als zehn Jahren am Bischofszeller Wochenmarkt vertreten ist. «Ich erhalte bisher nur positive Reaktionen, die Leute atmen auf», stellt Hinder fest. Für kommenden Samstag ist geplant, dass sich Tobias Kräuchi mit Früchten und Gemüse zum Quartett hinzugesellt.