Im Weinfelder Gemeindeparlament wandeln sich die Gepflogenheiten

Heinz Schadegg ist seit 28 Jahren Gemeindeparlamentarier, Marcel Tanner seit 18 Jahren. Am Donnerstag steht für sie die letzte Sitzung an. Einiges hat sich in der Legislative geändert in dieser langen Zeit.

Mario Testa
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Heinz Schadegg und Marcel Tanner beenden am Donnerstag ihre langen Karrieren als Gemeindeparlamentarier. (Bild: Mario Testa)

Heinz Schadegg und Marcel Tanner beenden am Donnerstag ihre langen Karrieren als Gemeindeparlamentarier. (Bild: Mario Testa)

«Ich hatte schon immer Interesse an der Politik», sagt Heinz Schadegg. «Das war der Grund, weshalb ich mich damals zur Wahl aufstellte. Ich war dazu auch noch der einzige Gerwebevertreter Seitens der SVP. Als Bauernbub war für mich die Parteizugehörigkeit klar.» 28 Jahre sind seit seiner Wahl vergangen.

Zehn Jahre weniger sind es bei Marcel Tanner, seine Beweggründe, in die Politik einzusteigen, waren vielseitig. «Politik hat mich immer interessiert. Zudem war ich damals Präsident der Evangelischen Kirchgemeinde und es wurde als zweckmässig angesehen, wenn wir einen Kirchenvertreter im Parlament hätten.» Auch seine Partei sei interessiert an seiner Kandidatur gewesen. «Ich war immer liberal eingestellt und daher kam für mich nie etwas anderes als die FDP in Frage.»

Parlament ist das richtige Instrument 

Einig sind sich beide 1954er – sie waren beide als Präsident auch mal höchster Weinfelder für ein Jahr –, dass ein Gemeindeparlament zu Weinfelden passt. «Für die Bevölkerung ist es sicher das richtige Instrument. Hier sitzen 30 gewählte Volksvertreter, die Entscheide fällen. Ich hab das ganz anders schon bei Schulversammlungen erlebt, wo wenige Dutzend Stimmbürger über Millionen entscheiden. Das ist heikel», sagt Schadegg.

«Wenn das Parlament aber 28:2 etwas entscheidet, kann man gut schlafen.»

Von einem idealen Konstrukt für Weinfelden spricht auch Marcel Tanner: «Für die Grösse von Weinfelden passt es gut. Ich habe in anderen Gemeinden auch schon Versammlungen erlebt, und das wäre hier sicher nicht gleich repräsentativ wie unser Parlament.» Ebenfalls gut sei die Zusammenarbeit zwischen Exekutive und Legislative.

In gewissen Bereichen habe sich die Parlamentsarbeit geändert in den vergangenen Jahrzehnten. «Als ich anfing, nahm mich Metzger Schmid zur Seite und sagte: <Jetzt hörst du mal zwei Jahre zu und dann darfst du aufstehen und etwas sagen.> Das ist heute schon anders», sagt Schadegg. Ganz grundsätzlich plädiere er dafür, sich besser einzuarbeiten und mehr zuzuhören. «Früher ging es immer um die Sache, Parteizugehörigkeit war Nebensache.»

«Heute gibt es Parlamentarier die aus Prinzip schon den Kopf schütteln, wenn sich einer von der Gegenseite zu Wort meldet. Ich mag das Emotionale in Debatten aber nicht»,

sagt Schadegg. «Die Gepflogenheiten haben sich schon geändert», sagt auch Marcel Tanner. «Mir hat die Fraktion anfänglich einige Regeln mit auf den Weg gegeben. Das gibt es heute weniger. Der Informationsfluss ist auch ein anderer seit es Mails und Smartphones gibt.»

Mehr Gespräche mit der Bevölkerung

Sie seien anfangs beide auch häufiger auf ihr Amt als Parlamentarier angesprochen worden im Dorf.

«Es wurde am Stammtisch mehr politisiert und die Leute haben sich sehr für unsere Meinung interessiert.»

sagt Marcel Tanner. «Vielleicht ist es auch eine Zeiterscheinung. Auch nach Anlässen in Weinfelden hat es nicht mehr gleich viele Leute, die noch in der Beiz diskutieren», sagt Schadegg.

Er habe das Parlament anfänglich auch entscheidungsfreudiger wahrgenommen. «Heute setzt man beim Bauen meist Totalunternehmer ein. Früher hat das Parlament die Vergabeentscheide getroffen.»

Das Amt bringt Ehre und Wertschätzung

Auf ihre letzte Sitzung am Donnerstagabend freuen sich die beiden. «Ich geh mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Aber es ist jetzt Zeit für uns, Jüngeren Platz zu machen», sagt Marcel Tanner. «Für mich war das Amt eine grosse Ehre.»– «Eine Ehre und Wertschätzung», sagt Heinz Schadegg. «Ich will keine Minute missen. Die Gespräche mit den Gemeinderäten und den Parlamentskollegen werden mir sicher fehlen.»

Viele Traktanden am Donnerstagabend

An ihrer letzten Sitzung als Gemeindeparlamentarierinnen und Gemeindeparlamentarier wartet auf die Mitglieder der Weinfelder Legislative am Donnerstagabend viel Arbeit. Es stehen die Rechnung und der Geschäftsbericht 2018 zur Abnahme, die Revision des Geschäftsreglements des künftigen Stadtparlaments sowie das Einbürgerungsreglement. Dazu entscheiden die Parlamentarier über ein Kreditbegehren zur Sanierung der Sangenstrasse sowie die neue Entschädigungsregelung des Stadtparlaments. Dazu kommen drei Interpellationen zur Debatte. Die öffentliche Sitzung beginnt um 19 Uhr im Rathaussaal.