Im zweiten Anlauf zum roten Pass: Die Salensteiner bürgern den vor eineinhalb Jahren verschmähten Deutschen diesmal ein

Obwohl die Nachbarin des Bewerbers erneut Vorwürfe äussert, sagt die Gemeindeversammlung diesmal klar Ja. 

Urs Brüschweiler
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Florian Ritter muss sich der Gemeindeversammlung noch einmal vorstellen.

Florian Ritter muss sich der Gemeindeversammlung noch einmal vorstellen.

(Bild: Urs Brüschweiler)

Freude und Erleichterung sind Florian Ritter ins Gesicht geschrieben. Nach dem offiziellen Ende der Gemeindeversammlung eilen Freunde und Bekannte zu ihm und gratulieren ihm zum roten Pass. Diesen wird der Deutsche nun bald erhalten.

77 Stimmbürger notieren zuvor «Ja» auf ihrem Stimmzettel, 34 schreiben «Nein», 6 Salensteiner geben einen leeren Zettel ab. Eigentlich nichts Besonderes: Auch drei weitere Einbürgerungen kommen am Mittwochabend in der Salensteiner Mehrzweckhalle problemlos durch. Doch Ritters Weg zur Schweizer Staatsbürgerschaft führt über einen steinigen Weg und sorgte zuletzt für Aufmerksamkeit bis in die nationalen Medien.

Die Anschuldigungen waren Verleumdung

Vor eineinhalb Jahren stand Ritter bereits an selber Stelle und stellte sich der Versammlung vor. Eine Nachbarin ergriff anschliessend jedoch das Wort und machte Vorwürfe geltend an die Adresse des gebürtigen Konstanzers, der seit 15 Jahren in Fruthwilen lebt. Die Stimmbürger folgten ihr damals und lehnten das Gesuch ab. Das war Verleumdung, urteilte später das kantonale Departement für Justiz und Sicherheit. Es hob den Entscheid der Versammlung auf.

Ritter bedankt sich bei der Gemeinde

Bei seiner neuerlichen Vorstellung sagt Florian Ritter:

«Ich möchte mich herzlich bedanken für die Unterstützung, die ich von verschiedenen Seiten erfahren habe. Die Situation ist nicht einfach, zum zweiten Mal hier zu stehen.»

Dieselbe Frau wie beim letzten Mal schreitet auch am Mittwoch wieder zum Mikrofon. Sie sei an den Pranger gestellt worden in der Botschaft, beklagt sie sich.

«Wir müssen ihn nicht einbürgern, wenn wir nicht wollen.»

Sie erneuert ihre Vorwürfe. Etwa, dass Ritter gar nicht in Fruthwilen wohne. «Er will nun über die Medien den Pass erzwingen.» Auch gegen den Gemeinderat zieht die Frau vom Leder. «Ihr Verhalten deutet darauf hin, dass sie die Bürger mundtot machen wollen.» Gemeindepräsident Bruno Lorenzato wehrt sich kurz aber vehement. In dem Verfahren habe alles seine Richtigkeit gehabt.

«Wenn wir jemanden mundtot machen wollten, hätten sie heute nicht so lange reden dürfen.»

Die Nachbarin verlässt noch vor der Bekanntgabe des Abstimmungsresultates den Saal. Florian Ritter wird eingebürgert und erhält Applaus.

Ehre für Fruthwiler Maler

Vor Beginn der Versammlung enthüllt Gemeinderätin Sonja Waltenspül ein Gemälde. Der Fruthwiler Künstler Hans Niederhauser schenkt es der Schule Salenstein. Es zeigt das Rütelitobel und vervollständigt eine Trilogie. Der bekannte Maler drückt damit seine Verwurzelung in der Gemeinde aus.

Künstler Hans Niederhauser vor dem Bild, das er der Schule schenkt.

Künstler Hans Niederhauser vor dem Bild, das er der Schule schenkt.

(Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Rote Zahlen im Budget

Drei Reglements-Änderungen bei den Werken gehen problemlos durch, ebenso wie ein Kreditantrag für Werkleitungen und ein Planungskredit für einen Gestaltungsplan im Salensteiner Dorfkern. Auch beim Budget 2020 gibt es keine Diskussionen.

Obwohl es ein Defizit von 1,3 Millionen Franken vorsieht. Den Verlust will man aus dem komfortablen Eigenkapital decken. Den Steuerfuss der Einheitsgemeinde belässt man vorerst noch bei 84 Prozentpunkten. Für ein ausgeglichenes Budget müsste der Steuerfuss rund zehn Prozentpunkte höher liegen. «Die Sparbudgets der vergangenen Jahre führen zu dringlichen Investitionen», erklärt Gemeindepräsident Bruno Lorenzato.

Er hat das Ressort Finanzen von Lorenz Stopper geerbt. Dieser ist Ende November aus Protest gegen die Finanzpolitik aus dem Gemeinderat zurückgetreten. Am Versammlungsende wird er mit Dank verabschiedet.

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