«Ich rate meinen Gästen, nicht nachts durch den Park zu laufen»: Kreuzlinger Hotelier ärgert sich über Zustände im Seeburgpark

Übervolle Abfalleimer, Lärm bis in die Nacht: Urs Raible, Chef des Hotels Kreuzlingen, findet, das Areal am Seeufer sei seit Corona schlicht überlaufen. Er fordert die Stadt auf, die Infrastruktur zu verbessern.

Martina Eggenberger
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Abfälle liegen rund um den Kübel im Seeburgpark

Abfälle liegen rund um den Kübel im Seeburgpark

(Bild: PD)
Abfall bei einem Kübel am Seeufer.

Abfall bei einem Kübel am Seeufer.

(Bild: PD)

Urs Raible hat das Bild an einem Montagmorgen geschossen. Es zeigt einen Abfallkübel, der überquillt. Zusätzlicher Müll ist rund herum deponiert, Bierflaschen stehen in Reih und Glied auf dem Boden. Solche und ähnliche Fotos hat er viele. Sie zeigen klar: Leute wollten ihren Abfall entsorgen, konnten aber nicht. Weil die Kübel zu klein sind oder zu wenig geleert werden.

Tiere machen sich das zunutze. Krähen durchsuchen die Hinterlassenschaften der Parknutzer nach Nahrung. Vielleicht wühlen auch Füchse oder Marder in den Resten. Auf manchen Aufnahmen ist der Abfall weit herum verstreut.

Chef des Hotels Kreuzlingen kritisiert Stadt

Der Chef des Hotels Kreuzlingen stört sich daran, dass die Stadt keine genügende Infrastruktur für den Seeburgpark bereitstellt.

Urs Raible Hotel Kreuzlingen

Urs Raible
Hotel Kreuzlingen

(Bild: Martina Eggenberger)
«Ja, Littering gibt es auch, zerschlagene Flaschen, liegengelassener Müll. Die meisten Parknutzer wollen sich korrekt verhalten.»

Raible beobachtet, dass sich immer mehr Leute im Seeburgpark aufhalten. Auch nachts. Die Lärmentwicklung habe massiv zugenommen. Seit der Pandemie sowieso. Es habe aber auch damit zu tun, dass die Stadt «fragwürdige Anlässe» wie Technopartys bei der Bodensee-Arena bewillige.

«Wohin gehen denn die Daydance-Besucher, wenn die Party vorbei ist? In den Seeburgpark. Zu Hunderten!
Seit Corona ist der Park
einfach überlaufen.»

Polizei musste öfters ausrücken

Schon x-mal hat der Hotelier nach eigenen Aussagen die Polizei gerufen, manchmal mehrfach in einer Nacht. Der Lärm störe seine Klientel, gibt Raible zu bedenken. Aber nicht nur. «Wir befinden uns in einem Natur- und Vogelschutzgebiet. Das ist doch nicht vereinbar mit so vielen Immissionen.»

Manchmal würden Jugendgruppen noch um fünf Uhr früh unterwegs sein. Da seien auch komische Leute dabei. Raible sagt:

«Wenn mich Gäste fragen,
dann rate ich ihnen,
nicht nachts durch den Park zu laufen.»

Es sei sicherer, nach dem Nachtessen in der Seeburg mit dem Taxi zurück ins Hotel zu fahren.

Der Stadtrat will sich dem Problem annehmen

Nebst dem Abfall und Lärm gibt es aus Sicht des Hoteliers noch ein weiteres Problem im Seeburgpark. Es hat zu wenige Parkplätze für Velos und Motorräder. Oft würden die Fahrräder einfach entlang des Velowegs abgestellt, in wilder Unordnung.

Wild parkierte Töffs beim Restaurant Alti Badi.

Wild parkierte Töffs beim Restaurant Alti Badi.

(Bild: PD)

Mit seinem Anliegen ist der Hotelchef schon an den Stadtrat gelangt. In seiner Antwort schreibt dieser, man wolle sich dem Littering-Problem annehmen. Ausserdem patrouilliere der Sicherheits­dienst vermehrt seit Corona.

Mit dieser Reaktion ist Raible allerdings nicht zufrieden. Es gehe ja eben nicht primär um Littering, sondern um die ungenügende Infrastruktur. Und auch darum, dass keine klaren Regeln herrschten.

Stadt Arbon verteilt Ordnungsbussen

Die Stadt Arbon hat auf die immer prekäreren Zustände am dortigen Seeufer reagiert und eine Areal-Ordnung in Kraft gesetzt, die zum Beispiel das Abspielen von Musik und die Abfallentsorgung klar regelt. Zudem ist in Arbon ab 22 Uhr der unbewilligte Aufenthalt am See nicht mehr zulässig. Im Juni, Juli und August darf man bis 23 Uhr draussen bleiben. Wer sich nicht an die Anordnungen hält, der zahlt eine Ordnungsbusse von 50 Franken, was offenbar Wirkung zeigt.

«Bei uns im Seeburgpark gibt es nur das Fahrverbot und die Leinenpflicht für Hunde, mehr nicht. Ich würde mir wünschen, dass man sich auch in Kreuzlingen überlegt, was im Park Sinn macht und was nicht und die unterschiedlichen Interessengruppen inklusiv Tourismus und Naturschutz an einen Tisch holt», betont der Kreuzlinger Hotel-Chef.

Stadt stellt Besserung in Aussicht

Stadtpräsident Thomas Niederberger sagt, der Kreuzlinger Stadtrat habe der Bauverwaltung bereits den Auftrag erteilt, die Kübel-Situation zu überprüfen und allenfalls grössere Behälter zu organisieren. Auch in Sachen Lärm sei man noch einmal über die Bücher gegangen und habe entschieden, in Zukunft mit gewissen Bewilligungen für Veranstaltungen im Seeburgpark zurückhaltender zu sein. Dies betreffe vor allem Rave-Partys. Für Partys bei der Bodensee-Arena sei nicht die Stadt, sondern die Bodensee-Arena zuständig, auch was die Einhaltung der Vorgaben betreffe.

Thomas Niederberger Stadtpräsident

Thomas Niederberger
Stadtpräsident

(Bild: Andrea Stalder)

Niederberger betont zudem, dass ihm mit Ausnahme von Urs Raibles Rückmeldungen keine Reklamationen wegen Lärmbelästigungen zu Ohren gekommen seien. Dem Stadtrat sei bewusst, dass das Seeufer seit Corona stärker frequentiert werde. Man habe im Stadtrat deshalb auch über eine Verschärfung der Massnahmen diskutiert, sei aber zum Schluss gekommen, dass diese nicht nötig seien.

«Ich glaube auch nicht,
dass wir im Seeburgpark
ein Sicherheitsproblem haben.»

Eine Veloabstellanlage beim Hafenplatz sei im Budget 2021 vorgesehen.

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