Die eindrückliche Erfolgsserie des HC Thurgau reisst im ersten Spiel des neuen Jahres

Den Auftakt ins Jahr 2020 hat sich der HC Thurgau wohl anders vorgestellt. Erstmals seit dem 6. Oktober und dem 0:7 gegen Visp verlieren die Ostschweizer wieder ein Heimspiel in der Swiss League. Nach dem 3:6 gegen La Chaux-de-Fonds stellt sich auch die Frage, wie schwer der Ausfall von Kellen Jones tatsächlich wiegt.

Matthias Hafen
Drucken
Teilen
Patrick Spannring (rechts) stürmte gegen La Chaux-de-Fonds erstmals für den HC Thurgau. Die Erwartungen an den neu verpflichteten Österreicher mit Schweizer Lizenz sind hoch.

Patrick Spannring (rechts) stürmte gegen La Chaux-de-Fonds erstmals für den HC Thurgau. Die Erwartungen an den neu verpflichteten Österreicher mit Schweizer Lizenz sind hoch.

Mario Gaccioli

Wer einen so erfolgreichen Winter einzieht wie der HC Thurgau, dem muss es schwerfallen, Vorsätze für das neue Jahr zu fassen. Sportlich läuft es dem Ostschweizer Swiss-League-Club so gut wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Und selbst mitten in der Ligaspitze ist es dem HCT bislang gelungen, am Boden zu bleiben. Das gilt sowohl für die Mannschaft wie auch für die Clubführung.

Abheben ist also nicht das Ding des HC Thurgau im Jahr 2020. Sein Vorsatz lautet «nur nichts überstürzen». Das gilt auch im Fall des verletzten Topskorers Kellen Jones. Der kanadische Stürmer fällt mit einer Oberkörperverletzung vier bis fünf Wochen aus. Ob der HCT für Jones einen Ersatz verpflichtet, ist offen. «Wir prüfen derzeit unsere Optionen», sagte Geschäftsführer Martin Büsser am Rande der 3:6-Niederlage vom Freitagabend gegen La Chaux-de-Fonds.

Verstärkung aus der NLA steht im Raum

Die wahrscheinlichste Lösung ist, dass der HC Thurgau in den nächsten Tagen einen überzähligen Ausländer aus der National League oder Swiss League mittels B-Lizenz bei sich aufnimmt. Im nächsten Spiel, am Sonntag um 17.45 Uhr in La Chaux-de-Fonds, wird aber erneut kein Jones-Ersatz auf dem Eis stehen. «Ich bin überzeugt, dass wir Kellens Ausfall auch anders kompensieren können», sagte HCT-Geschäftsführer Büsser. Er erwartet, dass Patrick Spannring zumindest teilweise Jones’ Lücke stopfen wird. Der von Villach neuverpflichtete Österreicher mit Schweizer Lizenz stürmte am Freitag erstmals für Thurgau und hinterliess einen guten ersten Eindruck.

Die Rolle des zweiten Ausländers füllte Spannring im Heimspiel gegen La Chaux-de-Fonds aber nicht aus. Das wäre auch zuviel verlangt gewesen. Gegen die wiedererstarkten Neuenburger fehlte Thurgau grundsätzlich eine Leaderfigur, die das Team hätte zusammenhalten können, als es gegen Spielende auseinanderfiel. Die Abgeklärtheit, die Ruhe und die Kompaktheit, welche die Equipe bislang ausgezeichnet hat, war im letzten Drittel weg.

Arno del Curto verleiht La Chaux-de-Fonds Flügel

Thurgau verspielte innert 72 Sekunden eine 3:2-Führung, als Daniel Carbis und Alain Miéville unter gütiger Mithilfe der völlig desorientierten HCT-Defensive ein Doppelschlag gelang (54./55.). So verpasste der HCT den 13. Heimsieg in Folge. Dabei war von Anfang an klar, dass der HC La Chaux-de-Fonds vor 1638 Zuschauern in der Güttingersreuti andere Saiten aufzog als noch bei den zwei 1:0-Siegen des HCT Mitte Oktober. Seit der Entlassung von Trainer Mikael Kvarnström Anfang Dezember zieht kein geringerer als Arno del Curto die sportlichen Fäden im Neuenburger Jura. Der Kulttrainer leitete am Donnerstag noch das Eistraining in der Patinoire des Mélèzes, wie Journalisten aus La Chaux-de-Fonds erzählten. An der Bande in Weinfelden stand Sportchef Loïc Burkhalter. Das Duo, das sich aus Davos kennt, bringt den HCC wieder auf die Beine. Das 6:3 im Thurgau war der dritte Sieg in Serie und der fünfte Sieg im siebten Spiel seit der Entlassung Kvarnströms. Das Gute daran: Der HC Thurgau hat nun einen guten Vorsatz, wenn er am Sonntag, um 17.45 Uhr, in La Chaux-de-Fonds gastiert. Dann treten die beiden Swiss-League-Kontrahenten gleich noch einmal aufeinandertreffen.

Thurgau – La Chaux-de-Fonds 3:6 (2:1, 0:1, 1:4)

Güttingersreuti, Weinfelden – 1638 Zuschauer – SR Eichmann/Hürlimann, Gurtner/Huguet.
Tore: 9. Hollenstein (Frei) 1:0. 15. Cameron (Coffman/Ausschluss Fontana!) 1:1. 20. (19:35) Profico 2:1. 39. Ahlström (Coffman, Cameron) 2:2. 50. Frei (Scheidegger, Hobi/Ausschluss Kühni) 3:2. 54. (53:41) Carbis (Coffman, Cameron) 3:3. 55. (54:52) Mié­ville (Schmidt) 3:4. 58. Grezet (Miéville) 3:5 (ins leere Tor). 60. (59:44) Coffman 3:6 (ins leere Tor).
Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Thurgau, 4-mal 2 Minuten gegen La Chaux-de-Fonds.
Thurgau: Aeberhard; Seiler, Parati; Wildhaber, Scheidegger; Fechtig, Profico; Collenberg; Engeler; Altorfer, C. Jones, J. Loosli; Hobi, Rundqvist, Merola; Rehak, Brändli, Spannring; Hollenstein, Niedermaier, Frei.
La Chaux-de-Fonds: Ritz; Jaquet, Zubler; Kühni, Iglesias; Ahlström, Wollgast; Fontana, Hofmann; Carbis, Coffman, Cameron; Karaffa, Augsburger, Holdener; Schmidt, Miéville, Bogdanoff; Dubois, Wetzel, Grezet.
Bemerkungen: Thurgau ohne K. Jones (verletzt), M. Loosli, Dufner, Schmuckli (alle Rapperswil-Jona/NLA), Moser, Zanzi, Steinauer, Kellenberger, Moosmann, Huber und Schnetzer (alle Farmteam). La Chaux-de-Fonds ohne Bays, Hasani (beide verletzt), Barbero (abwesend), Tanner und Voirol (beide Farmteam). – 30. Lattenschuss Merola. – 57:22 Time-out HC Thurgau. – HC Thurgau von 57:22 bis 57:41 sowie von 58:19 bis 59:44 ohne Goalie.

Mehr zum Thema