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«Ich habe schon als kleines Kind auf Steinen rumgeklopft»

Als Steinbildhauer arbeitet Denis Jäggi mit Techniken, die sich über Jahrhunderte nicht grundlegend verändert haben. Die Modernisierung macht aber auch vor diesem Beruf nicht halt. Ein Einblick in den Arbeitsalltag des 26-jährigen Amriswilers, der seit kurzem seinen Lehrabschluss in der Tasche hat.
Patrick Baumann
Steinbildhauer Denis Jäggi (Bild: Mareycke Frehner)

Steinbildhauer Denis Jäggi (Bild: Mareycke Frehner)

Grabsteine, Grabplatten, Brunnen, Denkmäler, Figuren und Reliefs: Steinbildhauer entwerfen und gestalten eine Vielzahl unterschiedlicher Objekte. Im Vordergrund steht dabei immer das künstlerische Gestalten. Lehrstellen für Steinbildhauer gibt es nicht sehr viele. In der Ostschweiz haben dieses Jahr nur vier Personen eine Ausbildung zum Steinbildhauer abgeschlossen. Denis Jäggi ist einer von ihnen und sehr zufrieden mit seiner Wahl. «Mir hat die Arbeit jeden Tag sehr viel Freude bereitet. Langweilig ist mir nie geworden. Besonders gut gefällt mir, dass kein Tag wie der andere ist», sagt der 26-jährige Amriswiler. Vor seiner Ausbildung zum Steinbildhauer hat Jäggi bereits eine Lehre als Polygraf gemacht. «Für mich war aber von Anfang an klar, dass ich Steinbildhauer werden möchte. Ich habe schon als kleines Kind hinter dem Haus auf Steinen rumgeklopft.» Denis Jäggi hat seine Ausbildung im Bildhaueratelier von Roman Brunschwiler in Gossau absolviert. Für Jäggi ein absoluter Glücksfall. «Als ich mich um die Lehrstelle beworben habe, rechnete ich nicht damit, dass es klappen würde. Umso schöner war es, als ich dann die Zusage bekommen habe.»

Arbeit mit Hammer und Meissel

Die Arbeit von Denis Jäggi ist stark von den Aufträgen abhängig. «Im Atelier Brunschwiler erhalten wir vor allem Anfragen für Grabsteine und Grabmäler», sagt er. Bei solchen Auftragsarbeiten ist es besonders wichtig, möglichst auf alle Kundenwünsche einzugehen.

Die Arbeit von Jäggi beginnt üblicherweise mit Stift und Papier. «Zuerst erstellen wir unter Einbezug der Kundenwünsche eine Skizze des gewünschten Objekts. Gerade bei Grabsteinen und Grabmälern ist es mir wichtig, dass das fertige Objekt zum Verstorbenen passt.» Ausgehend von den Skizzen erstellt Jäggi die Werkzeichnung und oft auch ein Modell aus Gips, welches dem Kunden nochmals gezeigt wird. Die Vorlage kann beispielsweise mit dem Punktiergerät oder Messzirkel im Stein umgesetzt werden. Für die Grobbearbeitung des Steins setzen Steinbildhauer dann moderne Maschinen ein. Die zugeschnittenen Blöcke können aber wieder mit traditionellen Werkzeugen wie Hammer und Meissel bearbeitet werden. Für Denis Jäggi ist das der schönste Teil des Prozesses. «Hier kann man sich wirklich in der Arbeit verlieren und merkt gar nicht, wie die Stunden verfliegen.» In diesem Stadium ist aber auch besonders viel Sorgfalt geboten, denn Fehler verzeiht der Stein keine. «Mir sind zum Glück bis jetzt noch fast keine groben Schnitzer unterlaufen, und im Notfall gäbe es auch noch einen Klebstoff, mit dem man den Stein reparieren kann.» Dieser funktioniere allerdings nicht bei alle Gesteinsarten.

(Bild: Mareycke Frehner)
(Bild: Mareycke Frehner)
(Bild: Mareycke Frehner)
(Bild: Mareycke Frehner)
(Bild: Mareycke Frehner)
(Bild: Mareycke Frehner)
(Bild: Mareycke Frehner)
7 Bilder

Steinbildhauer Denis Jäggi bei der Arbeit

«Vieles an diesem Beruf ist lernbar»

Die Ausbildung zum Steinbildhauer dauert vier Jahre. Der Unterrichtet findet an der GBS in St.Gallen satt. «Die schulische Ausbildung ist eher praxisorientiert. Deshalb haben mir auch die Tage in der Schule viel Spass gemacht», sagt Jäggi. Die Auszubildenden werden beispielsweise in Stilkunde unterrichtet, lernen Modelle aus verschiedenen Materialien herzustellen oder befassen sich mit unterschiedlichen Schriftarten, beispielsweise für Gravuren. «Voraussetzung für eine Lehre als Steinbildhauer ist sicher viel Durchhaltevermögen. Ausserdem sollte man Geduld mitbringen.» Handwerkliches Geschick, ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen, gestalterische Begabung und Kreativität seien ebenfalls nützliche Eigenschaften. Aber auch hier gelte wie in den meisten Berufen: Vieles ist lernbar.

Stellensuche nicht immer einfach

Die Stellensuche als ausgebildeter Steinbildhauer gestaltet sich oft schwierig. Das liegt daran, dass die Nachfrage nach handgefertigten Steinen seit Jahren rückläufig ist. Grabsteine beispielsweise seien nicht mehr so gefragt, weil es weniger Erdbestattungen gebe. «Ausserdem können Grabsteine und Grabmale auch industriell gefertigt werden. Da können kleine Betriebe beim Preis nicht mehr mithalten. Dementsprechend gibt es weniger Stellen in diesen Betrieben, in denen noch in Handarbeit gefertigt wird», sagt Jäggi. «Viele spielen deshalb auch mit dem Gedanken, sich selbstständig zu machen.»

Denis Jäggi hat nach langer Suche eine Festanstellung in der Kunstgiesserei Hutter in Amriswil gefunden. «Das war ein ziemlicher Glücksfall. Ich habe mich eigentlich schon damit abgefunden, dass ich etwas in einem ganz anderen Bereich machen muss. Bei der Kunstgiesserei habe ich mich einfach mal persönlich vorgestellt und die Stelle prompt bekommen. Ich bin sehr froh, dass ich weiter im künstlerischen Bereich tätig sein kann.» Langfristig kann sich Jäggi einen eigenen Betrieb vorstellen, konkrete Pläne dazu hat er aber noch nicht. Zuerst wolle er sicher noch eine grössere Reise machen. «Dann schauen wir mal, was kommt.»

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