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In Arbon entsteht aus Erde neues Leben

Ruedi, Ruth und Tobias Daepp bewirtschaften am Stadtrand einen vielseitigen Hof. Der Vertrieb von Kompost hat sich zu einem wichtigen Betriebszweig entwickelt.
Trudi Krieg
Ruedi Daepp erklärt Lehrlingen aus Zürich, wie sie mit Kompost arbeiten können. Bild: Trudi Krieg

Ruedi Daepp erklärt Lehrlingen aus Zürich, wie sie mit Kompost arbeiten können. Bild: Trudi Krieg

«Als mein Grossvater das Land bewirtschaftete, war die Humusschicht auf dem Ackerbaubetrieb relativ gering und der Boden schwer», erzählt Ruedi Daepp in der behaglichen Stube in der Bleiche Arbon. Man habe zwar den Mist aus der Rindviehhaltung auf den Äckern ausgebracht, aber dem Boden immer mehr Masse entzogen als zugeführt. Vor dreissig Jahren kam dann die Wende, als der Umweltschutzbeauftragte der Stadt Arbon vorschlug, das anfallende Grüngut zu kompostieren.

Ruedi Daepp war sofort begeistert. Schon als Kind habe er bei einem Gärtner beobachtet, wie dieser die Laubabfälle im Herbst einfach liegen gelassen habe. Bis zum nächsten Frühjahr sei daraus ein Häufchen Erde entstanden. Auf dem Kiesplatz in der Bleiche entstand der erste Komposthaufen aus Material der städtischen Grünabfuhr. Die Biobauern waren die ersten Interessenten für den Langzeitdünger, die Beerenbauern folgten. Sie hatten gemerkt, dass die Kompostbakterien die schädlichen Nematoden fressen und somit die Wurzelfäule an den Sträuchern zurückging.

Über Tausend Tonnen Material pro Jahr

Inzwischen bringen auch viele Obstbauern Kompost in ihren Anlagen oder Streuobstwiesen aus. Bald wurde in der Bleiche ein befestigter Kompostplatz mit Entwässerung in den Güllekasten gebaut. Es wird nach der Qualitätsrichtlinie für Kompostierer gearbeitet. Vier Mal jährlich werden Schwermetall- und Düngerproben genommen. Der Gehalt an Stickstoff, Phosphor sowie auch Kali, Kalzium, Magnesium und vielen weiteren Nährstoffen wird untersucht. Bei Zink, Blei und Kupfer usw. dürfen die Grenzwerte nicht überschritten werden. Auch die Gewässerschutzrichtlinien müssen eingehalten werden.

Über Tausend Tonnen Material werden pro Jahr angeliefert. Auf die Komposthaufen kommen Laub, Rasenschnitt, Äste, Gartenabfälle, Blumen, Rüstabfälle und anderes organisches Material. Vergärbares Material mit viel Energie wird in umliegende Biogasanlagen weiterverteilt. Das holzige Material wird ebenfalls aussortiert und verschiedenen Heizungen zugeführt. Ruedi Daepp holt auch etwa die Hälfte des anfallenden Grüngutes vom Thurgauer Regionalen Annahmezentrum (RAZ) in Hefenhofen. Mittlerweile bringen auch Private ihre Grünabfälle gegen eine kleine Gebühr direkt zu Daepp. Es wird aber nicht alles Material angenommen. Mulch und Holz von Autobahnen und Material von Autobahnböschungen wird wegen Schwermetall- und CO2 Rückständen nicht verwendet. Das ist Sondermüll. Stoffe aus Autoabgasen reichern sich nämlich auch in Pflanzen an und dürfen deshalb nicht der Kompostierung zugeführt werden.

Dünger und Bodenverbesserer

«Wenn man eine Handvoll reifen Kompost zerdrückt, soll er feucht wie Mürbeteig sein und, wenn man ihn mit einem Finger antippt, krümelig zerfallen», sagt Ruedi Daepp. Ein guter Kompost rottet, er riecht nach Walderde oder holzig. Der lose Agrarkompost ist nach drei Monaten fertig und wird ausgesiebt. Dadurch ist sichergestellt, dass keine Fremdstoffe wie Plastik und Steine sowie grosse Holzstücke im Kompost sind. Auf Wunsch liefert agro-daepp diesen und verteilt ihn selber auf den Wiesen und Äckern. Der feiner gesiebte Gartenkompost ist nach einem halben Jahr reif.

Kompost wird hauptsächlich im Frühjahr vor der Anpflanzung oder Aussaat und im Herbst, wenn die Felder und Gartenbeete abgeerntet sind, ausgebracht und oberflächlich eingearbeitet. Die Düngewirkung von Kompost ist nicht ganz so schnell wie bei Kunstdünger, aber nachhaltiger. Feuchtigkeit und Nährstoffe werden langsamer und länger anhaltend abgegeben. Auch auf die Pflanzengesundheit und Zellstruktur wirkt er sich positiv aus. Ausserdem wird die Humusschicht verbessert und erneuert: «Staub zu Staub. Das Leben ist ein Kreislauf, Lebendiges wird zu Erde und aus der Erde entsteht wieder Leben.» Für Ruedi Daepp ist diese Philosophie und biblische Weisheit Lebenserfahrung.

Gesamthaft ist die Kompostierung etwa ein Vollzeitpensum im Betrieb. Sohn Tobias Daepp ist gelernter Landmaschinenmechaniker und Agronom. Bei agro-daepp werden auch viele Maschinen eingesetzt, die hauptsächlich selber gewartet werden können. Ausser der Familie werden noch weitere Angestellte beschäftigt. Mit Ackerbau und Obst, der Viehwirtschaft und dem Hofladen ist das Unternehmen auch ein sehr vielseitiger Lehrbetrieb.

So wird der Kompost aufbereitet

Sobald ein Haufen aufgeschichtet ist, beginnen Bakterien, Würmer und andere Kleinlebewesen das organische Material zu zersetzen. Der Haufen entwickelt im Inneren Wärme. Diese muss drei Wochen lang über 55 Grad Celsius, aber nicht über 74 Grad Celsius betragen. Bei dieser Temperatur werden Unkrautsamen, schlechte Bakterien und Schädlinge wie Nematoden abgetötet. Bei höherer Temperatur würde das Material sterilisiert, das heisst, es entsteht ein toter Haufen. Damit alles Material die Temperatur erreicht, wird regelmässig umgesetzt. Was an den Rändern war, wird gegen innen gekehrt, und das Obere kommt nach Unten. Luft, Feuchtigkeit und Sauerstoff müssen zugefügt werden. Diese Prozedur wird bei Daepp etwa 10 bis 15 Mal wiederholt, für den feineren Gartenkompost sogar 20 Mal. Der Haufen muss immer genug feucht, aber nicht zu nass sein. Die neu angelegten Haufen werden jeweils mit etwas gutem, fertigem Kompost geimpft.

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