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«Ich habe den schönsten Beruf, den es gibt», sagt der Hauptwiler Landwirt Werner Schiess

Morgens um 5.30 Uhr: 45 Kühe warten darauf, dass Werner Schiess sie melkt. Ehefrau Gaby wässert den Garten des Sonnenhofs, welcher in der Früh in ein goldenes Licht getaucht ist. 2003 ist die Familie hierher gezogen.
Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
Reto, Gaby und Werner Eigenmann stehen mit ihrem Hofhund, dem Border Collie Odine, in der Scheune bei den Kühen. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Reto, Gaby und Werner Eigenmann stehen mit ihrem Hofhund, dem Border Collie Odine, in der Scheune bei den Kühen. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Der Sonnenhof, der an diesem frühen Sommermorgen seinem Namen mehr als gerecht wird, bietet einen herrlichen Weitblick auf das Alpsteinmassiv mit dem schneebedeckten Säntisgipfel. Die Sonne schickt ihre ersten Strahlen durch den dunklen Wald und versetzt die Bilderbuchlandschaft in ein goldenes Licht. Hier oben zwischen Hauptwil und dem Bischofberg führen Werner und Gaby Schiess ihren Landwirtschaftsbetrieb.

Hofhund Odine springt schwanzwedelnd daher. Der Border Collie, bekannt als Arbeits- und Hütehund, rennt zum Kuhstall. Dort hat Werner Schiess soeben mit dem Melken seiner Kühe begonnen. Die Tiere verbrachten die Nacht draussen auf der Weide und sind in der Früh heim in den Laufstall gekommen.

In der Silage ist auch Biertreber

«Momentan melken wir 45 Kühe. 15 weitere Tiere sind draussen auf der Wiese, es sind Galtkühe», sagt Landwirt Werner Schiess. Galtkühe geben keine Milch – es sind Kühe, die durch Trächtigkeit trockengestellt sind und aufs Abkalben warten. «Eine Milchkuh gibt täglich im Durchschnitt etwa 25 Liter Milch.» Die Milch werde jeden zweiten Tag mit dem Lastwagen der Milchhandelsorganisation «Mooh», der etwa 3900 Milchbauern angeschlossen sind, abgeholt, erklärt Werner Schiess. Bis dahin werde die frisch gemolkene Milch im Kühltank bei vier Grad aufbewahrt.

Sohn Reto ist mit der Fütterung der Milchkühe beschäftigt. Mit dem Traktor gibt er das Silofutter in den Fütterungswagen und bringt es anschliessend den Tieren in die Scheune. Die Silage besteht aus Gras, Mais, Zuckerrübenschnitzel sowie Kartoffeln und Biertreber. Diese Futterkomponenten decken den täglichen Bedarf an Nährstoffen.

Seit 15 Jahren auf dem Sonnenhof

Werner Schiess erzählt, dass er früher den elterlichen Landwirtschaftsbetrieb beim Hauptwiler Türmli geführt hatte. Im Jahre 2003 sei er zusammen mit seiner Familie in den Sonnenhof gezogen. «Hier haben wir bessere bauliche Erweiterungsmöglichkeiten», ist er überzeugt. Im vergangenen Winter wurde der Stall erweitert. Durch den neu gewonnen Platz kann Werner Schiess nun seine Kälber selber halten und muss sie nicht mehr in einen Aufzuchtbetrieb geben.

Auf dem Sonnenhof leben nur hornlose Kühe. Im Alter von zwei Wochen – wenn die Hornknospen sichtbar sind – werden die Tiere unter Anästhesie enthornt. Dadurch könne das Verletzungsrisiko für ihn und die Tiere minimiert werden, sagt Schiess. Er habe dafür einen Kurs besucht und eine Prüfung abgelegt.

Weniger Handarbeit durch stetige Mechanisierung

Inzwischen hat Paul, der landwirtschaftliche Angestellte, der vorwiegend während der Sommermonate auf dem Hof mithilft, mit der Reinigung des Melkstalls begonnen. Er säubert die Stallabteile gründlich mit Wasser. Die Entwicklung der Landwirtschaft sei geprägt durch stetige Mechanisierung, es falle weniger Handarbeit an, sagt Schiess. Dies bringe auch Vorteile. «Beispielsweise ist nun das Melken der Kühe viel schneller und effizienter.»

Neben der Arbeit auf seinem Hof führt Werner Schiess zusätzlich Lohnarbeiten für andere Landwirte aus. Der 55-Jährige würde sich heute wieder für seinen Beruf entscheiden. Landwirt sein, sei einer der schönsten Berufe, die es gibt. Werner Schiess liebt die Natur, und die Arbeit mit den Tieren bereitet ihm viel Freude. «Ich muss nie zur Arbeit fahren, ich darf täglich Bauer sein», sagt er und lacht.

Weiterbildung auch in der Landwirtschaft wichtig

Der 28-jährige Reto Schiess ist ebenfalls gelernter Landwirt. Seine Ausbildung hat er vor neun Jahren abgeschlossen. Es sei üblich, den landwirtschaftlichen Lehrbetrieb nach jedem Lehrjahr zu wechseln. So lernte er bereits in der Grundausbildung drei verschiedene Landwirtschaftsbetriebe im Thurgau kennen. «Auch als Landwirt ist es wichtig, sich weiterzubilden», fügt er an. Reto Schiess hat sich fundierte betriebswirtschaftliche Kenntnisse in der zweijährigen Betriebsleiterschule angeeignet und kann somit Lehrlinge ausbilden. Vor kurzem hat er zudem die Meisterprüfung abgelegt.

Gaby Schiess kommt mit einer Giesskanne angelaufen. Die Blumen müssen an diesem warmen Sommermorgen gewässert werden. Der Garten ist das Reich der Bäuerin. «Er bedeutet mir sehr viel – hier kann ich auftanken», schwärmt die gelernte Hauspflegerin und verrät, dass sie schon als Kind Bäuerin werden wollte. In knapp zwei Stunden wird sich Gaby Schiess jedoch ihre weisse Schürze umbinden. Dann wird die Bäuerin ihren Hofalltag für einige Zeit vergessen und sich ihren Spitex-Klienten in der Umgebung widmen.

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