Im Winter erwachen die Ball-Artisten

Der Hallenfussball emanzipiert sich je länger je mehr vom Rasenfussball. In der Schweizer Futsal-Liga mischen auch die Golden Lions aus dem Thurgau mit. Sie stehen an der Schwelle zur höchsten Spielklasse.

Matthias Hafen
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Im Futsal braucht es weniger Zuschauer als im Fussball, um eine tolle Atmosphäre zu erzeugen. Im Ostschweizer Derby gegen Uzwil zeigen die Golden Lions (Weiss) zudem, wie temporeich und dynamisch das Spiel ist. (Bild: Mario Gaccioli, Weinfelden, 6. Januar 2019)

Im Futsal braucht es weniger Zuschauer als im Fussball, um eine tolle Atmosphäre zu erzeugen. Im Ostschweizer Derby gegen Uzwil zeigen die Golden Lions (Weiss) zudem, wie temporeich und dynamisch das Spiel ist. (Bild: Mario Gaccioli, Weinfelden, 6. Januar 2019)

Es gibt ihn noch, den Spektakelfussball – und das erst noch im Winter. Futsal heisst der Trend, der auch in den Schweizer Hallen immer mehr Fuss fasst. Der Thurgau stellt gar ein Spitzenteam. Die Golden Lions stehen auf Platz eins der NLA und visieren den Aufstieg in die Premier League, die höchste Schweizer Liga, an. Der Verein wurde erst im vergangenen Herbst gegründet, zuvor nahm er fünf Saisons lang als FC Weinfelden-Bürglen am Spielbetrieb teil. Im Zuge der Emanzipierung des Futsal reifte auch bei den Weinfeldern die Idee einer Abspaltung.

«Wir sind noch eine Baustelle», sagt Vizepräsident Djordje Petrovic, der gleichzeitig Trainer der Mannschaft ist. Eine aber, die sehr aufgeräumt und professionell daherkommt. Die Website der Golden Lions ist informativ und topaktuell, auf Facebook locken dynamische Videosequenzen das junge Publikum an. Der Verein wird primär von den Spielern, ihren Freunden und Familienmitgliedern getragen, die alles rund um die Spiele in der Weinfelder Paul-Reinhart-Halle mit Herzblut organisieren.

Das NLA-Team Golden Lions bejubelt in der Paul-Reinhart-Halle in Weinfelden einen weiteren Sieg. Derzeit steht die Mannschaft an der Spitze der Gruppe 4. (Bild: Mario Gaccioli, Weinfelden, 6. Januar 2019)

Das NLA-Team Golden Lions bejubelt in der Paul-Reinhart-Halle in Weinfelden einen weiteren Sieg. Derzeit steht die Mannschaft an der Spitze der Gruppe 4. (Bild: Mario Gaccioli, Weinfelden, 6. Januar 2019)

Tempo, Taktik, Tore

Auch spüren die Golden Lions Zulauf, und zwar so, «dass wir Spieler aus sportlichen Gründen abweisen müssen», sagt Petrovic. «Denn unsere Ziele sind ambitioniert.» Mittlerweile rekrutiert ein Sportchef neue Spieler. Sie werden hauptsächlich im Thurgauer Regionalfussball gefunden. Ein guter Futsal-Spieler sollte auf dem Rasen über den Daumen gepeilt mindestens gutes 2.-Liga-Niveau aufweisen, meinen Experten. Der Vergleich ist jedoch schwierig. Denn im Futsal sind zum Teil andere Dinge gefordert als auf dem Rasen. «Technik und Taktik machen einen Grossteil des Spiels aus», sagt Golden-Lions-Trainer Petrovic.

«Im Training studieren wir ganze Spielzüge ein, die auf dem Feld ausgeführt werden.»

Sie machen das Spiel schnell und sind auch für die Zuschauer attraktiv. Die Spielintelligenz ist ein weiterer Faktor, der einen guten Futsal-Spieler von einem sehr guten unterscheidet. Auf jeden Fall hat Futsal den Plausch-Charakter des Hallenfussballs längst abgelegt. Anders als etwa Schneefussball handelt es sich um eine ernsthafte, globale Bewegung innerhalb des Fussballs.

Prominente Botschafter

Seinen Ursprung hat Futsal in Südamerika. Mittlerweile ist es auch in Europa etabliert. Lionel Messi und Cristiano Ronaldo sei Dank. Die Fussball-Superstars beteuern immer wieder die Relevanz des Futsal. «Es hat mich zu dem Spieler gemacht, der ich heute bin», sagte Messi einst. Und Cristiano Ronaldo meinte: «Ohne Futsal wäre ich nie so weit gekommen.» Spanien und Portugal haben in Europa die professionellsten Ligen, auch Russland und Italien sind an der WM stets vorne dabei. Den Trend verschlafen hat Deutschland. Dort wird Futsal erst seit 2015 offiziell als Meisterschaft betrieben - seither jedoch mit einer Ernsthaftigkeit, die schnell Boden gutmachen wird. In der Schweiz bilden die Westschweizer Clubs die Spitze. Die Golden Lions, Futsal-Pioniere in der Ostschweiz, wollen dies jedoch ändern.

Technik und Taktik sind im Spiel auf engstem Raum besonders gefragt. Dass sie beides beherrschen, zeigen die Golden Lions (Weiss) beim 7:5-Heimsieg gegen Uzwil. (Bild: Mario Gaccioli, Weinfelden, 6. Januar 2019)

Technik und Taktik sind im Spiel auf engstem Raum besonders gefragt. Dass sie beides beherrschen, zeigen die Golden Lions (Weiss) beim 7:5-Heimsieg gegen Uzwil. (Bild: Mario Gaccioli, Weinfelden, 6. Januar 2019)

Damit ihr Erfolg anhält, trainieren die Thurgauer regelmässig zweimal pro Woche. Mehr Sorgen als die technisch-taktischen Belange macht den Futsallern jedoch die Überschneidung ihrer Saison (November bis März) mit derjenigen des Fussballs. «In der Schweiz spielen rund 90 Prozent der Futsaller auch Fussball», sagt Djordje Petrovic. Im 19-Mann-Kader der Golden Lions nur vier nicht. «Deshalb sollten Fussball und Futsal besser aufeinander abgestimmt werden. Wünschenswert wäre auch die Gründung einer Juniorenliga.» Vielleicht ist Futsal dann bei der Rekrutierung irgendwann nicht mehr vom Fussball abhängig.

Was ist Futsal?

Futsal ist die vom Fussball-Weltverband Fifa anerkannte Art des Hallenfussballs. Ein Team besteht aus vier Feldspielern und einem Goalie. Aufgrund des kleinen Feldes sind vor allem Technik und Taktik gefragt. Gespielt wird ohne Banden. Ist der Ball im Aus, wird er mit dem Fuss eingespielt. Tacklings jeglicher Art sind untersagt. Die reine Spielzeit einer Partie beträgt 2x20 Minuten, bei Unterbrüchen wird die Uhr wie im Eishockey angehalten. Im Schweizerischen Fussballverband gehört Futsal zum Breitenfussball. Die Liga besteht in der Saison 2018/19 aus der schweizweiten Premier League, der NLA mit vier regionalen Gruppen sowie der NLB mit sechs regionalen Gruppen. Nebst den Golden Lions in der NLA ist der Kanton Thurgau mit dem FC Internazionale aus Steckborn auch in der NLB vertreten. (mat)