Im Kreuzlinger Reisebüro ist derzeit nur eines sicher: Das Reisen wird sich verändern

Reisebüroinhaberin Silvia Cornel ist zuversichtlich, weil alles andere derzeit nichts hilft. Sie berichtet von turbulenten Monaten mit der Organisation von Heimreisen, komplexen Annullationen und die Forderungen der Branche an den Bund. 

Urs Brüschweiler
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Arbeit hat Silvia Cornel derzeit vorwiegend mit komplexen Annullationen. Reiseträume verwirklichen muss noch warten.

Arbeit hat Silvia Cornel derzeit vorwiegend mit komplexen Annullationen. Reiseträume verwirklichen muss noch warten.

(Bild: Andrea Stalder)

«Closed» steht auf dem Schild, das an der Tür von Silvia Cornels Reisebar an der Schützenstrasse hängt. Natürlich musste die Unternehmerin ihr Geschäft auch schliessen. Nicht nur wegen der Ansteckungsgefahr, sondern weil es aktuell wegen der geschlossenen Grenzen auch nichts zu verkaufen gibt. So wirken die Weltkarte, die Büro-Dekorationen aus fernen Ländern und die mit Kreide gemalte Palme am Strand gerade ein wenig wie Hohn.

Silvia Cornel mag sich nicht beklagen über die Situation. Es ist ihr wichtig, optimistisch zu bleiben, und versichert:

«Uns wird es auch
nach der Krise noch geben.»
Nicht nur Silvia Cornels Reisebüro leidet. Die Branche steht Kopf und hat Forderungen an den Bund.

Nicht nur Silvia Cornels Reisebüro leidet. Die Branche steht Kopf und hat Forderungen an den Bund. 

(Bild: Andrea Stalder)

Doch es lässt sich auch nicht leugnen, dass die letzten Wochen und Monate schwierig waren. Von Heute auf Morgen war sie fast rund um die Uhr damit beschäftigt, ihren Kunden die Heimreise zu ermöglichen. Es waren dramatische Tage, als im Minutentakt Meldungen kamen, welche Grenzen geschlossen und welche Flughäfen soeben für Transitflüge gesperrt werden.

«Das Schlimmste war,
dass es keine zuverlässigen Infos gab.»

Auch dank der vom Bund dann später organisierten Repatriierungsflüge schafften es mittlerweile praktisch alle ihre Kunden zurück in die Heimat. «Zwei meiner Reisenden wollten vorerst nicht nach Hause, stecken nun aber mangels Fluglösungen in Indien und Mexiko fest.»

Offener Brief an die nationalen Parlamentarier

Nach dieser Phase folgte dann die bis jetzt andauernde Zeit, in der sie statt Reiseträume zu verwirklichen, komplizierte Annullationen durchführen muss. Dies bedeutet die Rückzahlung der über die letzten Monate erwirtschafteten Gewinne.

Die Schweizer Reisebüro-Branche ist geschunden und fühlt sich für ihre wirtschaftliche Bedeutung zu wenig beachtet. Dabei beschäftige man rund 10'000 Mitarbeiter; mit einem beachtlichen Frauenanteil von über 60 Prozent.

Cornel hat mit 30 anderen Reisebüros einen offenen Brief an die nationalen Parlamentarier unterzeichnet, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Eine Forderung ist, dass die Staatshilfen für Fluglinien mit der Forderung zur Rückzahlung bezahlter Flugtickets an Kunden und Reisebüros verknüpft werden. Ein Problem, das Cornel beschäftigt:

«Wenn Swiss die Tickets nicht erstattet, bringt uns dies in einen
enormen Liquiditätsengpass.
Dies muss der Politik doch bewusst sein?»

Im Herbst in Europa, im Winter vielleicht Übersee

Wann wieder Reisen nach Afrika, Amerika oder Australien möglich sind, weiss heute niemand. Für Europa hofft man auf den Herbst, Übersee vielleicht im Winter. Sicher ist eines: Das Reisen wird sich verändern. Behörden sowie Fluggesellschaften diskutieren über verschiedene Lösungen wie Gesundheitszertifikate zur Reiseerlaubnis oder freie Mittelsitze auf den Flügen.

Für viele Destinationen ist das längere Ausbleiben der Touristen eine finanzielle Katastrophe. Dass sich auch im Klimaschutz und Massentourismus etwas ändern muss, ist sich laut Cornel auch die Reisebranche einig. Für den Sommer bereitet sie nun Packages für Ferien im Inland vor.

«Aber es ist eine Herausforderung,
einem Schweizer eine Schweizerreise
zu verkaufen.»

Da muss man als Reisebüro auch auf Goodwill der Kunden hoffen. Aber Optimistin, die sie ist, sagt sie:

«Man muss halt erfinderisch sein.»
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