Yasmin Gigers Mutter macht Fansport – Thurgauer Sportler erzählen im Wasserschloss Hagenwil von ihren Erfolgsrezepten

Am Samstag war der alljährliche Sportlerabend. Dieses Jahr stand neben den Erfolgen der Athleten die Sportpsychologie im Vordergrund.

Eva Wenaweser
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Amriswils Stadtpräsident Gabriel Macedo, Isabel Fehr, Präsidentin des Olympischen Komitees Liechtenstein, Hürdenläuferin Yasmin Giger aus Romanshorn und die Thurgauer Regierungsrätin Monika Knill. (Bild: Manuel Nagel)

Amriswils Stadtpräsident Gabriel Macedo, Isabel Fehr, Präsidentin des Olympischen Komitees Liechtenstein, Hürdenläuferin Yasmin Giger aus Romanshorn und die Thurgauer Regierungsrätin Monika Knill. (Bild: Manuel Nagel)

«Lebensfroh, ruhig überlegt und herzlich hilfsbereit.» Mit diesen Worten beschreibt der Fussballer Zaafir Giger seine Schwester Yasmin auf Anfrage. Am Samstag konnten sich davon alle Anwesenden des Sportlerabends ein Bild machen. Yasmin Gigers Lächeln war den ganzen Abend beständig. Manchmal war es etwas verlegen, beispielsweise als ihr Trainer Werner Dietrich sie im Hinblick auf die Trainingseinheiten als Phänomen bezeichnete.

Doch die Erfolge der 19-Jährigen sprechen dieses Jahr für sich. Im Juli holte sie sich bei der U23 EM in Schweden über 400m Hürden die Bronzemedaille. Zum fünften Mal in Folge gewann sie damit Edelmetall an einer internationalen Meisterschaft. Gleichzeitig lief sie an diesem Tag mit 56, 37 Sekunden ihre persönliche Saisonbestzeit.

Yasmin Giger ganz persönlich

Beim Abendessen sagte Yasmin Giger, wie wichtig ihr der Rückhalt der Familie sei. Auf die Unterstützung ihrer Eltern könne sie sich immer verlassen. Giger sagte:

«Meine Mutter macht vor allem Fansport, sie unterstützt mich zu 130 Prozent.»

Beim vorgängigen Vortrag über ihr derzeitiges Berufsfeld der Sportpsychologie betonte die ehemalige Spitzenläuferin Sabine Fischer aber auch die Wichtigkeit des Mentalen im Laufsport. «Laufen ist zu 90 Prozent Kopfsache, der Rest ist mental», mit diesen humorvoller Worten unterstrich sie ihre Aussagen.

Neben vielen neuen Aspekten im Bereich der Sportpsychologie, kam auch die Unterhaltung für die Zuhörer nicht zu kurz. Bereits zu Beginn wurde viel gelacht. Auf charmante Weise führte Fischer in das Thema ein und vertiefte es im Laufe des Vortrags.

Der Unterschied zwischen dürfen und müssen

Roland Günthör, Organisator des Sportlerabends, Trainer Werner Dietrich, die ehemalige Spitzenläuferin Sabine Fischer und der ehemalige Weltklasse-Kugelstosser Werner Günthör. (Bild: Manuel Nagel)

Roland Günthör, Organisator des Sportlerabends, Trainer Werner Dietrich, die ehemalige Spitzenläuferin Sabine Fischer und der ehemalige Weltklasse-Kugelstosser Werner Günthör. (Bild: Manuel Nagel)

Die anschliessende Podiumsdiskussion mit Yasmin Giger, Sabine Fischer, Werner Dietrich und Werner Günthör, dreifacher Weltmeister im Kugelstossen, zeigte weitere Facetten der Sportpsychologie auf. Die Fragen wurden von Werners Bruder Roland Günthör gestellt. Er organisiert bereits seit 21 Jahren organisiert den Thurgauer Sportlerabend der Leichtathleten.

Kurze Videos zu den Wettkämpfen führten die Gäste an die Fragen heran. So wurde auch die Szene an der WM 1987 in Rom gezeigt, als Werner Günthör 60'000 Italiener gegen sich hatte. Das ganze Stadion pfiff ihn aus, weil er Hauptkonkurrent des italienischen Athleten und damaligen Weltrekordhalter Alessandro Andrei war. Schliesslich entschied Günthör diesen Wettkampf für sich, doch die Frage drehte sich darum, wie man mit so einer Situation umgeht. «Der entscheidende Unterschied war, dass ich gut sein durfte. Andrei musste gut sein. Von ihm wurde erwartet, dass er seinen Erfolg bestätigt», sagte Günthör.

Leistungen auf Abruf zu bringen sei in den meisten Fällen sehr anspruchsvoll, laut Fischer aber trainierbar.

«Wichtig ist, dass man beim Wettkampf den Fokus auf sich legt und bei sich selbst ist. Sonst ist man am falschen Ort.»