«Zu stark bearbeitet? Ich finde, das ist Kunst», sagt der junge Amriswiler Fotograf Mirco Costa zu seinem Werk

Der 15-jährige Mirco Costa ist gleich mit zwei Bildern im neuen Amriswiler Kalender vertreten.

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Mirco Costa posiert vor einem seiner Bilder. (Bild: Manuel Nagel)

Mirco Costa posiert vor einem seiner Bilder. (Bild: Manuel Nagel)

Sichtlich stolz begaben sich die Eltern auf den Rundgang zu den Schaufenstern der Bahnhofstrasse. In irgendeinem Geschäft würde vermutlich auch ein Bild ihres Sohnes hängen und ihn damit in seinem aussergewöhnlichen Hobby ein weiteres Mal bestätigen. Tatsächlich war es an der Vernissage am Dienstagabend nicht nur ein Bild. Es waren zwei. Die Drohnenaufnahme der winterlichen Zentrums als Dezemberbild, der farbenprächtige Abendhimmel über Amriswil als Titelbild.

Die Aufnahmen überzeugten die Jury derart überzeugt, dass sie auf ein zweites Foto Costas nicht verzichten wollte. Ohnehin ist die Jury von der Qualität der letzten Kalender- Ausgabe überzeugt: «Die Fotografen haben grossartige Arbeit geleistet. Vermutlich ist es der schönste Kalender der Trilogie», sagt der Amriswiler Kulturbeauftragte Andreas Müller.

Vor der Drohne Autos und Boote

Mirco Costa freut sich über den Erfolg, auch wenn es nicht der erste ist. Der technikinteressierte junge Mann hat sich nach jahrelangem Basteln an ferngesteuerten Autos und Booten auch an die Drohne gewagt. Zuerst baute er selbst welche, irgendwann haben ihm seine Eltern ein Modell im mittleren Preissegment für rund 2500 Franken geschenkt – Ersatz-Akkus und Rucksack-Zubehör exklusive.

Ein kostspieliges Hobby, das sich für Costa aber lohnen dürfte.

«Vor der Lehre bin ich etwa dreimal am Tag geflogen: morgens, mittags, abends. Jetzt fliege ich meistens nur noch am Abend.»

Der Weg in die Selbstständigkeit ist damit vorgegeben: Costa drehte bereits für Töffclubs Stunt- oder Werbefilme, fotografierte Bauprojekte und Dächer mit Solarmodulen. Bezahlt wird er mit Gutscheinen oder netten Gesten; fixe Preise kann er erst ab 16 verlangen.

Doch darum geht es ihm noch nicht. Es sei schön, zu sehen, wie die Menschen auf Aufnahmen aus der Vogelperspektive reagierten, ganz gleich ob auf Kalender- oder Leserbilder. Letztere reichte er der «Thurgauer Zeitung» schon zuhauf ein. Die Fotos, die er im Rohdatenformat aufnimmt, bearbeitet er vor der Veröffentlichung natürlich stark. «Manche werfen mir vor, sie seien überbelichtet. Ich finde, das ist Kunst», sagt der 15-Jährige. (red)

Hinweis
Zu kaufen gibt es den Amriswiler Kalender 2020 für fünf Franken am Infoschalter im Stadthaus und in Amriswiler Fachgeschäften, die ein Werk bis Ende Monat in den Schaufenstern ausstellen.