Im Laufschritt zum «Green Deal für Kreuzlingen»

Die Stadt Kreuzlingen will einen Massnahmenkatalog zur Intensivierung des Klimaschutzes erarbeiten.

Rahel Haag
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Eines der bisherigen Projekte der Stadt war die Renaturierung des Chogenbachs.

Eines der bisherigen Projekte der Stadt war die Renaturierung des Chogenbachs.

(Bild: Donato Caspari (10. April 2017))

In Konstanz herrscht Klimanotstand. Auch Kreuzlingen will jetzt grüner werden. Am Donnerstag beschäftigt sich der Gemeinderat mit einer Interpellation zum Thema. Die Stadt will mithilfe eines Massnahmenplans den Klimaschutz intensivieren, wie aus der Antwort des Stadtrats auf den Vorstoss der SP-Gemeinderäte Fabienne Herzog und Ruedi Herzog im Namen der Fraktion SP/GEW/Juso hervorgeht. In diesem hatten sie den Stadtrat aufgefordert, einen «Green Deal für Kreuzlingen» auszuarbeiten.

«Ich bin froh, dass die Fraktion diese Diskussion angestossen hat»
Ernst Zülle, Stadtrat.

Ernst Zülle, Stadtrat.

(Bild: PD)

sagt Stadtrat Ernst Zülle, Leiter des Departements Bau. Der Startschuss für das Projekt soll im Mai fallen. «Das erklärte Ziel ist, Ende Jahr einen entsprechenden Massnahmenplan präsentieren zu können.»

Label «Energiestadt» allein reicht nicht aus

Der Stadtrat habe schon früh Schritte in Richtung Klimaschutz unternommen, heisst es in der Antwort. Seit 2006 trägt Kreuzlingen das Label «Energiestadt». Dieses verpflichtet unter anderem zur Reduktion von Treibhausgasen. Bei der letzten Überprüfung im Jahr 2018 erfüllte die Stadt 73 Prozent der Anforderungen. Für die nächste Überprüfung in zwei Jahren werde das Label «Energiestadt Gold» angestrebt.

«Das allein reicht aber nicht aus», sagt Zülle. Darüber hinaus will die Stadt die Ziele des Pariser Klimaabkommens, das die Klimaerwärmung auf 1,5 Grad beschränken will, erreichen.

«Hierfür werden wir einen rechten Lupf machen müssen.»

Deshalb müsse der bestehende Massnahmenplan der Stadt massiv erweitert werden.

Bei der Sanierung von Gebäuden sieht Zülle ein grosses Potenzial. «Aktuell sind in der Stadt mehr als 50 Prozent der Liegenschaften sanierungsbedürftig», sagt er. Mittelfristig solle die Sanierungsquote von einem auf zwei bis drei Prozent erhöht und damit der Energiebedarf gesenkt werden. In diesem Bereich will die Stadt ihre Vorbildrolle betonen, indem die stadteigenen Liegenschaften ab 2025 mit 100 Prozent erneuerbarer Energie beheizt würden, heisst es in der Antwort.

Ein weiteres Projekt, das die Stadt seit längerem verfolgt, ist die Renaturierung von Bächen. Als Beispiel nennt Zülle den Chogebach. Dessen letzter Abschnitt durch den Campingplatz Fischerhaus bis in den See wurde im Jahr 2017 aufgewertet. Der Unterschied zu vorher sei deutlich. «Entstanden ist ein Delta, das sich ständig verändert», sagt er, «und je mehr Zeit vergeht, umso schöner wird es.»

Thomas Niederberger, Stadtpräsident.

Thomas Niederberger, Stadtpräsident.

(Bild: PD)

Smart-City-Strategie

In einem Postulat fordert Gemeinderat Daniel Moos (Freie Liste) vom Stadtrat, eine departementsübergreifende Smart-City-Strategie zu erarbeiten und diese als Beschlussentwurf dem Gemeinderat zu unterbreiten. Smart City ist ein Sammelbegriff für gesamtheitliche Entwicklungskonzepte, die darauf abzielen, Städte effizienter, technologisch fortschrittlicher, grüner und sozial inklusiver zu gestalten. Diese Konzepte beinhalten technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Innovationen. «Mit diesem Postulat sollen die richtigen Schritte für das Kreuzlingen der Zukunft eingeleitet werden und bestehende organisatorische Barrieren aufgehoben werden», schreibt Moos.

In seiner Antwort hält der Stadtrat nun fest, dass die Erstellung einer solchen Strategie bereits im Legislaturprogramm 2019 bis 2023 als Ziel festgelegt worden sei. «Zudem haben wir hierfür im Budget 2020 bereits einen Betrag von rund 20'000 Franken gesprochen», sagt Stadtpräsident Thomas Niederberger. Über das Postulat wird der Gemeinderat am Donnerstag befinden. «Ich bin überzeugt, dass der Gemeinderat das Postulat annehmen wird», sagt er. Die Strategie solle noch dieses Jahr erarbeitet werden.

Der Begriff Smart City suggeriere, dass die Digitalisierung vorangetrieben werden solle, sagt Niederberger, doch es gehe auch darum, die Bevölkerung miteinzubeziehen. «Der persönliche Kontakt wird weiterhin wichtig sein.» Dies betont der Stadtrat auch in seiner Antwort und nennt als Beispiel, die Gestaltung der Löwenstrasse, die mit einem öffentlichen Workshop begleitet wird. Des Weiteren weist er darauf hin, dass die Stadt in einigen Themenfeldern bereits die Ausrichtung einer Smart City verfolge. Als Beispiele nennt er unter anderem die neue Website, die Echtzeitanzeige des Busbetriebs am Bus- sowie Bahnhof und die Möglichkeit, die Parkgebühren mit einer App zu bezahlen. (rha)