«Im Garten lernen sie unsere Kultur kennen» - Wie eine Weinfelderin Salat zur Integration von Asylbewerbern nutzt

Veronika Portmann hat in Weinfelden einen offenen Garten initiiert. Sie sieht ihn auch als Integrationsprojekt. Denn bei der gemeinsamen Gartenarbeit geht es um mehr als nur Unkraut jäten.

Sabrina Bächi
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Khitam Albenni und Sohn Sammi schneiden Salat in ihrem Beet im offenen Garten. Veronika Portmann hält den Sack bereit.

Khitam Albenni und Sohn Sammi schneiden Salat in ihrem Beet im offenen Garten. Veronika Portmann hält den Sack bereit.

Bild: Andrea Stalder (Weinfelden,25. Mai 2020)

Veronika Portmann streift durch die Beete. Ihre Hände streichen immer wieder über die Blätter. Kleine, grosse, grüne oder braune Blätter von den unterschiedlichsten Pflanzen hat es, die wacker himmelwärts wachsen. Portmann steht mitten in einem Garten, den sie als «offenen Garten» bezeichnet.

Seit vergangenem Jahr hat die Primarlehrerin im ehemaligen Schulgarten des Gewerblichen Bildungszentrums an der Freiestrasse ein paar Beete zur Nutzung erhalten. «Ich wollte schon seit längerem in Weinfelden einen offenen Garten, es hat leider nicht geklappt», sagt Portmann.

Ein Ort, um besser Deutsch zu lernen

Veronika Portmann, Initiantin Offener Garten Weinfelden

Veronika Portmann, Initiantin Offener Garten Weinfelden

Bild: Andrea Stalder

Ihr Ziel: Gemeinsam mit Schweizern, Ausländern und Asylbewerbern einen Garten nutzen und pflegen, der nicht nur Freude macht, sondern auch der Integration dienen soll. Portmann sagt:

«Es sind ganze Familien, die hier mitwirken, aber vor allem für die Frauen ist es ein guter Ort, um besser Deutsch zu lernen.»

Wer mitmachen will, meldet sich bei ihr, zahlt eine kleine Miete von zehn Franken pro Beet und wird von Veronika Portmann immer wieder daran erinnert, dass man den Salat giessen oder das Unkraut jäten muss. «Manchmal muss ich schauen, dass ich nicht zu sehr die Lehrerin bin», sagt Veronika Portmann und lacht herzhaft.

Denn es sei nicht nur die Sprache, die man in der geselligen Gartenrunde lernen könne. «Es bedeutet auch, die Verantwortung zu übernehmen, pünktlich und verlässlich zu sein. Die Gartenarbeit bietet einen Einblick in unsere Kultur», sagt sie.

Sie steht fast täglich im Garten

Utensilien für die Arbeit im offenen Garten.

Utensilien für die Arbeit im offenen Garten.

Bild: Andrea Stalder

Dasselbe gelte aber auch umgekehrt. Eine Familie wollte etwa nur Bohnen anpflanzen, weil sie dieses Gemüse so oft zum Kochen brauchen. «Was ich mir noch mehr wünsche sind Pflanzen oder Gemüse aus den Herkunftsländern der Familien, es soll eine buntgemischte Gruppe mit buntgemischten Beeten sein.» Das Projekt stehe noch am Anfang, dennoch sind derzeit alle Beete belegt. Portmann besucht die Beete fast täglich.

Die Freude über die wachsenden und gedeihenden Pflanzen steht ihr ins Gesicht geschrieben. Sie weiss genau, wo was eingepflanzt ist. «Hier haben die Schnecken fast alle Rüebli gefressen», sagt sie und zeigt auf die ausgefranzten Überreste der Blätter. «Dort hinten ist dafür das üppigste Beet, dort scheint der Boden sehr fruchtbar zu sein.»

Sie wünscht sich noch mehr Gemeinsamkeit

Manchmal, gesteht Portmann, jäte sie auch alleine, eigentliche mache sie eher noch zu viel. Sie wünscht sich noch mehr Gemeinsamkeit, aber eben, sie muss aufpassen, dass sie nicht zu sehr die Lehrerin gibt. Und doch:

«Vor allem Asylbewerber sind oft im Empfangmodus, das können sie hier nicht, hier müssen sie auch etwas leisten – und sei es nur das Jäten der Beete.»

Dann kommt Khitam Albenni mit Sohn Sammi in den Garten. Die vierfache Mutter stammt ursprünglich aus Syrien und freut sich über ihren ersten Schnittsalat, den sie an diesem Tag erntet. Auch die Bohnen und der Knoblauch wachsen gut. «Es ist mein erster Garten», sagt Albenni.

Die Beete sind mit den Namen der Familien angeschrieben, die sie betreuen. Bei einigen trägt die Arbeit bereits Früchte.

Die Beete sind mit den Namen der Familien angeschrieben, die sie betreuen. Bei einigen trägt die Arbeit bereits Früchte.

Bild: Andrea Stalder

Für sie ist der offene Garten gerade auch in der Coronakrise eine Möglichkeit, ihr Deutsch zu verbessern und auch zu lernen, was sie aus ihrem Garten wie zubereiten und kochen kann. Da bietet Portmann gerne Unterstützung. Wissen weiterzugeben liegt ihr eben.

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