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Interview

«Ich hadere nicht mit der Situation»:
Der Bottighofer Schulpräsident tritt ab

Michael Thurau gibt Ende Juli seine Schulämter in Bottighofen und Kreuzlingen ab. Trotz schwieriger Zeiten, geht er nicht im Groll.
Urs Brüschweiler
Michael Thurau erholt sich auf seinem Segelboot auf dem Bodensee. (Bild: Reto Martin)

Michael Thurau erholt sich auf seinem Segelboot auf dem Bodensee. (Bild: Reto Martin)

Sind Sie froh, dass der Untersuchungsbericht zum Rücktritt von René Zweifel noch vor Ihrem Austritt veröffentlicht wurde?

Michael Thurau: Ja, ich denke die Geschichte kann so für alle abgeschlossen werden und man kann wieder nach vorne schauen. Es hätte mich gewurmt, wenn das nicht noch vor den Sommerferien erledigt worden wäre.

Das Ergebnis scheint für Sie ein guter Abschluss zu sein. Sie können gehen, nachdem reiner Tisch gemacht wurde.

Obwohl für uns von Anfang an klar war, dass nichts Schwerwiegendes dabei heraus kommen wird, sehen wir uns – und auch ich mich – damit rehabilitiert. Ich habe immer ein reines Gewissen gehabt. Wir haben sicher nicht alles richtig gemacht, aber auch nichts völlig falsch.

Die letzten knapp zwei Jahre, in welchen sie als Vizepräsident der Sekundarschule die Führung übernehmen mussten, müssen sehr intensiv gewesen sein für Sie.

Es war vor allem zeitlich eine enorme Belastung für mich. Ich habe 70 bis 80 Stunden pro Woche gearbeitet. Psychisch war ich nicht am Anschlag, ich stand nie vor einem Burn-Out. Ich hatte auch keine schlaflosen Nächte, so bin ich nicht.

Michael Thurau, Markus Blättler und Christoph Tobler bei der Vorstellung des Untersuchungsberichts am 25. Juni 2019. (Bild: Donato Caspari)

Michael Thurau, Markus Blättler und Christoph Tobler bei der Vorstellung des Untersuchungsberichts am 25. Juni 2019. (Bild: Donato Caspari)

Für diesen Effort haben Sie dann aber vor allem viel Kritik geerntet. Wie geht man damit um?

Bis zur Abstimmung über das Hallenbad erhielten wir auch viel Zuspruch. Es gab viele Schulterklopfer für die Arbeit der Behörde. Nach unserer Rücktrittsforderung an die Adresse von René Zweifel war aber klar, dass wir es damit nicht mehr allen recht machen können. Aber ich hege deswegen heute keine negativen Gefühle.

10 Jahre in der Schulbehörde Bottighofen

Jahre in der Behörde Michael Thurau ist 54 Jahre alt, und alleinerziehender Vater zweier Kinder. In seinem Treuhandbüro in Tägerwilen beschäftigt er sechs Mitarbeitende. Seit 2009 ist der FDP-Mann Mitglied der Primarschulbehörde in Bottighofen, seit 2012 deren Präsident. Als solcher sitzt er von Amtes wegen auch in der Sekundarschulbehörde Kreuzlingen, 2017 übernahm er dort das Vizepräsidium. Kurz darauf fiel Schulpräsident René Zweifel krankheitsbedingt aus. Im Sommer 2018 begann mit der Rücktrittsforderung der Behörde an den wiedergenesenen Präsidenten die Affäre, die in Zweifels Rücktritt mündete. 2018 bewarb sich Thurau als Gemeindepräsident von Bottighofen, er wurde aber nicht gewählt. Im Zuge der Kandidatur gab er auch seinen Rücktritt als Schulpräsident per Ende Juli 2019 bekannt.

Dachten Sie zwischendurch auch mal daran, den Bettel hinzuschmeissen?

Nein, so bin ich nicht. Ich laufe nicht davon in schwierigen Situationen. Ich hatte das Amt übernommen und damit war klar, dass ich in die Hosen steigen musste. Die Behörde stand damals vor der Frage, machen wir nur das zwingend Notwendige oder packen wir die Geschichte richtig an, auch wenn es heikel wird.

Aber jetzt haben Sie genug von der Lokalpolitik?

Nicht genug, aber ich bin schon froh, wieder mehr Zeit zu haben für meine Kinder. Sie kamen wirklich zu kurz. Und auch in meinem Unternehmen musste ich einiges zurückstellen. Zeit für mich gab es in den letzten zwei Jahren sowieso keine.

Wie erholen Sie sich nach einer solchen Phase?

Ich habe zuletzt viel geschlafen auch an den Wochenenden. (lacht) Aber ich brauche nicht lange bis ich mich erholt habe. Ehrlich gesagt bin ich nach dem Wegfall dieser Aufgaben sogar in ein kleines Loch gefallen. Die Motivation ist aber wieder da.

Die beiden Vizepräsidenten Markus Blättler (Primarschule) und Michael Thurau (Sekundarschule) bei der Amtsübergabe an die neue Schulpräsidentin Seraina Perini am 2. Mai 2019. (Bild: Andrea Stalder)

Die beiden Vizepräsidenten Markus Blättler (Primarschule) und Michael Thurau (Sekundarschule) bei der Amtsübergabe an die neue Schulpräsidentin Seraina Perini am 2. Mai 2019. (Bild: Andrea Stalder)

Fanden Sie es ungerecht, dass die Kritik an der Schulbehörde oft an Ihrer Person festgemacht wurde?

Nein, ich hege keinen Groll. Auch wenn eine Behörde immer aus mehreren Personen besteht, muss halt jemand hinstehen und die Entscheide vertreten. Das gehört zur Aufgabe.

Warum mussten ausgerechnet Sie den Kopf hinhalten?

Es war Usus, dass nach der Vakanz in der Sekundarschule ein Vertreter der Aussengemeinden das Vizepräsidium übernimmt, weil man da eben Führungserfahrung mitbringt. Eine der Hauptaufgaben ist auch die Vertretung nach Aussen. Natürlich rechnet man nicht mit so etwas, wie dem Ausfall des vollamtlichen Präsidenten. Mein Vorgänger Gregor Keller hatte in 20 Jahren als Vizepräsident eine einzige Sitzung leiten müssen. Aber wir haben auch grosses Glück gehabt, dass ich und Markus Blättler, der Vizepräsident der Primarschule, uns sehr gut verstanden, ergänzten und genügend Ressourcen freischaufeln konnten.

Hat Sie diese ganze Geschichte letztlich um das Amt als Bottighofer Gemeindepräsident gebracht?

Die negative Berichterstattung um die Schule Kreuzlingen war sicher nicht förderlich für meinen Wahlkampf.

Rennen um das Bottighofer Gemeindepräsidium: Matthias Hofmann (der spätere Wahlsieger), Beat Müller und Michael Thurau am 25. November 2018. (Bild: Reto Martin)

Rennen um das Bottighofer Gemeindepräsidium: Matthias Hofmann (der spätere Wahlsieger), Beat Müller und Michael Thurau am 25. November 2018. (Bild: Reto Martin)

Hadern Sie mit dieser Situation?

Ich hätte dieses Amt gerne übernommen und mich weiter für das Dorf eingesetzt, keine Frage. Aber nein, ich hadere nicht. Ich geniesse jetzt, dass ich freie Zeit und mehr Ressourcen habe.

Können Sie die Bottighofer Primarschule in einem gutem Zustand an Ihren Nachfolger übergeben?

Ja, Dario My erhält eine Schule in sehr gutem Zustand. Die finanzielle Situation ist anspruchsvoll, aber wir haben es im Griff. Aber es geht ja nicht nur ums Geld, sondern darum, zufriedene Mitarbeiter und Schüler zu haben.

Mit den Schulleitern hatten Sie in Bottighofen aber auch das eine oder andere Mal ein Personalproblem.

Wir haben auch hier immer als Behörde entschieden, wenn es notwendig war, etwas zu entscheiden. Und auch hier brauchte es halt jemanden, der hinsteht.

Was nehmen Sie mit aus zehn Jahren Behördentätigkeit?

Ich habe sehr viele gute Erfahrungen gemacht, viel gelernt und die Zeit genossen. Auch viele gute Freundschaften konnte ich schliessen. Wo ein Türlein zugeht, geht immer auch eines auf. Ich bin gespannt, wo es mich in Zukunft hinführt. Ich fände es schön, wenn ich – nach einer Pause – vielleicht wieder einmal ein Amt übernehmen darf. Ich denke, Leute mit meinen Fähigkeiten und meiner Einsatzbereitschaft werden gebraucht. Andere gehen in Vereine oder in den Ausgang, ich mag eben Exekutivarbeit. Was schon klar ist, dass ich sicher wieder für die FDP für den Kantonsrat kandidieren werde.

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