«Ich bin mir meiner privilegierten Stellung durchaus bewusst»: Der Romanshorner Christoph Sutter reimt Verse über Bänker, Schalter und Moneten

Reich zu sein, bedeute, viele Ideen zu haben, sagt der Eventpoet. Diese Woche hat er mit Charles Maurer ein neues Buch herausgebracht. Wie immer spielt der Sekundarlehrer gekonnt mit Worten.

Markus Schoch
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Christoph Sutter mit dem Buch, das er mit Charles Maurer geschrieben hat.

Christoph Sutter mit dem Buch, das er mit Charles Maurer geschrieben hat.

Bild: Reto Martin

Der Eventpoet spielt für einmal die zweite Geige. Christoph Sutter ist sozusagen für die Zwischentöne besorgt im Buch, das er zusammen mit Charles Maurer geschrieben hat und das den Titel «Bänker, Schalter und Moneten» trägt. Der ehemalige Staatsschreiber des Kantons Thurgau erzählt darin Geschichten über seine teils kuriosen Erfahrungen als Kleinsparer alter Schule mit Banken beziehungsweise der Finanzwelt und ihren Verlockungen. Und der 81-Jährige erzählt gleichzeitig die Geschichte seines Lebens, das ihn als Student in die USA und später als Berufsmann nach England und Deutschland geführt hat.

Froh zu sein

Er kommt zum Hafen, täglich schier
mit einem Köfferlein.
Er schaut den Schiffen, die von hier
aufs Meer fahr’n, hintendrein

Er hat das Geld für eine Fahrt
nach Übersee dabei.
Er freut sich auf den grossen Start
und fühlt sich vogelfrei.

Doch jedes Mal, am Abend dann
schlurft er nach Haus zurück.
Und trotzdem strahlt der alte Mann
vor tiefempfund’nem Glück.

Entgegen all der unsren Zeit,
die nur das Jetzt sich gönnt,
bewahrt der Mann die Möglichkeit
sich auf, dass er stets könnt!

Ein vertrauensvolles Verhältnis zu einer Bank aufzubauen, gestaltet sich für den Frauenfelder mit Berner Wurzeln über all die Jahre schwierig. Einmal sind es Schalterbeamte, die ihm gegenüber so arrogant auftreten, dass er sofort alle Konti saldieren lässt. Mal sind es Geschäftspraktiken, die ihn sprachlos machen. So als er die wertlos gewordenen Aktien der Mystery Park AG von Erich von Däniken ausgehändigt bekommen will, für die er, während elf Jahren 220 Franken Depotgebühren bezahlt hatte, obwohl sie nie in einem Depot lagen. Die Anteilscheine existierten die ganze Zeit nur digital, wie er erfährt.

Witzige, bissige und frivole Kontrapunkte

Völlig losgelöst von Maurers Geschichten sind im Buch mit einer Auflage von 700 Exemplaren 14 Verse von Sutter eingestreut. Er selber spricht von «Kontrapunkten». Wie immer spielt der Sekundarlehrer gekonnt mit Worten. Die einen Texte sind kurz, die anderen lang. Die einen witzig, die anderen bissig oder sogar frivol. Sutter setzt sich auch kritisch mit dem Thema auseinander, wenn er auf die letzte Finanzkrise zu sprechen kommt und sich fragt, wem das viele Geld gehörte, das damals viele verloren. Geld sei für ihn Mittel zum Zweck, sagt Sutter.

«Es gibt mir Freiheit und befreit mich von der Sorge, nicht zu wissen, wie ich meine Rechnungen bezahlen soll.»

Er lasse sich aber nicht kaufen, stellt er klar. «Ich bin mir meiner privilegierten Stellung durchaus bewusst.» Reichtum bedeute für ihn in erster Linie Ideenreichtum, und nicht Besitz. Wenn er das Wort «Banker» höre, denke er an «geschniegelte Zahlenmenschen», die zielorientiert und berechnend seien, sagt Sutter. «Das ist nicht negativ gemeint.» Er habe Cousins, die Banker seien.

«Es sind super Typen. Ich bin aber froh, dass ich ihren Job nicht machen muss.»

Mit den hohen Löhnen der Spitzenmanager tue er sich jedoch schwer. «Ein Buschauffeur hat unmittelbar mehr Verantwortung als sie und verdient nur einen Bruchteil.» Nur «bireweich» finde er Geldinstitute, die ihren Kunden raten, das Geld für sie arbeiten zu lassen. Denn irgend jemand müsse dafür arbeiten und den Preis bezahlen. Er selber habe sein erstes Geld als Viertklässler verdient. «Ich habe in den Ferien drei Wochen in einer Lackierwerkstatt gearbeitet und Autos geschliffen.»

Für Sutter ist Geld ein Mittel zum Zweck.

Für Sutter ist Geld ein Mittel zum Zweck.

Bild: Reto Martin

Das zweite Buchprojekt von Sutter und Maurer

Die Idee eines gemeinsamen Buches von Maurer und Sutter hatte der Bodan-Verlag in Kreuzlingen, der die beiden vor neun Jahren schon einmal zusammenbrachte («O Thurgau – es weihnachtet quer»). Sutter musste nicht lange überlegen, als ihn die Herausgeber für ein zweites Projekt anfragten. Die Welt des Gelds ist zwar nicht seine. «Aber es reizt mich in Tümpel einzutauchen, die nicht mein Gewässer sind», sagt er.

«Ich bin Gastautor mit einer Carte blanche. Was will man mehr?»

Nicht Nein sagen würde Sutter, wenn er mit seinen Versen endlich wieder auftreten könnte. «Wegen Corona habe ich dieses Jahr bis jetzt etwa 20 Veranstaltungen absagen müssen.» Der Kontakt mit dem Publikum fehle ihm. Und nicht die Moneten.

«Bänker, Schalter und Moneten», Charles Maurer und Christoph Sutter mit Illustrationen von Vreni Kauth-Vonarburg. Bodan AG, Kreuzlingen. ISBN 978-3-9525325-0-8