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Serie

Ihr Blick entdeckt Krebs: Im pathologischen Institut des Kantonsspitals Münsterlingen

Sommerserie Kantonsspital Münsterlingen (Teil 6): Die Pathologen tragen mit ihrer Arbeit einen Grossteil dazu bei, die Patientenleben zu verlängern.
Hannah Engeler
Achim Fleischmann stellt bei der histologischen Untersuchung von Gewebeproben mit seinen Kollegen eine Diagnose auf. (Bild: Reto Martin)

Achim Fleischmann stellt bei der histologischen Untersuchung von Gewebeproben mit seinen Kollegen eine Diagnose auf. (Bild: Reto Martin)

Eine nackte Leiche liegt im kalten Licht auf dem Untersuchungstisch, der Herr im weissen Plastikkittel setzt ein Messer an und teilt wenig später den Ermittlern die mögliche Todesursache mit. Mit Bildern wie diesen wird dem Fernsehpublikum der vermeintliche Pathologe vorgestellt.

In Wirklichkeit handelt es sich um eine Diagnose, die nur Rechtsmediziner aufstellen. «Wir Pathologen untersuchen keine Verbrechen», sagt Professor Achim Fleischmann, Institutsleiter der Pathologie am Kantonsspital Münsterlingen. Alle von ihnen untersuchten Personen sind eines natürlichen Todes gestorben.

«Wir helfen den Angehörigen dabei, Abschied zu nehmen.»

Die Fragen bei einer klinischen Autopsie seien, wieso der Patient genau zum gegebenen Zeitpunkt gestorben ist und ob alle seine relevanten Erkrankungen zu Lebzeiten diagnostiziert wurden. «Wir erleichtern den Zurückgebliebenen das Abschiednehmen; das ist schön zu wissen», erzählt Regina Masser, die zukünftige Leiterin des Instituts Zum Regenbogen. Da pathologische Institut befindet sich ebenfalls auf dem Spitalcampus.

Sich auf die neutrale, sachliche Beurteilung der Befunde zu fokussieren mache es einfacher, bei der täglichen Arbeit mit dem Tod konfrontiert zu sein.

Regina Masser untersucht das Organ nach mögliche Erkrankungsbildern. (Bild: Reto Martin)

Regina Masser untersucht das Organ nach mögliche Erkrankungsbildern. (Bild: Reto Martin)

Die Diagnostik am Lebenden nimmt viel Zeit in Anspruch

Rund 330 Patienten sterben jährlich im Kantonsspital. Aktuell werden davon nur etwa 10 Prozent autopsiert. Die zunehmende Überalterung der Bevölkerung führe dazu, dass ein immer grösser werdender Teil der Menschen an Krankheiten leidet, da diese tendenziell im Alter zunehmen, erklärt Fleischmann. Dies hat zur Folge, dass Pathologen heutzutage hauptsächlich Gewebeproben von lebenden Patienten untersuchen. Die Diagnostik am Lebenden sei dabei genauso faszinierend und herausfordernd wie die Autopsie, findet der seit 2013 in Münsterlingen tätige Mediziner.

Die Haupttätigkeit der Pathologen bestehe darin, Krebs zu diagnostizieren. 99 Prozent aller Krebsdiagnosen werden von ihnen und nicht etwa von den behandelnden Ärzten aufgestellt. «Jeder Krebs ist ein Individuum», sagt Fleischmann.

Da sich die Sicht auf den Krebs über die Jahre geschärft habe, werde heute nicht mehr nur zwischen gut- und bösartigen Tumoren unterschieden. Sie werden individuell betrachtet und nach mehreren Merkmalen gruppiert. Anschliessend kann der Pathologe viel genauere Diagnosen als früher aufstellen und somit dazu beitragen, dass der Patient eine bestmögliche Therapie bekommt.

Mit dem Mikroskop in unbekannte Gebiete

«Das Mikroskop ist das wichtigste Gerät des Pathologen», sagt Masser. Es erlaube den Ärzten, mehr zu sehen als nur die Welt, welche uns direkt umgibt. «Gewebeproben sind wie eine Unterwasserwelt, in die man richtig abtauchen kann», meint die Medizinerin.

Gefärbte Gewebeproben für die genaue Untersuchung unter dem Mikroskop. (Bild: Reto Martin)

Gefärbte Gewebeproben für die genaue Untersuchung unter dem Mikroskop. (Bild: Reto Martin)

Dieser Mikro-Kosmos erschliesse sich uns Menschen erst seit der Entwicklung moderner Mikroskope und der Erfindung von Gewebefärbungen vor rund 170 Jahren, erzählt Fleischmann. «Der Mikro-Kosmos wird spannender, je länger man sich damit befasst», meint er. Trotz grosser Fortschritte sei vieles noch unentdeckt. Regelmässig müssten neue Begriffe eingeführt werden, welche etwas bislang Unbekanntes beschreiben.

Die Wichtigkeit der Arbeit der Pathologen zeigt sich beispielsweise bei der intraoperativen Schnellschnittuntersuchung. Der Chirurg entnimmt während der Operation eine Gewebeprobe und schickt diese dem Pathologen zu. In Münsterlingen gelangt die Gewebeprobe via Rohrpost vom Operationssaal ins pathologische Institut.

Diese Untersuchung an dem in der Pathologie tiefgefrorenen Gewebe dauert je nach Komplexität der Erkrankung 20 bis 30 Minuten und liefert wichtige Informationen für den weiteren Verlauf der Operation.

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