Im Oberthurgau kündigt sich ein Zusammenschluss von Raiffeisenbanken an

Die Raiffeisenbanken Amriswil-Dozwil-Sommeri und Zihlschlacht-Muolen-Bischofszell prüfen die Möglichkeit einer gemeinsamen Zukunft.

Georg Stelzner
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Die Geschäftsstelle der Raiffeisenbank Amriswil-Dozwil-Sommeri an der Kirchstrasse in Amriswil.

Die Geschäftsstelle der Raiffeisenbank Amriswil-Dozwil-Sommeri an der Kirchstrasse in Amriswil.

(Bild: Manuel Nagel)

Die beiden Raiffeisenbanken sind entschlossen, auf die branchenspezifischen Herausforderungen zu reagieren. Ins Auge gefasst wird ein «partnerschaftlicher Zusammenschluss». Über diesen hätten die Genossenschafter an den Generalversammlungen der Banken im Jahr 2021 zu entscheiden.

«Wir befinden uns erst im Prüfverfahren, beschlossen ist noch nichts», sagt Marcel Vontobel, Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank Zihlschlacht-Muolen-Bischofszell. Die Grösse einer Bank sei zu einem wichtigen Faktor geworden. Da sich die Gebiete der beiden Banken teilweise überschneiden, sei der Gedanke an einen Zusammenschluss naheliegend, erklärt Vontobel.

Grösseres Marktgebiet ist das Ziel

Rolf Müller, in der Raiffeisenbank Zihlschlacht-Muolen-Bischofszell Vorsitzender der Bankleitung, betont, dass die Kostenfrage nicht das primäre Motiv sei. Den Ausschlag habe der Strukturwandel im Bankenmarkt gegeben.

Kundenbedürfnisse und Rahmenbedingungen veränderten sich, die Qualitätsansprüche würden steigen. «Die regulatorischen Anforderungen nehmen zu und der Wettbewerbsdruck erhöht sich laufend», gibt Müller bedenken. Diese Entwicklung verlange ein noch professionelleres Auftreten.

«Ein grösseres Marktgebiet, geschaffen durch den Zusammenschluss der beiden Banken, würde die Chance eröffnen, neue Geschäftsfelder zu erschliessen und die Positionierung zu stärken», sagt Müller.

Kundennähe hat hohen Stellenwert

Dass die Kunden und Genossenschafter eine besondere Beziehung zur Raiffeisenbank pflegen und ein hoher Identifikationsgrad besteht, wissen die Verantwortlichen.

«Wir werden weiter lokal tätig sein, die Nähe zu den Kunden beibehalten und keine Geschäftsstelle schliessen», sagt Müller. Niemand müsse befürchten, seine gewohnten Ansprechpartner zu verlieren.

Auch für die Belegschaft in Amriswil und Bischofszell soll sich nichts ändern. «Ein Stellenabbau im Zuge des angedachten Zusammenschlusses ist kein Thema», versichert Vontobel. Man werde mit dem heutigen Personal weiterarbeiten.

Gespräche unter gleichberechtigten Partnern

Fragen, die den Hauptsitz und den Namen der neuen Bank betreffen, bleiben noch unbeantwortet. Fest steht aber, dass die beiden Verwaltungsräte im Sommer 2020 die Weichenstellung vornehmen werden.

Sollte die Entscheidung zu Gunsten eines Zusammenschlusses ausfallen, werden die Genossenschafter im Herbst desselben Jahres zu einer Orientierungsversammlung eingeladen.

«Einen Plan B gibt es bis jetzt nicht. Wir sind aber zuversichtlich, dass sich die Genossenschafter für den Zusammenschluss aussprechen werden», sagt Rolf Müller. Bis dahin würden die beiden Banken Gespräche auf Augenhöhe führen.

10'500 Genossenschafter sind Mitbesitzer

Die Raiffeisenbank Zihlschlacht-Muolen-Bischofszell beschäftigt 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Bank weist eine Bilanzsumme von 740 Millionen Franken aus und zählt knapp 5400 Genossenschafterinnen und Genossenschafter als Mitbesitzer der Bank. Bei der Raiffeisenbank Amriswil-Dozwil-Sommeri sind 21 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig. Die Bank weist eine Bilanz- summe von rund 483 Millionen Franken aus und zählt gut 5100 Genossenschafterinnen und Genossenschafter als Mitbesitzer.

Beide Raiffeisenbanken haben sich zu wichtigen Finanzdienstleistern in der Region entwickelt. Sie sind Teil der Raiffeisen- Gruppe. Diese umfasst 229 genossenschaftlich organisierte Raiffeisenbanken mit 860 Bankstellen (Stand: Juni 2019). Die rechtlich autonomen Raiffeisenbanken sind in der in St. Gallen domizilierten Raiffeisen Schweiz Genossenschaft zusammengeschlossen. Mit einer Bilanzsumme von rund 235 Milliarden Franken ist Raiffeisen die drittgrösste Bankengruppe der Schweiz. (red)