«Ich glaube nicht, dass ich mich in der Kirche noch wohl fühlen würde»: Im Turm der Kirche in Illighausen ist eine Mobilfunkantenne geplant

Im Dorf Illighausen ist der Empfang so schlecht, dass im Notfall nicht einmal die Ambulanz alarmiert werden kann. Deshalb entscheiden die Stimmbürger der Evangelischen Kirchgemeinde Lengwil am 29. November an der Urne über eine Mobilfunkantenne im Kirchturm. Bereits zum zweiten Mal. 2014 hatten sie sich klar gegen das Vorhaben ausgesprochen.

Rahel Haag
Drucken
Teilen
Im Turm der Kirche Illighausen soll eine Mobilfunkantenne installiert werden.

Im Turm der Kirche Illighausen soll eine Mobilfunkantenne installiert werden.

Bild: Urs Brüschweiler

Empfang oder kein Empfang – das ist in Illighausen die Frage. Um Ersteres zu erreichen, wäre im Dorf, das politisch zu Lengwil gehört,eine Mobilfunkantenne nötig. Bereits vor sechs Jahren war die Idee aufgekommen, diese im Turm der Kirche Illighausen unterzubringen. Darüber zu entscheiden hatten die Stimmberechtigten der Evangelischen Kirchgemeinde Lengwil. Mit 32 Nein- zu 19 Ja-Stimmen bei sechs Enthaltungen wurde das Ansinnen aber klar verworfen.

Mitte Dezember 2019 kam das Thema an der Gemeindeversammlung erneut aufs Tapet. Damals hatte sich die grosse Mehrheit der Anwesenden in einer Konsultativabstimmung dafür ausgesprochen, dass sich der Gemeinderat dem Problem erneut annehmen soll.

Auch sechs Jahre später zum selben Schluss gekommen

Nach Abklärungen mit Vertretern der Swisscom, der Schulgemeinde Kemmental und der Kirchbehörde Lengwil Anfang Februar dieses Jahres kam man wieder zum selben Schluss: Die Antenne sollte am besten mitten im Dorf im Turm der Kirche Illighausen platziert werden. Am 29. November entscheiden die Stimmbürger der evangelischen Kirchgemeinde also zum zweiten Mal. Diesmal aufgrund der Coronapandemie aber an der Urne.

Ciril Schmidiger, Gemeindepräsident von Lengwil.

Ciril Schmidiger, Gemeindepräsident von Lengwil.

Bild: PD

«Es ist wichtig, dass man in einer Demokratie diskutieren kann», sagt Ciril Schmidiger, Lengwils Gemeindepräsident, am Dienstagabend. Die politische Gemeinde hatte gemeinsam mit der Evangelischen Kirchgemeinde Lengwil zur Informationsveranstaltung in den Mehrzwecksaal in Illighausen geladen – mit Blick auf den Kirchturm. Insgesamt hatten sechzehn maskierte Personen Platz genommen.

Nicht einmal die Ambulanz kann alarmiert werden

Als Befürworterin des Projekts outet sich an diesem Abend Marianne Schleusser. Sie ist seit zweieinhalb Jahren Präsidentin der Evangelischen Kirchgemeinde Lengwil. «Ich bin mehrmals gefragt worden, warum ich mich für die Antenne im Kirchturm einsetze.» Ihre Antwort: Sie habe das Bedürfnis in der Bevölkerung gesehen. Sorgen mache ihr auch, dass aufgrund des schlechten Empfangs im Notfall nicht einmal die Feuerwehr oder Ambulanz alarmiert werden könne. 125 Stimmberechtigte zähle die Kirchgemeinde.

«Ich hoffe, dass auch jene aus Oberhofen, die heute schon Empfang haben, Ja sagen.»

Ein Mann möchte wissen, wie viel Miete die Swisscom der Kirchgemeinde bezahlen würde. Flavio Soldati, Projektleiter bei der Swisscom, blockt ab: «Darüber geben wir keine Auskunft.» Nur so viel: Beim Vertrag, der über 15 Jahre laufe, würde es sich um einen «normalen Mietvertrag» handeln. Der Mann gibt zurück, dass der Betrag ohnehin spätestens in der Jahresrechnung der Kirchgemeinde auftauchen werde. «Wenn die Kirchgemeinde den Betrag offenlegen will, ist das ihre Sache», antwortet Soldati.

Eine Frau sagt:

«Ich glaube nicht, dass ich mich in der Kirche noch wohl fühlen würde, wenn es im Turm eine Mobilfunkantenne hätte.»

Ihr sei schon klar,dass kein Empfang auch keine Lösung sei, «aber muss es wirklich 5G sein»? Sie mache sich Sorgen um mögliche negative Auswirkungen auf die Gesundheit.

Eine Befürworterin will wissen, wie lange es nach einem Ja dauern würde, bis die Antenne in Betrieb genommen werden könnte. «Im Durchschnitt dauert es 20 bis 24 Monate», sagt Soldati. Das hänge aber auch davon ab, ob es im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens zu Einsprachen komme. Das Schnellste, was er erlebt habe, seien drei Monate gewesen, das Längste sieben Jahre.