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Dominik Diezi: «Ich will in Arbon den Graben schliessen»

Keiner traut sich, gegen ihn anzutreten: Dominik Diezi (CVP) ist der einzige Kandidat fürs Arboner Stadtpräsidium - Ein Gespräch über verlorenes Vertrauen, Chefsachen und böse Briefe.
Annina Flaig
Der 45-jährige Berufsrichter Dominik Diezi will Arbons nächster Stadtpräsident werden. Die Wahl findet am 10. Februar statt. (Bild: Donato Caspari)

Der 45-jährige Berufsrichter Dominik Diezi will Arbons nächster Stadtpräsident werden. Die Wahl findet am 10. Februar statt. (Bild: Donato Caspari)

Herr Diezi, wie viel investiert man in einen Wahlkampf ohne Gegenkandidaten?

Relativ viel. Das Amt des Stadtpräsidenten ist nichts Nebensächliches, auch wenn sich ausser mir scheinbar niemand dafür interessiert. Ich investiere viel Zeit, indem ich den Leuten Gelegenheit biete, mich persönlich kennen zu lernen.

Ihre Strategie ist aufgegangen: Sie warfen Ihren Hut früh in den Ring. Nach Ihnen traute sich dann keiner mehr.

Das war keine Strategie. Ich wurde unmittelbar nach dem Rücktritt von Andi Balg von dritter Seite als möglicher Kandidat lanciert. Ich habe mir meine Kandidatur reiflich überlegt und im Mai kommuniziert. Ich konnte nicht erst im September kommen und sagen, ich möchte unbedingt Stadtpräsident werden, musste mir dies jetzt aber zuerst ein halbes Jahr überlegen. Dass ich alleine kandidiere, war ausserhalb meines Vorstellungsvermögens. Arbon ist immerhin die drittgrösste Stadt im Thurgau...

...welche Sie wohl bald regieren. Fühlen Sie sich eigentlich schon so gut wie gewählt?

Nein, aber die Resonanz ist gut. Einige Leute sagen zwar, dass sie es schade finden, dass es nur einen Kandidaten gibt. Aber ansonsten höre ich nur Positives.

Sie haben breite Unterstützung, auch von den anderen Parteien.

Ja, das freut mich. Teilweise gibt es allerdings auch übersteigerte Erwartungshaltungen.

Von wem denn?

Von denen, die denken, man müsse jetzt einfach mal rasch die Regierung auswechseln und dann werde alles besser.

Wird es das denn nicht?

Auch die neue Exekutive besteht aus Menschen, die bloss mit Wasser kochen. Teilweise muss ich den aktuellen Stadtrat in Schutz nehmen. So schlecht, wie es dargestellt wird, hat der nicht gearbeitet.

Apropos Stadtrat. Ihr Parteikollege Luzi Schmid kandidiert ebenfalls. Wäre die CVP da nicht übervertreten?

Das ist ein Wechselspiel. Die letzten vier Jahre war der Freisinn mit zwei Sitzen vertreten. Letztlich geht es mehr um die Persönlichkeiten als ihre Parteizugehörigkeit. Luzi Schmid und ich sind auch nicht immer einer Meinung.

Sie sitzen seit drei Jahren im Grossen Rat und seit vier Jahren im Stadtparlament. Was haben Sie erreicht?

Der grösste Erfolg für Arbon war die Revision des Zentrumslastenausgleichs. Gemeinsam mit Martin Salvisberg konnte ich Regierung und Parlament für die finanziellen Herausforderungen der Zentren sensibilisieren.

Die Revision ist dieses Jahr in Kraft getreten...

...und sie hat Arbon rund eine Million Franken eingebracht. Die Revision ist aber nicht nur für Arbon, sondern auch für die anderen Zentrumsgemeinden und den Zusammenhalt innerhalb des Kantons sehr wichtig. Im Stadtparlament habe ich gemeinsam mit der gesamten Finanz- und Geschäftsprüfungskommission (FGK) dafür gesorgt, dass das defizitäre Budget 2018 zurückgewiesen worden ist. Das hat den Stadtrat auf den Boden der Realität zurückgebracht.

Sie haben bereits angetönt, dass Sie das Ressort Finanzen als Stadtpräsident unter Ihre Fittiche nehmen wollen. Können Sie zaubern?

Natürlich nicht. Aber die Finanzen sollten Chefsache sein. Ich kann mich nicht um hochtrabende Projekte kümmern, während ich Löcher in der Kasse habe und nicht weiss, wie wir diese stopfen wollen.

Wie wollen Sie die Finanzen im Griff haben?

Mittels Benchmarkt-Vergleichen mit ähnlichen Städten die Effizienz der Verwaltung überprüfen, die Digitalisierung vorantreiben, die Wiederintegration junger Sozialhilfebezüger konsequent fördern und gute Steuerzahler mittels attraktiver Arbeitsplätze und Wohnmöglichkeiten anziehen.

Sind die Finanzen eigentlich das grösste Problem?

Ich sehe da noch ein ganz anderes: die Verbesserung der politischen Kultur.

Wie meinen Sie das?

Das Vertrauen der Bevölkerung in die Arboner Politik hat gelitten. Wir brauchen dringend ein konstruktiveres Miteinander aller politischen Akteure und Interessierten.

Wo liegt denn das Problem?

Es fängt damit an, dass der Stadtrat nur bedingt ein Team ist.

Wie wollen Sie das besser machen?

Wir müssen im Stadtrat keine fünf Freunde sein. Es darf hart um politische Entscheide gerungen werden. Aber gefällte Beschlüsse müssen gegen aussen gemeinsam vertreten werden.

Auch das Verhältnis zwischen Stadtrat und Parlament scheint nicht so gut zu sein...

Ja, leider. Dabei sind die meisten Parlamentarier sehr gut vernetzt und wertvollste Botschafter für die Stadt Arbon. Die Regierung darf ihnen ruhig gut zuhören, bevor sie Entscheidungen fällt.

Ist das nicht der Fall?

Es besteht noch Luft nach oben, gerade auch, was parlamentarische Anfragen angeht. Diese sind professionell zu beantworten, ob man die Stossrichtung nun teilt oder nicht. Das ist auch eine Frage der Wertschätzung. Aber auch im Volk gibt es viele interessierte Leute, die ich je nach Thema projektbezogen einbinden möchte. Ich habe mir auch vorgenommen, Kritiker auf Facebook oder in Leserbriefen zum persönlichen Gespräch einzuladen.

Nehmen Sie sich da nicht zu viel vor?

Das kann sein. Trotzdem will ich jedem Räuchlein nachgehen, sonst mottet es. Und dann gibt es irgendwann einen Flächenbrand.

Sie wirken nicht wie ein Stadtvater, der sich gerne an Stammtische setzt oder sich unters Volk mischt. Täuscht dieser Eindruck?

Ich habe sehr gerne mit Leuten zu tun und überhaupt keine Berührungsängste. Aber ich war nie einer, der feucht-fröhlich den Kontakt sucht. Ich werde auch künftig keinen auf Festzelt machen, denn ich finde es wichtig, authentisch zu sein. Nichtsdestotrotz will ich so viel wie möglich ausserhalb des Stadthauses unterwegs sein, mit der Bevölkerung in Kontakt treten, zuhören, Wertschätzung zeigen und versuchen, Interessierte konkret in Arbeitsgruppen einzubinden.

Die meisten Stadtpräsidenten sind in den letzten Jahrzehnten nicht ganz freiwillig aus dem Amt geschieden. Auch Andreas Balg spricht offen über Anfeindungen. Wie wollen Sie diesen begegnen?

Wenn es uns gelingt, den Graben zu schliessen, wird hoffentlich weniger geschossen. Das andere ist der Umgang mit Kritik: Ich habe in meiner 13-jährigen Tätigkeit als Berufsrichter, aber auch als Kirchenpräsident schon aggressive Feedbacks erhalten. Ich lasse mir vieles gefallen, ohne es gleich persönlich zu nehmen. Ich bin da in meiner Funktion halt manchmal einfach der Blitzableiter. Mir geht es aber immer vor allem darum, eine vernünftige Gesprächsbasis zu finden. Dies gelingt, wenn man den Kern des Problems herausschälen kann. Den Telefonhörer einfach aufzuhängen oder einen bösen Brief ins Feuer zu schmeissen, sind für mich keine Optionen. Denn oft gibt es auch in der schärfsten Kritik etwas, das man annehmen kann.

Sie haben zwei Söhne im Alter von acht und elf Jahren. Ihre Frau arbeitet Vollzeit bei Novartis, Sie 60 Prozent als Berufsrichter. Als Stadtpräsident werden Sie künftig wohl mindestens 100 Prozent tätig sein. Wie geht das?

Wir sind sehr gut organisiert. Meine aktuelle Arbeitsbelastung dürfte aktuell auch mindestens 100 Prozent betragen. Im Falle einer Wahl gebe ich praktisch alles auf. Zudem arbeite ich einfach auch sehr gerne.

Dominik Diezi zu:

Altstadt: Das Projekt ist komplex. Wir sollten die Verkehrsführung abspalten. Ich glaube, das geht.

Hafendamm: Es braucht eine bessere touristische Infrastruktur anstelle der vielen Parkplätze.

Metropol-Überbauung: Ich würde das Gespräch mit HRS suchen. Es muss geklärt werden, was der aktuelle Stand ist. Vielleicht ist der besser, als viele befürchten.

Arbeitsplätze: Es braucht noch mehr. Die Stadt soll mit Mitteln aus dem Landkreditkonto Land erwerben und planerisch entwickeln, um das Gewerbe zu fördern. Wir könnten parallel zu Wohnräumen z. B. auf Coworking-Spaces für Start-ups setzen. (afl)

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