Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Im Dunkelzelt an der Wega wechseln die Seiten

Die Stiftung Obvita hat zum Ziel, Verständnis für Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung zu schaffen. Wer erfahren will, was es heisst blind zu sein, kann einen Rundgang durch das Dunkelzelt machen.
Janine Bollhalder
Das ist es, was man im Dunkelzelt sieht: pures Schwarz. (Bild: Andrea Stalder)

Das ist es, was man im Dunkelzelt sieht: pures Schwarz. (Bild: Andrea Stalder)

Es ist dunkel. Stockdunkel. Die Hand vor dem Gesicht sieht man nicht mehr. Man muss sich auf alle anderen Sinne verlassen – und auf Blindenführer, wie Samira. «Leg die rechte Hand auf meine Schulter und lass nicht los. Sonst müssen wir dich suchen», sagt sie.

Die junge Frau ist blind und führt Sehende in ihre Welt. Eine Welt voller Dunkelheit. An der Wega ist diese Welt ertastbar, in einem grauen Zelt, das auf dem Pausenplatz des Thomas-Bornhauser-Schulhauses steht. Auch wenn man mit den Augen im Innern des Zeltes nichts wahrnehmen kann, ein Erlebnis ist es trotzdem.

Der Rundgang beginnt mit Sinneseindrücken von oben. Etwas hängt von der Decke, streift durchs Haar und übers Gesicht. Dann wird der Fokus auf den Boden gelenkt.

«Vielleicht erkennst du, auf was für einem Untergrund du gerade stehst»

Ohne etwas zu sehen, ist es schwierig, Samiras Aufforderung nachzukommen. Zunächst ist es weich unter den Schuhsohlen, dann wieder hart, dann uneben. Das Gehen in der völligen Dunkelheit ist unsicher, mehr ein Trippeln oder Tappen. Die Orientierung fehlt gänzlich.

«Taste nun an der Wand entlang. Da hängen einige Dinge. Vielleicht kannst du etwas erkennen», sagt Samira in die absolute Dunkelheit hinein. Da hängt eine Gummischlange, eine TV-Bedienung, etwas, das dem Griff eines Springseils ähnelt. Was das andere ist, bleibt ein Rätsel.

Für einmal ist Samira die Sehende, die Besucher des Dunkelzeltes die Blinden.

Die junge Frau geht weiter. «Nun kommt eine Puppe. Vielleicht erkennst du, was sie trägt.» Etwas ledriges, ein bisschen Fell, viel loser Stoff.

Schneller als erwartet endet die Führung. Vor dem Zelt wartet Katrin Murezzan. Sie ist die Projektleiterin der Organisation Obvita und für das Erlebnis im Dunkelzelt verantwortlich.

Nebst der absoluten Dunkelheit in dessen Inneren können Neugierige auch mit Brillen aus Karton erfahren, wie es ist, mit einer Sehbeeinträchtigung zu leben. So einer, wie sie etwa Corinne hat. Auch sie hilft mit am Stand von Obvita.

Mithilfe der Kartonbrille ist erkennbar, wie sie die Welt wahrnimmt. Alles verschwimmt. Die Mimik des Gegenübers ist nur schwer erkennbar. «Die Leute müssen mir halt sagen, wie es ihnen geht. Wenn sie nur einen Lätsch ziehen, kann ich das nicht erkennen», sagt Corinne schulterzuckend.

Die Idee hinter Obvita ist es, Verständnis für sehbeeinträchtigte Menschen zu schaffen. «Besonders in dieser hektischen Welt, in der alles schnell laufen muss», sagt Murezzan. Personen mit Sehbeeinträchtigungen brauchen Zeit, «manchmal auch gerne Hilfe», sagt Corinne.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.