Ihren Sport wollen sie nicht aufgeben: Drei ältere Sportler aus der Region Bischofszell und dem Aach-Thur-Land erzählen von den derzeitigen Einschränkungen

Ein Marathonläufer, ein Judoka und ein Extremradsportler lassen sich das Training trotz Coronavirus nicht nehmen. Einer von ihnen startete Anfang März noch an einem Wettkampf in Bhutan – und schaffte es knapp vor der Grenzschliessung zurück nach Hause. 

Christof Lampart
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Hans Nessensohn (weiss) will im September an die WM in Polen.

Hans Nessensohn (weiss) will im September an die WM in Polen.

(Bild: PD)

Zwei von ihnen gehören zur Risikogruppe: Der Bischofszeller Marathonläufer Otto Götsch wird am 23. Mai 75 Jahre alt und der Judoka Hans Nessensohn aus Kradolf ist 66. Nur der Extremradsportler Hansrudolf «Hansi» Nyfeler ist erst 56. Trotz Corona lässt sich aber keiner der drei das Training und die weitere sportliche Planung für das Jahr 2020 nehmen.

Die Sportler nehmen die unangenehme Situation so locker wie möglich und sind, wie Götsch, sogar zu Spässen aufgelegt: «Ich laufe nun meine Marathons im Abstand von ein paar Tagen, indem ich die Distanz auf den Wald- und Wiesenwegen um Bischofszell herum zurücklege; ich nenne die Läufe «BiCoViMa», was für «Bischofszeller Corona-Virus-Marathon» steht», erzählt Götsch.

Otto Götsch lief kürzlich einen Marathon.

Otto Götsch lief kürzlich einen Marathon.

(Bild: Christof Lampart)

Auch wenn sie aktuell durch die Absagen zahlreicher Anlässe im In- und Ausland richtiggehend ausgebremst werden, so hindert dies keinen der drei, weitere sportliche Einsätze zu planen. So hat Hans Nessensohn nach der Absage der Judo-Europameisterschaften, welche Ende Mai in Athen hätten durchgeführt werden sollen, mit der Weltmeisterschaft in Polen Anfang September ein neues Ziel im Visier.

Zu Anfang hatte er Mühe mit der Situation

«Zu Beginn hatte ich, angesichts der Ungewissheit, was das Virus für uns Sportler ganz genau bedeutet, schon Mühe damit, die Motivation aufrechtzuerhalten», gesteht der Judoka. Doch die Niedergeschlagenheit ist längst passe. «Ich bin wieder topmotiviert und versuche mich zu Hause so fit wie möglich zu halten, indem ich tags Liege­stützen und Rumpfbeugen mache und abends eine halbe Stunde durch die Gegend renne.»

Der Lockdown kam für Otto Götsch nicht überraschend. Dies habe sich schon bei seinem bislang letzten und 218. Marathon abgezeichnet, den er am 9. März im am östlichen Rand des Himalajas liegenden Königreich Bhutan lief.

«Ich erwischte den letzten Flug zurück; danach waren die Grenzen von Bhutan und Indien zu.»

Immerhin war auch sein bislang letzter Auftritt von Erfolg gekrönt: «Ich wurde mit Abstand Erster in meiner Kategorie, was mir einen schönen, bunten Bändel als Preis einbrachte.» Rund um den Lauf sei in Bhutan bezüglich Corona alles sehr locker gehandhabt worden. «Wer keine erhöhte Temperatur hatte, durfte starten und bei insgesamt nur rund 150 Startenden hatten die Veranstalter auch keine Bedenken, was das Einhalten des Zwei-Meter-Abstandes anbelangt», erinnert sich Götsch.

«Ich musste nicht vieles über den Haufen werfen»

Hansi Nyfeler plante für 2020 ein Zwischenjahr.

Hansi Nyfeler plante für 2020 ein Zwischenjahr.

(Bild: PD)

Sogar einige Tage früher als Götsch konnte Hansruedi Hansi Nyfeler aus Kradolf einen ersten Saisonerfolg feiern, belegte doch der Extremradsportler beim Bikingman Oman – einem Ausdauerwettbewerb über 1060 Kilometer und 9300 Höhenmetern durch Wüste und Hochgebirge – im Schlussklassement den zweiten Rang. «Ich habe also mein Rennen bereits hinter mir», sagt Nyfeler.

In seinem Haus hält er sich «auf der Rolle» und draussen mit Laufen fit. Da Nyfeler das Jahr 2020 schon vorher als sportliches Zwischenjahr angesehen hatte, in dem er «vor allem Rennen fahren möchte, die ich noch nie gemacht habe», habe er nicht viel über den Haufen werfen müssen. Doch ganz ohne Einschnitte ging es auch bei Nyfeler nicht. So wurde das zur Weltcup-Serie gehörende Rennen in Korsika, das nächste Woche hätte starten sollen, auf den Herbst verlegt. Die Rennen in Brasilien und Peru, an denen Nyfeler starten wollte, wurden ganz gestrichen.

«Trotzdem sehe ich das Ganze gelassen. Wenn ich jetzt nicht starten kann, dann halt in einem anderen Jahr.»
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