«Ich muss schauen, dass ich nicht verwelke»: Was Sekundarschulpräsident Beat Gähwiler und die Königskerze gemeinsam haben

Nach acht Jahren tritt Beat Gähwiler Ende Juli als Sekundarschulpräsident zurück. Eines seiner letzten Projekte sorgte für mehr Biodiversität auf dem Schulgelände.

Sabrina Bächi
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Sekundarschulpräsident Beat Gähwiler erfreut sich ab seinem letzen Projekt: Mehr Biodiversität auf dem Schulgelände.

Sekundarschulpräsident Beat Gähwiler erfreut sich ab seinem letzen Projekt: Mehr Biodiversität auf dem Schulgelände.

Bild: Andrea Stalder (Weinfelden, 23. Juni 2020)

Wenn man so will, dreht sich bei Beat Gähwiler alles um Blumen. Im eigenen Garten, als Berufsberater, als Sekundarschulpräsident und nicht zuletzt bei sich selbst. Wäre er eine Blume, dann wohl die Königskerze. «Nicht weil ich ein König sein möchte», sagt er. «Oder wenn, dann ein dienender König», ergänzt Gähwiler nach kurzem Überlegen.

Blumen auf der neuen Ökofläche

Blumen auf der neuen Ökofläche

Bild: Mario Testa

Vielmehr fasziniert ihn, dass die Pflanze in die Höhe wächst und mit ihren unzähligen Blüten den Insekten Nahrung bietet. Die Königskerze ist eine filigrane Blume mit vielen gelben Blüten, die einen noch geschlossen, die anderen in voller Pracht und wieder andere bereits verwelkt.

Analog zum Leben Gähwilers. Der grossgewachsene, schlanke Mann hat einige Blüten in seinem Leben. Einige sind noch Knospen, andere blühen und wiederum andere verwelken. Wie etwa das Sekundarschulpräsidium, welches er nach acht Jahren Ende Juli an seinen designierten Nachfolger Thomas Wieland übergeben wird.

Hohe Autonomie und Wertschätzung

Rund um die Turnhalle blühen Blumen.

Rund um die Turnhalle blühen Blumen.

Bild: Mario Testa

«Es war mir während dieser Zeit immer wichtig, die Rahmenbedingungen zu schaffen, dass die Schüler gedeihen, die Lehrer blühen und die Behörde wachsen kann», sagt er. Hohe Autonomie gewähren und Wertschätzung geben. Diese beiden Punkte waren ihm von Anfang an sehr wichtig.

«Es gab auch schwierige Situationen», sagt er. In einer Schule mit rund 500 Schülern, Lehrern und Eltern sei das Konfliktpotenzial gross. «Für mein Amt als Sekundarschulpräsident habe ich mir vorgenommen, gelassen zu bleiben – auch in schwierigen Situationen.» Er hoffe, das sei ihm gelungen. Er selbst findet, dass er heute gelassener ist, als vor acht Jahren und dass er besser mit Herausforderungen umgehen kann.

Auch violett blüht es zwischen den Steinsplitter, die für bessere Wasseraufnahme bei trockenem Boden sorgen.

Auch violett blüht es zwischen den Steinsplitter, die für bessere Wasseraufnahme bei trockenem Boden sorgen.

Bild: Mario Testa

Viel Wissen, das zusammenkommt

Das sei nicht zuletzt der guten Zusammenarbeit in der Behörde geschuldet. «Ich darf mit Freude feststellen, dass die Mitglieder immer mehr in ihre Ämtli hineinwuchsen und mit viel Initiative und Motivation ihren Aufgaben nachgingen», sagt der 58-Jährige. Die grosse Behörde mit elf Mitgliedern empfand er als Bereicherung. «Weil so viel Wissen zusammenkommt.»

Beim Thomas-Bornhauser-Schulhaus sind neue Ökoflächen entstanden

Beim Thomas-Bornhauser-Schulhaus sind neue Ökoflächen entstanden

Bild: Mario Testa

Weiter hat er die Zusammenarbeit aller Sekundarschulgemeinden im Bezirk gefördert und immer wieder Projekte angestossen. Wie etwa die Biodiversität an den Schulstandorten zu fördern (siehe Kasten). «Mein Fazit zu dieser Zeit: Es ist eine gelungene Sache und ich habe mich gefreut, dieses Amt auszuüben», sagt er.

«Ich muss auch zu mir selber schauen»

Die Sekundarschule Weinfelden sei eine gute Schule, mit guten Rahmenbedingungen für alle Schüler. Auch die Lehrer würden einen sehr guten Job machen. Für ihn sei es deshalb der richtige Zeitpunkt aufzuhören. «Es herrscht Kontinuität in der Behörde, das ist wichtig.» Aber immer so viel zu arbeiten, sei ermüdend.

«Ich bin achtsam mit mir selbst und muss auch schauen, dass ich nicht verwelke,»

Den Dünger, damit Weiteres erblühen kann, hat er sich selbst gelegt. In seinem Garten. Und: «Ich geniesse die Zeit mit meinen Enkelkindern irrsinnig.» Des Weiteren freue er sich auch, seine Berufs- und Lebensberatung wieder in den Fokus zu rücken. «Gerade in der Coronazeit kamen sehr viele Menschen zu mir, weil sie merkten, dass es so nicht weiter gehen kann.»

Tobias Neubauer, Landschaftsgärtner.

Tobias Neubauer, Landschaftsgärtner.

Bild: Andrea Stalder

Das Leben sei halt Wandel und Veränderung. Darum sei es auch so wichtig, dass die Rahmenbedingungen stimmen, damit man aufblühen kann.

Mehr Biodiversität auf dem Schulhof

Was einst grün war, blüht heute in gelb, weiss und violett

«Ich habe es in der Behörde vorgeschlagen und alle waren sofort dafür.» Beat Gähwiler beschreibt den Werdegang seines Biodiversitäts-Vorhaben. Er zeichnet sich dafür verantwortlich, dass im vergangenen Jahr alle drei Schulstandorte auf ihre Potenzial für Biodiversität überprüft und – wo nötig – aufgerüstet wurden. So entstanden vor allem beim Thomas-Bornhauser-Schulhaus rund um die neue Turnhalle grosse Flächen mit einheimischen Pflanzen. Tobias Neubauer, Landschaftsgärtner der gleichnamigen Firma, hat mit seinem Team mehrere Flächen von grünem Gras und Bodendecker zu Oasen für Insekten und Vögel verwandelt. «Solche Wiesen auf öffentlichen Anlagen tragen zur allgemeinen Akzeptanz der Biodiversität bei», sagt er. (sba)