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In Arbon geht es auch ohne Ufzgi

Seit zwei Jahren müssen die Unterstufenschüler im Schulhaus Stacherholz keine Hausaufgaben mehr machen. Die Verantwortlichen des Projektes ziehen eine positive Bilanz. Die Leistungen der Schüler wurden nicht schlechter.
Lara Jörgl
Solche Situationen kennen die Unterstüfler im "Stacherholz" noch nicht. (Bild: Urs Bucher)

Solche Situationen kennen die Unterstüfler im "Stacherholz" noch nicht.
(Bild: Urs Bucher)

Als einzige Schule im Kanton Thurgau gibt das Stacherholz ihren «Unterstüflern» keine Hausaufgaben mehr auf. Die Initiative kam von den Unterstufenlehrern.

Vor zwei Jahren ist die Schule durch die Schliessung des Schulhauses Schöntal in eine unangenehme Lage gekommen. Die Tages- und Hausaufgabenbetreuung verschob sich in die anderen beiden Schulhäuser, was für viele Schüler und Schülerinnen des Stacherholz einfach zu weit war. Weil besonders auch die Hausaufgabenhilfe zuvor rege besucht worden war, befürchtete die Schule, die Kinder mit ihren Schwierigkeiten alleine zu lassen.

Es musste eine Lösung her

Der Lehrkörper diskutierte, wie er die Hausaufgaben am besten angleichen könnte, um die Schüler zu entlasten. Die Lehrerpersonen der Mittelstufe entwickelten kreative Ansätze. So mussten die Kinder ihren Schulweg ausmessen oder die Eltern über ihre Arbeit interviewen. Die Unterstufenlehrerinnen wollten die Aufgaben komplett abschaffen. Dies stiess bei den Eltern teilweise auf Unverständnis: Sie befürchteten, nicht mehr zu wissen, was ihr Kind in der Schule macht. Viele Väter und Mütter bezweifelten ausserdem, dass ihr Kind ohne Hausaufgaben lernen würde, die Zeit richtig einzuteilen und Verantwortung zu übernehmen.

Marco Roduner, Schulleiter des Stacherholz, weist diese Sorge entschieden zurück. «Nach Schulschluss fünf Kästchen auf Seite 43 zu rechnen, ist keine Selbstverantwortung. Das ist das Abstottern einer Arbeit.» Auch ohne Hausaufgaben würde die Selbstverantwortung gelehrt werden: Die Kinder müssten trotzdem ihr Material in der Schule dabei haben und pünktlich sein.

Die Schule liess die Eltern nicht im Dunkeln

Das Schulhaus informierte den zuständigen Schulinspektor regelmässig über die Fortschritte. Aber auch die Erziehungsberechtigten wurden auf dem Laufenden gehalten: Um ihnen zu zeigen, was ihr Nachwuchs in der Schule gemacht hat, geben die Lehrpersonen jetzt das Mäppchen mit dem Namen «Fenster zur Schule» mit. Darin befinden sich Arbeiten oder Schultagebücher.

Ziel dieses Pilot-Projektes war es, die Eltern zu entlasten, den Lernprozess zu konzentrieren und ein reflektiertes Lernen zu fördern. Der Schulbehörde war es ausserdem wichtig, einen aktiven Beitrag zur Chancengleichheit zu leisten. All diese Ziele hätten die Schüler und Schülerinnen mühelos erreicht, sagt Roduner. Sowohl die Kinder als auch die Lehrpersonen und Eltern seien grösstenteils zufrieden. Die fehlenden Hausaufgaben hätten die Leistungen nicht negativ beeinträchtigt. Sie haben sich gemäss Roduner sogar nicht bis leicht positiv verändert.

Die Schule verlängerte das Projekt, weil Sorge unter den Eltern herrschte, dass ihre Kinder möglicherweise Schwierigkeiten mit dem Übertritt von der dritten in die vierte, also in die «Hausaufgabenklasse», haben könnten. Wie sich zeigte, waren die Befürchtungen völlig unberechtigt: Der Übertritt klappte problemlos und bestärkte damit die Haltung der Unterstufenlehrerinnen. Das Projekt werde nach diesen zwei Jahren mit Begeisterung weitergeführt, sagt Roduner.

Es ist noch nicht vorgesehen, das Projekt «Ohne Hausaufgaben nach Hause» flächendeckend in der Primarschule Arbon umzusetzen. Aber anscheinend sind auch andere Kantone auf das Konzept aufmerksam geworden. So hat sich eine Kreisschule in Zürich schon nach einer möglichen Weiterbildung erkundigt

Auch der Kanton Schwyz versuchte es ohne Ufzgi

1994 wurden im Kanton Schwyz sämtliche Hausaufgaben abgeschafft. Stattdessen wurden die Lehrpersonen dazu aufgefordert, den Stoff in der Schule durchzunehmen. Dies währte nur kurz: Nach nur drei Jahren wurde dieses Konzept auf Drängen der Eltern wieder verworfen.

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