Interview

«Ich lebe seit 24 Jahren für die Gemeinde»: Markus Thalmann kündigt seinen Rücktritt als Tägerwiler Gemeindepräsident an.

Seit 1995 ist der ehemalige Lehrer Markus Thalmann Gemeindepräsident von Tägerwilen. Damit ist er das am längsten amtierende Oberhaupt einer Thurgauer Gemeinde. Kurz vor seinem 62. Geburtstag am Mittwoch hat er  an der Gemeindeversammlung bekanntgegeben, wann er die Geschicke des Dorfes in neue Hände geben wird.

Urs Brüschweiler
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Am 31. Juli 2021 packt Markus Thalmann seine sieben Sachen und verlässt die Gemeindeverwaltung.

Am 31. Juli 2021 packt Markus Thalmann seine sieben Sachen und verlässt die Gemeindeverwaltung. 

 Reto Martin

Am 31. Juli 2021 wollen Sie aufhören. Das Pensionsalter haben Sie dann aber noch nicht erreicht.

Markus Thalmann: Länger als bis 65 zu arbeiten, war für mich nie ein Ziel. Der Zeitpunkt ist für mich richtig. Erstens, weil ich schon sehr lange im Amt bin und zweitens, weil ich viele Pläne habe für die Zeit danach.

Jetzt sind Sie aber noch anderthalb Jahre im Amt. Haben Sie keine Angst, nun als «Lame Duck» zu gelten?

(lacht) Nein, da mache ich mir überhaupt keine Gedanken. Ich werde, wenn es die Gesundheit erlaubt, bis zum Ende Vollgas geben. Ich wollte meinen Abgang frühzeitig kommunizieren, damit in aller Ruhe meine Nachfolge gesucht werden kann.

«Die Gemeinde mit Zukunft» ist Tägerwilens Slogan. Diese Zukunft ist jetzt eher ungewiss, ohne den Fels in der Brandung.

Das macht mir überhaupt kein Bauchweh. Ich verspreche, dass ich eine geordnete Übergabe machen werde. Die Arbeit im Gemeinderat ist zwar nie fertig, aber viele wichtige Themen sind erledigt, unter Dach und Fach oder aufgegleist.

Markus Thalmann.

Markus Thalmann.

Reto Martin

Es wird aber schwierig sein, jemanden zu finden, der in Ihre Fussstapfen passt.

Es muss keinen zweiten Thalmann geben. Tägerwilen ist gut aufgestellt. Der Gemeinderat hat den Generationenwechsel vollzogen und die Neuen sind gut gestartet. Wir haben eine äusserst konstante Personalsituation in der Verwaltung. Ich bin überzeugt, dass es gute und interessante Kandidaturen geben wird. Aber darum kümmere ich mich nicht. Die Nachfolgesuche überlasse ich anderen. Ich werde danach auch hundertprozentig nicht rein reden.

Wie schafft man es, so lange im Amt zu bleiben? Am Ende werden es über 26 Jahre sein.

Es ist ein riesen Glück, dass man so lange Freude hat an der Arbeit. Dieser Beruf ist meine Berufung. Ich gehe jeden Tag gern und motiviert zur Arbeit.

Obwohl Sie nicht um klare Worte verlegen sind, hatte man nie das Gefühl, dass man im Dorf findet: «Jetzt chönnt er denn öppe go!»

Das hat wirklich noch keiner zu mir gesagt. Meine klare Art wird geschätzt. Ich war von A bis Z authentisch. Das ist das Erfolgsrezept. Aber man sieht auch das enorme Engagement dahinter.

Was sind denn Ihre Pläne für die Zeit danach?

Ich werde mich vermehrt ehrenamtlich engagieren. Ich freue mich auf viel Zeit für die Familie und insbesondere für meine kleine Enkelin. Ich möchte Cello-Unterricht nehmen, wieder in einem Chor singen und auch viel reisen. Langweilig wird mir sicher nicht.

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