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In Altnau, Güttingen und Langrickenbach wird der
Wasserhahn zugedreht

Wegen des hohen Verbrauchs können die Reservoirs nicht mehr gefüllt werden. Die Gemeinden haben deshalb Massnahmen verhängt. Bauern dürfen ihre Felder nicht mehr bewässern, Private sollen auf das Tränken von Blumen verzichten.
Martina Eggenberger Lenz
Aufgrund des Bewässerungsverbots pumpt ein Obstbauer am Güttinger Kieshafen Wasser aus dem Bodensee. (Bild: Reto Martin)

Aufgrund des Bewässerungsverbots pumpt ein Obstbauer am Güttinger Kieshafen Wasser aus dem Bodensee. (Bild: Reto Martin)

Jetzt muss sich jeder selber an der Nase nehmen. Rasen sprengen, mehrmals täglich duschen, Auto waschen - das alles ist ab sofort und bis auf weiteres tabu. Gravierend ist die Situation für die Landwirte: sie dürfen ihre Felder nicht mehr bewässern, beziehungsweise müssen, wenn sie das wollen, hierfür Wasser im Güttinger Kieshafen holen. Bei der Gruppenwasserversorgung Thurgauer Oberland, von der die Gemeinden Altnau, Güttingen und Langrickenbach Wasser beziehen, besteht ein Kapazitätsengpass. Betroffen sind gemäss Fabienne Schnyder, der Präsidentin der Wassserversorgung, auch Ortsteile von Erlen und Birwinken. «Die Situation ist ernst», betont Schnyder.

Reservoirs können nicht mehr gefüllt werden

Fabienne Schnyder Präsidentin der Gruppenwasserversorgung

Fabienne Schnyder
Präsidentin der Gruppenwasserversorgung

Die Gruppenwasserversorgung Oberland bezieht ihr Wasser vom Seewasserwerk Kesswil. Das der Gruppe zur Verfügung stehende Bezugskontingent sei in den letzten Tagen weit überschritten worden, erklärt die Präsidentin, und zwar um etwas mehr als das Eineinhalbfache. Die einzelnen Reservoirs, von welchen aus das Wasser in den Orten verteilt wird, hätten nicht mehr gefüllt werden können und das trotz voller Pumpleistung. Sprich: Es wurde mehr bezogen als geliefert. «Deshalb mussten wir am 1. August eine Krisensitzung einberufen und Massnahmen beschliessen. Die Trinkwasserversorgung hat absolute Priorität.»

Bauern sitzen auf dem Trockenen

Betroffen sind insbesondere die Landwirte. Die Bewässerung von Wiesen, Äckern und Obstanlagen aus dem Leitungsnetz der Gruppenwasserversorgung muss eingestellt werden. Davon ausgenommen sind lediglich bereits angepflanzte Gemüse- und Beerenkulturen. Neuanpflanzungen können momentan nicht bewilligt werden. Fabienne Schnyder hatte deshalb bereits Kontakt zu mehreren Bauern. «Natürlich hält sich deren Freude in Grenzen», meint sie zu den Reaktionen. Wollen die Landwirte Wasser ausbringen, müssen sie dieses am Kieshafen Güttingen abpumpen. Wegen des Regens am Mittwochabend sei die Nachfrage aktuell nicht so gross, heisst es beim Hafenmeister.

«Wir müssen jetzt anfangen, zu verzichten.»

Den Privathaushalten ist die Bewässerung von Rasen und Blumengärten, das Füllen von Pools, die Reinigung von Fahrzeugen, grösseren Gegenständen oder Anlagen untersagt. Wenn ein Blumenbeet kaputt gehe, sei das in Anbetracht der Lage ein vertretbarer Schaden, betont Fabienne Schnyder. Sie rufe die Einwohner auf, den gesunden Menschenverstand walten zu lassen. Wer zum Beispiel privat Gemüse habe, müsse dieses nicht vertrocknen lassen. «Es macht ja auch keinen Sinn, wenn man dann dafür später importiertes Gemüse im Laden kauft.»

Regen brachte kaum Erleichterung

Der Regen vom Mittwochabend sei nur ein Tropfen auf dem heissen Stein gewesen, betont Schnyder. Die Situation bleibe angespannt, zumal bald die Ferien enden und dann noch mehr Einwohner Wasser brauchen. Die Vertreter der Wasserversorgung treffen sich in regelmässigen Abständen zu weiteren Krisensitzungen.

Pflanzen haben kein Wasser, Mitarbeiter wenig zu tun

«Wir bewässern nur noch die Beeren, die in den Ertrag kommen», sagt Hansueli Bischof, Landwirt aus Bruster, Langrickenbach. «Zum Glück hat es am Mittwoch geregnet.» Da das eigene Reservoir mittlerweile leer sei, werde er in den kommenden Tagen in den Kieshafen in Güttingen fahren und Wasser holen. Eine Folge des Bewässerungsverbots sei zudem, dass seine Mitarbeiter viel weniger zu tun hätten und er sie praktisch nach Hause schicken könnte, sagt Bischof.
«Da die Hitzewelle andauert, kann das Verbot zu einem Reizthema werden», sagt Christian Barth vom Feierlenhof in Altnau. Durch den Regen am 1. August sei der Durst der Pflanzen und Bäume für den Moment gestillt. «Wir müssen aber unbedingt eine andere Lösung finden.» Denn beim Kernobst sei man vor der baldigen Ernte in der kritischen Phase. Für ihn lohne es sich nicht, Wasser im Hafen zu holen. «Das geht vielleicht für eine kleine Fläche, nicht aber für 25 Hektaren.»
Für Tristan Rutishauser vom Seidenhof in Güttingen ist das Problem mit dem Bewässerungsverbot hingegen geringer. «Die Kartoffeln sind schon raus und die Zwetschgen sind reif. Da muss ich nicht mehr wässern, da habe ich Glück.» Fürs Gemüse und die Äpfel könnte es kritisch werden, meint Rutishauser. (ndo)

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