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In Birwinken wachsen Birnen auf 200 Jahre alten Bäumen

Ueli und Irmi Glauser aus Birwinken haben über 400 Hochstamm-Obstbäume. Diese geben viel zu tun, ziehen aber auch Touristen an.
Mario Testa
Ueli Glauser sammelt die Birnen unter den grossen Bäumen mit der Maschine ein. (Bild: Mario Testa)

Ueli Glauser sammelt die Birnen unter den grossen Bäumen mit der Maschine ein. (Bild: Mario Testa)

Ueli Glauser, seine Frau Irmi und ihr brasilianischer Praktikant haben alle Hände voll zu tun. Es ist Erntezeit auf ihrem Biobauernhof in Birwinken. Mit über 400 Hochstämmern hat Glauser einen grossen – und mit den schönsten Baumgarten überhaupt. Pro Natura verlieh dem Baumgarten die Auszeichnung Schönster Hochstamm-Obstgarten der Schweiz.

Das Besondere an ihm ist die Sortenvielfalt und das Alter der Bäume. «Einzelne Bäume sind bis zu 200 Jahre alt, vor allem die Birnbäume können sehr alt werden», sagt der 55-jährige Ueli Glauser. «Ich ziehe auch junge Bäume nach, aber die brauchen 50 Jahre, bis sie so gross sind.»

Diverse auch sehr alte Sorten

Etwa 90 Sorten Äpfel und 20 Sorten Birnen gibt es in Glausers Obstgarten. Die alten Sorten hätten bewiesen, dass sie in die Gegend passen, zumindest von den Böden her.

«Gewisse Sorten werden sich freuen, wenn es wegen des Klimawandels wärmer wird, andere werden leiden.»

Die alten Bäume seien zudem auch Heimat und Futterstelle für viele Tiere – sowie Energielieferant. «Nebst 700 Kilo Birnen pro erwachsenem Baum im Jahr liefern sie auch gigantische Mengen Nektar für Bienen und andere Insekten», sagt Glauser. «Die abgeknickten Äste verbrennen wir zudem im Winter in unserem Kachelofen.»

Weniger Ertrag als im vergangenen Rekordjahr

Seine Birnen geben ihm dieser Tage am meisten zu tun. Sie sind reif und fallen zu Boden. Täglich fährt Glauser los, und liest die Birnen mit einer Obsterntemaschine auf. «Aus unseren Birnen wird Birnel gemacht», sagt Gubser. «Wer Birnel kennt, schätzt es. Viele kennen es aber leider noch nicht.»

Irmi Glauser und ihr Praktikant sortieren die Birnen. (Bild: Mario Testa)

Irmi Glauser und ihr Praktikant sortieren die Birnen. (Bild: Mario Testa)

Für dieses Jahr rechnet er mit einer Ernte von rund fünf bis sechs Tonnen Birnen. «Vergangenes Jahr gab es enorm viel mit etwa elf Tonnen. Die Bäume alternieren halt, nach einem starken Jahr gibt’s auch mal eins mit etwas weniger. Ich bin zufrieden.»

Birnel: Alternative zu Zucker

Familie Glauser verkauft ihre Birnen an die Wehntaler Mosterei
E. Brunner in Steinmaur. Dort werden die Birnen zu Birnendicksaft, kurz Birnel verarbeitet; ein reiner, konzentrierter Birnensaft. Birnel – früher als Arme-Leute-Zucker verschrien – erfreut sich heute wieder grösserer Beliebtheit, als Alternative zu raffiniertem Zucker. Birnel kann beispielsweise in Desserts, zum süssen von Müsli oder in Salatsaucen verwendet werden.

Im Jahr 1994 hat Glauser den Hof in Birwinken übernommen und auf Bio umgestellt. «Für mich gibt es nichts anderes. Als Betriebshelfer musste ich zuvor auch mal noch Dünger streuen und Gift spritzen, das macht einfach keinen Sinn», sagt er. «Ich mache Pflanzenschutz mit Schwefel, Steinmehl und effektiven Mikroorganismen.»

«Bio gibt es seit Jahrtausenden»

Dass Biodiversität für die meisten Menschen kein Fremdwort mehr ist, freut ihn. «Wir pflegen die Vielfalt in der Natur schon seit jeher, auch als man den Begriff noch kaum mal hörte.» Als Biobauer gehe es ihm finanziell gut. Während konventionelle Bauern ihre Birnen teilweise liegen und verfaulen lassen, weil sie gar nicht genug Geld für das Obst erhalten, sei der Preis im Biobereich gut und so lohne sich auch die viele Handarbeit beim Verlesen des Obsts.

«Die Menschheit hat abertausende Jahre lang Biolandwirtschaft gemacht. Jetzt gibt es seit hundert Jahren etwas anderes mit all den chemischen Mitteln. Aber man muss sich nicht von diesen hundert Jahren blenden lassen.»

Biolandwirtschaft geht immer, ich wüsste nicht, warum nicht.» Nebst dem Obstbau betreibt Glauser auch Ackerbau und Milchwirtschaft. «Von allem etwas, dann ist man auch nicht krisenanfällig. Jedes Jahr gedeiht irgendetwas gut», sagt Glauser.

Blick von Oben auf die Birnbäume mit den Fahrspuren der Erntemaschine. (Bild: Mario Testa)

Blick von Oben auf die Birnbäume mit den Fahrspuren der Erntemaschine. (Bild: Mario Testa)

Ein weiterer Wirtschaftszweig, an dem Glauser direkt aber nichts verdient, ist der Tourismus. Nach einem Artikel in der Wanderzeitung Schweiz kämen viele Wanderer bei ihm vorbei. «Besonders während der Blust im Frühling gibt es viele Wanderer, die extra wegen des Artikels vorbeikommen. Das freut mich sehr.»

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