Im Sitterdorfer Bruggfeld steht ein Lebensturm

Sekundarlehrer Markus Fäh hat das ursprünglich mit seinen Schülern geplante Projekt mit Kollegen fertiggestellt. Den Jugendlichen war das wegen der Coronapandemie nicht mehr möglich.

Werner Lenzin
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Christian Frauenfelder, Philipp Veraguth und Markus Fäh bei der Fertigstellung des Lebensturms.

Christian Frauenfelder, Philipp Veraguth und Markus Fäh bei der Fertigstellung des Lebensturms.

Bild: Werner Lenzin

Auf dem Gelände des Sekundarschulzentrums Bruggfeld in Sitterdorf ist in diesen Tagen ein Lebensturm entstanden. «Meine Gattin Brigitte hat von einem Gesangfest in der Innerschweiz ein Dokument von einem Lebensturm heimgebracht, der mich für diese besondere Idee inspirierte», erinnert sich der 58-jährige Sekundarlehrer Markus Fäh, der seit der Eröffnung des Schulhauses unter anderem auch das Fach Werken unterrichtet.

Für die Schüler der dritten Klasse, die nur zeitweise eine Schnupperlehre besuchen konnten oder schon definitiv eine Lehrstelle gefunden hatten, bot sich hier eine besondere schulische Gelegenheit.

Möglichst viel Lebensraum pro Quadratmeter

«So stellten wir im Werkunterricht Nisthilfen für Wildbienen aus Bambus her, bohrten Hunderte von Löchern in Hartholz und zimmerten Nistkästen als Behausungen für die verschiedensten Insekten», erklärt Fäh. Dabei stand für Lehrer und Schüler ein Gedanke im Zentrum: möglichst viel Lebensraum auf einem Quadratmeter.

Das Grundgerüst des Lebensturms besteht aus vier Holzstangen, die zu einem Quadrat fixiert und einbetoniert wurden. In dieser Phase hat das Gartenbauunternehmen Keller das Projekt zu einem Freundschaftspreis unterstützt. «Den weiteren Aufbau planten wir zusammen mit den Schülern im Projektunterricht», sagt Fäh. Doch die Coronakrise veränderte schlagartig alles.

Auf jeder Etage leben andere Tiere

Fäh entschloss sich, mit seinem Kollegen Philipp Veraguth und mit der Unterstützung von Primarlehrer Christian Frauenfelder vom Schulhaus Hoffnungsgut, das Projekt während der Frühlingsferien fertigzustellen. Sie begannen mit der Erstellung der untersten Etage, für welche die Überreste einer alten Sandsteinmauer und bis zu 100 Kilogramm schwere Sandsteinplatten verwendet wurden.

Diese Etage wird zum Lebensraum für Amphibien und ein mit Laub und Holzwolle gefüllter Hohlraum steht im Winter Igeln zur Verfügung. Schnittholz, Totholz, Holzschnitzel, Laub, Tannenzapfen und Rinde auf den weiteren Etagen bieten verschiedensten Tieren Unterschlupf: Wildbienen, Wespen, Hornissen und Florfliegen. Die eingefügten und mit Holzwolle gefüllten Tonröhren sollen zur Behausung für Ohrwürmer werden.

Weiteres Totholz bietet Holzbienen einen Unterschlupf. Mit Ziegelsteinen und Tonröhren ergänzten die Lehrer die übrigen Etagen. Ergänzend montiert haben sie auch die von den Schülern hergestellten Nistkästen und Behausungen für verschiedene Käfer. Bald wird hier Leben einkehren, und der Turm wird noch lange an jene Zeit erinnern, als Lehrer die Arbeiten ihrer Schüler fertigstellten.