Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Interview

Der Romanshorner Stadtpräsident David H. Bon im Schluss-Interview: «Ich hatte acht Jahre Abenteuer»

Stadtpräsident David H. Bon musste am Freitag sein Büro im Gemeindehaus räumen. Zuerst wird er jetzt einmal ausschlafen. Und versuchen, den Kopf frei zu bekommen.
Markus Schoch
David H. Bon auf dem Balkon des Gemeindehauses mit Blick auf die Bahnhofstrasse (Bild: Donato Caspari)

David H. Bon auf dem Balkon des Gemeindehauses mit Blick auf die Bahnhofstrasse (Bild: Donato Caspari)

Wie geht es Ihnen?

David H. Bon: Gut. Ich hege gegen niemanden einen Groll.

Fällt es Ihnen leicht, loszu­lassen?

Ja, bis jetzt schon. Das klare Ergebnis meiner Abwahl hilft mir.

Momente der Wehmut gibt es nicht?

Punktuell, vielleicht kommt das erst später. Ich nehme im Moment jeden Tag, wie er kommt. So war ich beispielsweise als Guide mit den Helfern des Museums auf einer Hafenrundfahrt. In solchen Momenten wird mir schon immer wieder bewusst, wie spannend und faszinierend Romanshorn mit seinen Fragestellungen für mich nach wie vor ist. Der Job war wie zugeschnitten auf mich. Ich bin ein Generalist und interessiere mich für fast alles.

Sie müssen sich auch von vielen Menschen verabschieden, mit denen Sie in den letzten acht Jahren beruflich zu tun hatten. Tut das nicht weh?

Doch, auf jeden Fall. Zu kurz haben werde ich sicher die Geburtstagsbesuche. Ich habe dabei jeweils unglaublich viel über Romanshorn erfahren und gelernt. Es war ein riesiges Privileg. Vermissen werde ich sicher auch die Mitarbeiter auf der Verwaltung und die Geschäftsleitung, die super funktioniert. Seit einem Jahr spüre ich jetzt den Hebel, es läuft wirklich gut.

Nicht überall, die Bauverwaltung ist eine Baustelle. Der Stadtrat hat kürzlich einstimmig entschieden, sich vom Bauverwalter zu trennen.

Das ist richtig. Die Probleme sind aber nicht neu, sondern bestehen seit Jahren. Man hätte viel früher reagieren und unpopuläre Personalentscheide treffen müssen. Ich habe auch darauf gedrängt. Man hat das damals aber nicht gewollt. Was nachher passierte, sind alles nur Kollateralschäden. Aber so läuft es halt manchmal in der Politik. Dass wir jetzt die Karten auf den Tisch gelegt haben, passierte in Absprache mit meinem Nachfolger Roger Martin, der es begrüsste, dass wir für ihn die Kohlen aus dem Feuer holen. Wir wollen in allen Bereichen auf möglichst klare Situationen hinarbeiten und Transparenz schaffen. Wichtig war mir, eine gute Interimslösung zu haben, was mir gelungen ist.

Sie werden sich nicht weiter damit herumschlagen müssen. Gibt es anderes, was Sie nicht vermissen werden?

Ja, eine öffentliche Person zu sein. Ich war immer der Stadtpräsident, egal wo ich war. Und ich bin auch immer mit der Brille des Stadtpräsidenten durch Romanshorn gelaufen, und nicht als Privatperson David H. Bon. Wenn ich im Gemeindehafen aufs Boot ging, war das auch mein Arbeitsplatz. Ich habe es aber nie als Belastung empfunden, im Coop oder auf der Hafenpromenade von jemandem angesprochen zu werden und mit der betreffenden Person zu diskutieren. Ich habe solche Begegnungen im Gegenteil als Bereicherung empfunden. Ich hätte es gerne gehabt, wenn noch mehr Menschen direkt auf mich zugekommen wären.

Sie sind nur noch wenige Tage im Amt. Was gibt es noch zu tun?

Ich bin immer noch intensiv daran, die Übergabe möglichst sauber vorzubereiten, sodass mein Nachfolger und die neuen Stadträte einen möglichst leichten Einstieg ins Amt haben, was mir wichtig ist und mir ein gutes Gefühl gibt. Es gibt noch genug Herausforderungen, wenn sie im Amt sind. Mit Roger Martin habe ich mich wiederholt getroffen, um mit ihm das eine oder andere anzuschauen. Wir arbeiten bis zum Schluss.

Sie waren Lehrer und Lastwagenchauffeur, Sie waren für Hewlett Packard im Krisen- und Operationsmanagement tätig und Sie waren acht Jahre lang Stadtpräsident von Romanshorn. Was kommt als Nächstes?

Ich werde ausschlafen.

Und wenn Sie ausgeschlafen sind?

Dann werde ich sicher auch wieder vermehrt aufs Segelboot gehen, wozu ich zuletzt kaum mehr Zeit fand. Und ich werde eine neue Aufgabe suchen. Ich arbeite gerne und habe keine Lust, eine lange Auszeit zu nehmen. Ich muss jetzt nicht Bungee-Jumping machen und brauche auch keine Abenteuerferien. Ich benötige jetzt eher ein bisschen Ruhe.

Sie sind vor zwei Monaten abgewählt worden und haben sich bis jetzt nicht um Ihre berufliche Zukunft gekümmert?

Ein bisschen. Ich schaue selbstverständlich den Stellenanzeiger an und habe mich auch schon an einem Ort vorgestellt. Es wäre für mich aber alles viel zu schnell gegangen. Ich muss zuerst einmal wissen, wo ich stehe und was ich genau will. Im Moment bin ich immer noch Stadtpräsident von Romanshorn und habe den Kopf noch nicht frei, obwohl ich emotional bereits ein Stück weit auf Distanz gegangen bin. Aber Stadt- oder Gemeindepräsident zu sein, ist ein Lifestyle. Es ist kein Nine-to-five-Job, zumindest nicht für mich. Am letzten Sonntag sass ich um 6.45 Uhr im Büro, um Zwischenzeugnisse zu schreiben, aufzuräumen und anderes mehr. Ich führe sogar noch intensive Landverhandlungen, die viel Zeit beanspruchen.

Worum geht es?

Das kann ich nicht sagen. Aber wenn wir zu einem Abschluss kommen, wäre das für Romanshorn eine grosse Sache.

Zurück zu Ihrer Zukunft: Bereitet Ihnen die Stellensuche Bauchweh?

Ich nehme die Herausforderung sehr ernst. Ich bin 52 Jahre alt. Niemand wartet auf mich, auch wenn mir alle sagen, um dich mache ich mir keine Sorgen. Aber je öfter ich das höre, desto mehr Sorgen mache ich mir (lacht). Nein, im Ernst, ich bin sehr zuversichtlich, ich habe in meinem Leben schon diverse solcher Umbruchsituationen erlebt. Die Wahl im 2011 war ja auch so eine. Romanshorn scheint ein schwieriges Pflaster für Politiker zu sein.

Ihr Vorgänger Norbert Senn wurde nach vier Jahren abgewählt, Sie selber müssen nach acht Jahren gehen. Wo liegt das Problem?

Die reaktionären Kreise haben in Romanshorn traditionell einen grossen Einfluss. Sie sind in allen Gesellschaftsschichten zu finden. Kommt Aufbruchstimmung auf, wird sie von ihnen im Keim erstickt.

Es gibt Leute, die zuletzt kein gutes Haar an Ihnen gelassen haben und jetzt plötzlich öffentlich erklären, David H. Bon habe nicht alles falsch gemacht – was schon fast ein Kompliment ist. Wie kommt das bei Ihnen an?

Dazu will ich nichts sagen.

Die von Ihnen eingeleitete Stadtentwicklung wird in der Fachwelt als beispielhaft gelobt. Die Romanshorner erleben sie zum Teil als weltfremd, was mit ein Grund für Ihre Abwahl gewesen sein dürfte. Was würden Sie anders machen, wenn Sie nochmals von vorne beginnen könnten?

Die Stadtentwicklung aufzubauen, war eines meiner Wahlversprechen. Nach der Anstellung von Nina Stieger war das innerhalb von zwei Jahren geschafft. Das Problem war dann, dass man uns vorgeworfen hat, es gebe nur eine Doktrin, was grundfalsch ist.

Warum?

Wir und alle am Prozess beteiligten Büros waren jederzeit offen für bessere Ideen. Wir haben nie gesagt, dieses ist richtig und jenes ist falsch. Ich habe viele Führungen gemacht und nie versucht, die Teilnehmer von irgendetwas zu überzeugen. Mir ging es immer darum, den Menschen die Augen zu öffnen und ergebnisoffen in den Dialog zu treten. Aber ich will nicht bestreiten, dass wir auch Fehler in der Kommunikation und in Verfahrensfragen gemacht haben, beispielsweise in der Verkehrsplanung. Und wir haben teilweise vielleicht einfach nicht richtig hingehört. Erstaunlich ist dann aber wieder, dass es nach all der Kritik an der Stadt keine einzige Einsprache zur Verkehrsanordnung auf der Alleestrasse gab. Ich bin mir nicht sicher, ob die Stadtentwicklung einfach als Blitzableiter herhalten musste. Sie bot sich vielleicht deshalb an, weil die Stadtentwicklung einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt, was anstrengend ist. Am Schluss wollte man uns vielleicht auch einfach nicht mehr verstehen. Ich finde, es ist aber zu früh zu sagen, die Stadtentwicklung sei gescheitert.

Woran lag es dann?

Ich kann es noch nicht sagen. Sicher nicht von Vorteil war, dass in der zweiten Legislaturperiode eine stringente und koordinierte Kommunikation nicht mehr möglich war. Es war mir nicht mehr erlaubt, unsere Projekte in einem Gesamtzusammenhang zu erklären.

War die schlechte Kommunikation der grösste Fehler?

Ich sehe keinen grössten Fehler. Es ist alles auch eine Frage der subjektiven Wahrnehmung. Was für den einen toll ist, findet der andere daneben. Aber wenn uns die Bürger nicht verstehen, dann müssen wir demütig sein und es besser erklären.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.